Kritik von Zach Sullivan Bisexueller Sportler nimmt Stellung zu schwuler Eishockey-Serie
Der bisexuelle Profi-Eishockeyspieler Zach Sullivan hat sich kritisch zur schwulen Erfolgsserie „Heated Rivalry“ geäußert. Der 31-jährige Brite erklärte, die Produktion habe bei ihm alte Traumata ausgelöst und bilde die Realität des Profisports nur unzureichend ab. Zugleich räumte er ein, dass die Serie für viele LGBTIQ+-Menschen eine wichtige positive Wirkung entfalten könne.
Traumata wieder aufgefrischt
Sullivan hatte 2020 als erster aktiver Profispieler im Eishockey öffentlich gemacht, dass er bisexuell ist. Die sechsteilige Serie mit Hudson Williams und Connor Storrie in den Hauptrollen habe ihn innerlich zerrissen zurückgelassen, schrieb Sullivan jetzt auf Instagram: „Ich bin einer von nur zwei aktiven männlichen Profieishockeyspielern, die sich öffentlich als LGBTIQ+ geoutet haben, und diese Serie hat viele persönliche Traumata wieder hochgeholt. Es fühlt sich stellenweise so an, als würden Teile meines Lebens vor mir auf der großen Leinwand nachgespielt. Ich weiß nicht, ob mich das wütend, traurig, gesehen oder glücklich macht. Ich bin zutiefst hin- und hergerissen.“
Trotz dieser Belastung betonte Sullivan die Bedeutung der Serie für andere. „Ich liebe diese Serie für das, was sie der LGBTIQ+-Community gibt, und dafür, wie sie die Welt des Eishockeys herausfordert, es besser zu machen“, sagte er weiter. Gleichzeitig ergänzte er: „Ich hasse diese Serie für die persönlichen Traumata, die ich beim Zuschauen in jeder einzelnen Sekunde wieder erlebt habe.“
Lob und Kritik für die TV-Produktion
Lob fand Sullivan für die beiden Hauptdarsteller. „Es fühlte sich an, als würde ich zwei sehr talentierten und unbestreitbar attraktiven Schauspielern dabei zusehen, wie sie Teile meines Lebens nachspielen“, schrieb er. „Ich habe keinerlei Zweifel, dass diese Serie vielen kämpfenden LGBTIQ+-Menschen helfen wird.“
Kritisch sieht Sullivan jedoch die Darstellung des Profisports. Die Serie greife zwar Themen wie homosexuelle Beziehungen im Männersport, Coming-Outs gegenüber Familie und Teamkollegen sowie das Gefühl von Akzeptanz auf. Die psychischen Belastungen eines ungeouteten Lebens im Eishockey würden aus seiner Sicht jedoch ausgeblendet. „Ich habe das Gefühl, dass das psychische und mentale Trauma, das ungeoutete LGBTIQ+-Athleten in einem hypermaskulinen und offen homophoben Sport erleben, komplett ignoriert wird“, sagte Sullivan. Auch der Anpassungsdruck auf junge Spieler werde nicht realistisch gezeigt. „Die Kultur, das Formen junger Spieler zu robotischen Persönlichkeiten, die ihre Eigenarten ablegen müssen, um dazuzugehören, wird ausgeblendet.“
Homophobie im Profi-Eishockey
Aus seiner eigenen Karriere berichtete Sullivan, ihm sei früh beigebracht worden, Emotionen zu unterdrücken und „sich zusammenzureißen“. Das habe auch bedeutet, die eigene Sexualität zu verstecken. „Ich bin völlig fassungslos über den Unterschied zwischen dem professionellen Eishockey im echten Leben und seiner Darstellung in der Serie.“
Er schilderte Situationen, in denen er sich nicht getraut habe, in der Kabine eine Nachricht von einem Mann zu lesen, und beschrieb die Isolation vom Team. Schlafmangel, Lügen, belastete Freundschaften und dauerhafte Erschöpfung hätten seine sportliche Laufbahn geprägt. Diese Erfahrungen sehe er in „Heated Rivalry“ nicht ausreichend repräsentiert.
Dennoch äußerte Sullivan Hoffnung. „Ich glaube aufrichtig, dass diese Serie insgesamt etwas Positives für die LGBTIQ+-Community sein wird“, sagte er. „Gleichzeitig bin ich aber überzeugt, dass diese Serie professionellen Eishockeyspielern, die mit ihrer Sexualität kämpfen, nicht helfen wird – und ich hoffe wirklich, dass ich mich irre.“ Die Serie basiert auf der Romanreihe „Game Changer“ von Rachel Reid. Die zweite Staffel soll auf dem Folgeband „The Long Game“ beruhen, der einen stärkeren Fokus auf die mentale Gesundheit der Hauptfiguren legt.