Direkt zum Inhalt
Oslo: Terror-Drahtzieher zu 30 Jahren verurteilt

Drei Jahre nach Anschlag CSD in Oslo: Terror-Gehilfe zu 30 Jahren verurteilt

mr - 19.01.2026 - 16:30 Uhr
Loading audio player...

Kurz vor der geplanten CSD-Demonstration 2022 in Oslo erschütterte ein islamistisch motivierter Terroranschlag vor dem queeren Club "London Pub" die norwegische Hauptstadt. Zwei Menschen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Nach dem bereits verurteilten Schützen ist nun auch der mutmaßliche Drahtzieher des Anschlags, Arfan Bhatti, zur Höchststrafe verurteilt worden.

 

Gericht verhängt 30 Jahre Verwahrung

Die Richterinnen und Richter des Amtsgerichts in Oslo sahen es als erwiesen an, dass Arfan Bhatti den Attentäter zur Tat angestiftet und bei der Ausführung unterstützt hat. Der 48-jährige Norweger mit pakistanischen Wurzeln muss mindestens 20 Jahre in Verwahrung verbringen, die in Norwegen maximale Sicherungsverwahrung kann anschließend um jeweils fünf Jahre verlängert werden, sollte von ihm weiterhin eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehen. Zusätzlich wurde er für die Planung weiterer Anschläge zusammen mit der Terrororganisation Islamischer Staat verurteilt. Die Staatsanwaltschaft warf Bhatti vor, gezielt einen besonders beeinflussbaren Mann instrumentalisiert zu haben. In einem zuvor aufgezeichneten Chatverlauf bestärkte Bhatti laut Gericht den späteren Schützen, der unmittelbar vor dem Angriff ein IS-Treuebekenntnis abgegeben hatte.

 

Einschätzungen zur Urteilsverkündung

Die Vorsitzende Staatsanwältin Aud Kinsarvik Gravås betonte: „Er ist ein Mann, der die norwegischen Werte hasst.“ Bhattis Verteidigung hingegen argumentierte, Teile der Kommunikation mit dem späteren Täter seien vom norwegischen Geheimdienst provoziert und überbewertet worden. Das Gericht sah indes keinen Beleg dafür, dass staatliche Akteure die Planung entscheidend beeinflusst hätten. Bereits kurz nach der Verkündung kündigte Bhatti Berufung gegen das Urteil an.

 

Folgen für Norwegens Gesellschaft

Nach Angaben staatlicher Stellen war die geplante norwegische CSD-Parade 2022 vorsorglich abgesagt worden, die queere Community steht seither verstärkt im Fokus islamistisch motivierter Gewalt. Die Polizei arbeitet eng mit internationalen Sicherheitsdiensten zusammen, da extremistische Netzwerke zunehmend im digitalen Raum agieren und grenzüberschreitend vernetzt sind. Die norwegische Justiz setzt mit dem Urteil ein kraftvolles Signal gegen Terror und zeichnet Verantwortung über den eigentlichen Anschlag hinaus bis zu den Hintermännern nach.

 

Strenges norwegisches Strafrecht gegen Extremismus

Die lange Verwahrungsstrafe für Bhatti unterstreicht die Null-Toleranz-Strategie norwegischer Behörden beim Umgang mit terroraffinen Straftäterinnen und Straftätern. Expertinnen und Experten warnen, dass weiterhin Gefahr durch international agierende islamistische Netzwerke besteht. Die Gesellschaft steht damit vor der Herausforderung, Wachsamkeit und Offenheit miteinander zu verbinden – zum Schutz aller Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihrer Identität. Bleibt das harte Urteil gegen die Drahtziehenden wirksam, um Nachahmungstaten in Zukunft zu verhindern?

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mit 55 Jahren verstorben

Offen lesbische Sportlerin

Anouschka Bernhard, frühere Nationalspielerin und langjährige Jugendtrainerin des DFB, ist im Alter von 55 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.
Aktuelle Befragung überrascht

Deutlicher Geschlechterunterschied

Junge Männer zeigen wieder mehr Ablehnung gegenüber Homosexualität – eine aktuelle Studie überrascht diesbezüglich sehr.

Neue Intimität durch KI

Studie zur Sexualität 2026

Zwei neue Studien aus Schweden zeigen auf: KI spielt im Sexleben eine immer größere Rolle, gerade auch bei LGBTIQ+-Menschen.
Warnung vor Extremisten

Treffen im EU-Parlament geplant

Die queere Organisation Forbidden Colours warnt vor einem Treffen von homophoben Extremisten im Februar im EU-Parlament.
Erneut Dating-App-Problem

Veröffentlichung intimer Fotos

Ein 22-jähriger Student aus Ancona ist Opfer eines sexuellen Erpressungsversuchs über eine Dating-App geworden.
Schutz vor Beleidigung

Paragraf 188 sei nutzlos

Jens Spahn fordert die Abschaffung des Paragrafen 188 im Strafgesetzbuch. Dieser schützt aktuell Politikerinnen und Politiker vor Beleidigung.
Lage in Mauretanien

Ständige Angst vor Verfolgung

Die Lebensrealität von LGBTIQ+-Menschen in Mauretanien verschlechtert sich zunehends, viele lieben in ständiger Angst vor Angriffen.
Nullnummer in England

Kirche verweigert Entscheidungen

Die Kirche von England hat sich nach neun Jahren Beratung geweigert, aktuell Stellung zu beziehen zu Homosexuellen in der Kirche.
Rotstift in Wien

Sparmaßnahmen bedrohen Community

Die staatliche Finanzierung der Pride in Wien wurde für dieses Jahr fast halbiert, nun kämpft der CSD und andere Projekte ums Überleben.