Gervais gewinnt Golden Globe Dank an die trans* Community – in Gervais Abwesenheit
Ricky Gervais hat den Golden Globe in der Kategorie Best Standup Comedy on Television gewonnen, doch die Dankesworte an die trans* Community kamen nicht direkt von ihm – sondern von Moderatorin Wanda Sykes, die den Preis in seiner Abwesenheit entgegennahm.
Witzige Dankesrede in Abwesenheit
Bei der Hollywood-Verleihung am Sonntagabend stellte Sykes die Nominierten vor und wies dabei darauf hin, dass Gervais nicht anwesend war. Sie wagte eine humorvolle Voraussage, wie die Dankesrede des Comedians aussehen würde: „Wenn du gewinnst, darf ich den Preis in deinem Namen annehmen. Du wirst Gott und der trans* Community danken“, sagte Sykes mit einem Schmunzeln. Als Gervais schließlich tatsächlich den Preis erhielt, hielt Sykes ihr Versprechen. „Er möchte Gott und der tans* Community danken“, sagte sie scherzhaft, was das Publikum zum Lachen brachte.
Gervais war für sein Netflix-Comedy-Special „Mortality“ nominiert. Im Vorfeld der Verleihung hatte er seine Witze auch gegen die queere Community und trans* Menschen im Interview mit der BBC verteidigt und diese weiter fortgeführt: „Das liegt daran, dass ich denke, dass ich recht habe“, so Gervais. Der Interviewer hakte nach und fragte ihn, was er genau für „richtig“ halte, worauf Gervais sagte: „Ich habe das Recht, über diese Dinge zu sprechen. Und es gibt Witze, die ich sicherlich verteidige. Ich kann nicht zurückblicken und sagen: ‚Oh, Entschuldigung, das habe ich gesagt, als ich gerade mal 50 war.‘“ Weiter führte er aus: „Wenn du progressiver wirst, vielleicht, und milder und dich veränderst, dann passiert es normalerweise, dass die Dinge, die du früher gemacht hast, schlechter aussehen.“
Seitenhieb im Namens Gottes
Gervais, der die Golden Globes bereits fünfmal moderiert hatte, äußerte kürzlich in der BBC-Radiosendung This Cultural Life, dass er die diesjährige Zeremonie wahrscheinlich auslassen werde. „Ich werde wahrscheinlich nicht zu den Golden Globes gehen… Es ist zu weit weg. Es braucht viel, um mich vom Sofa zu holen, mit meiner Katze und meiner Freundin, die Netflix schauen. Ich liebe die Arbeit, ich liebe es zu schreiben, ich liebe es zu kreieren, ich liebe Stand-up, aber auf all das andere könnte ich wirklich gut verzichten.“ Auch der Dank in seinem Namen an Gott war ein kleiner Seitenhieb auf Gervais, der 2020 als Moderator in die Geschichte der Golden Globes eingegangen war – kein anderer Host vor und nach ihm war jemals so humorvoll angriffslustig gegenüber der Hollywood-Prominenz, die sich bei jedem gewonnenen Award bei „ihrem Gott bedankt“, so derer britische Komiker damals abwertend.
Preisträger in Los Angeles
Die wichtigsten Preise des Abends gingen dann unter anderem an das Beste Filmdrama „Hamnet“ von Regisseurin Chloé Zhao über die Familie von William Shakespeare; als beste Komödie wurde „One Battle After Another“ von Paul Thomas Anderson ausgezeichnet, der auch für die beste Regie geehrt wurde. Timothée Chalamet bekam die Trophäe als bester Schauspieler in „Marty Supreme“, in dem er einen aufstrebenden Tischtennisspieler in den 1950er Jahren spielt. Die Australierin Rose Byrne siegte für ihre Rolle als überforderte Mutter in der Tragik-Komödie „If I had Legs I´d Kick You“. In der Fernseh-Kategorie räumte die Netflix-Serie „Adolescence“ ab – vier Auszeichnung gingen an das Jugendkriminalitäts-Drama. Schauspielerin Hellen Mirren wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Heated Rivalry-Stars auf der Bühne
Ein kleines Highlight für die Community am gestrigen Abend: Hudson Williams und Connor Storrie, die Stars der Hit-Serie „Heated Rivalry“, überreichten bei den Golden Globe Awards den Preis für die Beste Nebendarstellerin in einer TV-Serie an Erin Doherty, die für ihre Rolle in "Adolescence" ausgezeichnet wurde. In ihrem Sketch auf der Bühne spielte Storrie seine Nervosität aus, sodass Williams ihm half, sich zu beruhigen, indem er ihm riet, sich das Publikum in „ihrer Unterwäsche“ vorzustellen. „Ich weiß nicht, ob das funktioniert, schließlich haben uns ja alle schon gesehen, weißt du“, sagte Storrie.
„Du denkst also, jeder im Publikum hat Heated Rivalry gesehen?“ fragte Williams seinen Co-Star, der begeisterten Applaus erhielt. Storrie schien unsicher, sagte aber, die Reaktion könne als „vielleicht“ interpretiert werden, bevor er einräumte, dass jedenfalls die Trainer, Mütter und Töchter des Publikums es auf jeden Fall gesehen haben. Nachdem die lesbische Schauspielerin den Preis erhalten hatte, küsste sie ihre Partnerin. Ihre Dankesrede begann sie mit den Worten: „Ich habe meiner Mutter versprochen, nicht zu fluchen, aber was zum Teufel? Heilige Scheiße! Entschuldigung, Mama.“