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Der schönste Junge der Welt Schauspieler Andrésen aus „Tod in Venedig“ stirbt mit 70 Jahren

Von ms - 27.10.2025 - 14:00 Uhr
Foto: IMAGO / United Archives International
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Luchino Viscontis Literaturverfilmung „Tod in Venedig“ ist längt ein Klassiker der Kinokunst und erzählte davon, wie ein erwachsener Mann im Urlaub in Venedig dem schönen Knaben Tadzio mit Haut und Haaren verfällt. In Thomas Manns Novelle verliebt sich ein erfolgreicher Schriftsteller in den Jungen, im Film ist es ein Komponist. Das Ende indes blieb gleich: Der Liebeskranke verlässt trotz aller Warnungen nicht die Lagunenstadt und stirbt an der grassierenden Cholera. 

Sehnsuchtsbild ein Leben lang 

Björn Andrésen verkörperte mit 15 Jahren diesen Tadzio im Film und viele Jahre lang blieb er das Sehnsuchtsbild zahlreicher schwuler Männer und liebestoller Frauen. „Es war, als ob die ganze Zeit Schwärme von Fledermäusen um mich herumflögen“, so der Schwede später in seinen Erinnerungen. Und gegenüber dem Stern erklärte er Anfang der 2000er Jahre: „Tadzio war zwar kein Trauma, aber doch ein lästiger Schatten. Ein Leben ohne ihn wäre auf jeden Fall leichter gewesen, aber auch weniger interessant.“ Mit 70 Jahren ist Andrésen am gestrigen Sonntag verstorben. Eine Todesursache wurde nicht publik. 

Die Liebe zur Musik blieb 

Als junger Mann und Teenie-Schwarm machte er als Sänger nach dem Kinofilm in Japan Karriere und landete mehrere Hits, bevor er regelmäßig in schwedischen Filmen und TV-Serien zu sehen war. In Deutschland dürfte seine Rolle in „Mankells Wallander“ sowie als Dorfältester im Horrorfilm „Midsommar“ (2019) in Erinnerung geblieben sein. Zudem leitete er einige Jahre lang ein kleines Theater in seiner Heimat und blieb ansonsten seiner Leidenschaft, der Musik, zeitlebens treu. Er spielte und sang in verschiedenen Bands, gab Musikunterricht und lebte zumeist ein eher zurückhaltendes Leben in Stockholm. Im Dokumentarfilm „The Most Beautiful Boy in the World“ von 2021 betonte Andrésen, wie sehr ihn der frühe Ruhm überfordert habe und sein Leben dadurch oftmals schwierig gewesen war. 

Minderjährig im Schwulenclub 

Die Rolle des Tadzio bleib zeitlebens präsent, später berichtete er auch von den Dreharbeiten unter Starregisseur Visconti, der ihm den Titel des „schönsten Jungen der Welt“ verpasst hatte. Andrésen bezeichnete den schwulen Visconti einmal als „Raubtier“ und erzählte, wie dieser zusammen mit ein paar weiteren Männern aus dem Filmteam ihn mit 16 Jahren in einen Schwulenclub mitgenommen hatten. Alle Männer dort starrten ihn an, „als ob sie mir alle einen blasen wollten“, so der Schwede. 

Erst Jahre später verblasste sein Ruhm. Er heiratete, bekam zwei Kinder, wovon sein Sohn mit nur neun Monaten am plötzlichen Kindstod verstarb. Danach zerbrach auch die Ehe mit Susanna Román. Am Ende blieb er allein zurück – und wird mit bitterem Beigeschmack in der Filmgeschichte wohl auf ewig der „schönste Junge der Welt“ bleiben.

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