Trans* Girl Scouts in den USA Verkauf von 71.000 Kekspackungen als Empowerment
Besondere Empowerment-Aktion für queere Minderjährige in den USA: Trans* Girl-Scouts haben in der laufenden Kekssaison bereits mehr als 71.000 Packungen verkauft, wie die landweite Zählstelle der unabhängigen Journalistin und Aktivistin Erin Reed bestätigt. Die Verkaufssaison ist zu diesem Zeitpunkt erst zur Hälfte abgeschlossen.
Landesweite Aktion nach drei Jahren
Was im Jahr 2022 mit lediglich drei teilnehmenden Mädchen begann, umfasst inzwischen 189 Scouts oder ganze Trupps. Die Erlöse dienen unter anderem der Finanzierung von Reisen, Zeltlagern oder Projekten zugunsten lokaler Gemeinschaften. „In vielerlei Hinsicht ist es heute viel schwieriger als damals. Aber gleichzeitig ist die Community auch stärker geworden, und es ist einfacher – und wichtiger – geworden, die Menschen zu finden, mit denen man sich verbinden kann“, so Reed.
Reed hatte die Übersicht ursprünglich erstellt, um trans* Scouts gezielt zu unterstützen, nachdem die Girl Scouts trans* Mädchen bereits 2015 offiziell als Mitglieder aufgenommen hatten. Die Suche nach teilnehmenden Scouts erwies sich jedoch zunächst als schwierig. Erst über Hinweise aus den sozialen Medien wuchs die Liste stetig an und entwickelte sich zu einer landesweiten Unterstützungsaktion. Nach Reeds Worten gehe es dabei weniger um finanzielle Erträge als um die Stärkung trans* Jugendlicher. Ziel sei es, „zu versuchen, ihre Tage ein kleines bisschen besser zu machen – denn Gott weiß, dass sie schon genug zu bewältigen haben“.
Das Klima wird rauer
„Viele dieser Kinder leben nicht in unterstützenden Umfeldern. Viele leben in republikanisch regierten Bundesstaaten. Viele sind an Orten, an denen man ihnen gesagt hat, dass es falsch sei, so zu sein, wie sie sind. Zu erfahren, dass die eigene Identität nicht etwas Schlechtes ist, sondern etwas, worauf man stolz sein kann und wobei andere helfen wollen, ist bedeutend. Zum ersten Mal im Leben hat es ihnen tatsächlich ein wenig geholfen, trans* zu sein“, so Reed weiter.
Der gesellschaftliche und politische Kontext habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Als Reed die Liste erstmals veröffentlichte, habe nur ein US-Bundesstaat geschlechtsangleichende medizinische Versorgung für Minderjährige verboten. Inzwischen untersagen 26 Bundesstaaten diese Behandlungen, sechs davon drohen Ärztinnen und Ärzten mit strafrechtlicher Verfolgung. Viele Familien seien gezwungen, für medizinische Versorgung Staatsgrenzen zu überschreiten oder ihren Wohnort ganz aufzugeben.
Über 400.000 US-Dollar an Einnahmen
Bei einem Verkaufspreis von sechs US-Dollar pro Packung summieren sich die bisherigen Einnahmen auf mehr als 427.500 US-Dollar. Neben der finanziellen Unterstützung habe die Aktion bei den beteiligten Scouts dazu geführt, sich „geliebt, gesehen und respektiert zu fühlen – und voller Freude darüber zu sein, wer sie sind“. Gleichzeitig zeige die Initiative, dass Widerstand viele Formen annehmen könne – „und elf Geschmacksrichtungen“.
Zudem betont die Aktivistin weiter: „Es gibt diese Überanpassung, bei der wir alle dazu gedrängt werden, Geschlecht zu überwachen und zu kontrollieren, was es bedeutet, man selbst zu sein. Das Wichtigste, was Menschen tun können, ist, sich dem zu widersetzen. Auf jede erdenkliche Weise. Seid dieses nervige Speichenrad im Getriebe. Lasst nicht zu, dass diese Kinder zerdrückt oder verletzt werden – und tut alles in eurer Macht Stehende, um das zu verhindern.“