Direkt zum Inhalt

Trauriger Jahrestag LGBTIQ+-Afghanen werden seit vier Jahren gejagt und ermordet

Von ms - 15.08.2025 - 10:00 Uhr
Trauriger Jahrestag
Foto: iStock / :KeithBinns
ANZEIGE
Loading audio player...

Heute jährt sich die Machtergreifung der Terrororganisation Taliban in Afghanistan – seit nunmehr vier Jahren sorgt die islamistische Gruppe für Horror und Schrecken im Land, insbesondere für Homosexuelle und queere Menschen. Systematisch werden diese gejagt, inhaftiert, gefoltert und ermordet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zieht heute eine traurige Bilanz.

Vier Jahre Folter und Willkür 

Binnen kürzester Zeit nach der Machtübernahme im August 2021 ersetzte die Dschihadistengruppe das bestehende Rechtssystem durch eine religiös geprägte Ordnung, die sich in ihrer Radikalität vor allem gegen Schwule und Lesben sowie queere Menschen als auch Frauen richtet. Willkürliche Urteile, fehlende Transparenz und öffentliche Folter und Hinrichtungen sind seither an der Tagesordnung, betont die Menschenrechtsorganisation und hält das Ende des Aufnahmeprogramms (BAP)  in Deutschland sowie Abschiebungen nach Afghanistan für rechtswidrig. 

„Nach vier Jahren Taliban herrscht ein repressives Rechtssystem, das sich nicht nur weit von internationalen Menschenrechtsstandards entfernt, sondern auch fast zwei Jahrzehnte Fortschritt zunichte gemacht hat. Niemand ist in diesem System, das einzig auf Angst und Unterdrückung setzt, sicher. Jeder Person kann hier Folter drohen. Deswegen muss Deutschland sofort unterlassen, nach Afghanistan abzuschieben und so das Völkerrecht zu brechen.  Außerdem muss die Bundesregierung dringend ihr Versprechen einhalten und alle Afghan*innen, die bereits eine Aufnahmezusage für Deutschland haben, auch einreisen lassen“, fordert Theresa Bergmann, Asien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland. Eine ähnliche Kritik kam in dieser Woche auch bereits vom Verband Queere Vielfalt (LSVD+). 

Forderung an Deutschland und Staatengemeinschaft

Dabei betonte Amnesty einmal mehr die Brutalität und menschenrechtswidrigen Strafen, die bis heute im Land praktiziert werden, darunter Auspeitschungen, Folter und Misshandlungen sowie Hinrichtungen auf öffentlichen Plätzen oder in Sportstadien. Der internationale Menschenrechtsverein ruft deswegen erneut Deutschland und die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, verstärkt auch diplomatischen Druck auf die Taliban auszuüben und sich „entschieden für die Rückkehr zu Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in Afghanistan einzusetzen.“ Außerdem müsse Deutschland dafür sorgen, dass die rund 2.300 Menschen, die derzeit im Nachbarland Pakistan auf ihre Ausreise nach Deutschland warten, umgehend mit Visa ausgestattet werden, um schnellstmöglich einreisen zu können.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte heute, eine Rückkehr in die internationale Gemeinschaft könne es für Afghanistan nur geben, wenn die Taliban endlich internationale Verpflichtungen achten würde. Im Besonderen betonte auch er dabei die Lage von Frauen und Minderheiten wie der LGBTIQ+-Community, deren Rechte „immer stärker beschnitten worden“ sind. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesndQueer | Razzia in Casa Kuá schüchtert Berliner trans* Community eintazRazzia in queerem Community-Ort: Alles wegen ein paar TablettenFrankfurter Allgemeine ZeitungMit Hilfe von Leihmutter: Niederländischer Ministerpräsident und sein Verlobter bekommen ein BabyAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Wende im Fall Meiwes

Vorerst keine Entlassung

Armin Meiwes bleibt in Haft. Sein Antrag ist zurückgezogen. Was über die Entscheidung bekannt ist und warum lebenslang nicht nach 15 Jahren endet.
Omas Antwort auf den Hass

„Liebe kennt keine Barrieren“

Nach der Hasswelle gegen Luca und Cristian meldet sich Lucas Oma Loretta zu Wort. Ihr Brief stellt das Glück ihrer Familie an erste Stelle.
Kreativer Widerstand

Zehnkämpfer zeigt Haut aus Protest

Frauenfeindliche sexistische Witze von US-Comedian Shane Gillis sorgen aktuell für viel Empörung. Zehnkämpfer Chase Lathrop antwortet kreativ und sexy
Sorge um queere Sichtbarkeit

Pride-Teams wollen Kräfte bündeln

Mehr als 100 CSD-Veranstalter trafen sich in Recklinghausen. Sie warnen vor Anfeindungen und wollen sich bundesweit stärker unterstützen.
Geheimnisse bei Heated Rivalry

Jacob Tierney erklärt Serienerfolg

Ein neues Buch zeigt, wie „Heated Rivalry“ entstand, welche Szenen gestrichen wurden und was die zweite Staffel vorbereitet.
Rob Jetten wird Vater

Premier erwartet erstes Kind

Niederlands Premierminister Rob Jetten und sein Partner Nicolás Keenan erwarten im Frühjahr 2027 ihr erstes Kind durch eine Leihmutter.
Neue Pornogesetze in England

Verbot von Fetisch-Darstellungen

Großbritannien verschärft das Pornografie-Strafrecht: Ab November werden bestimmte sexuelle Darstellungen im Bereich Fetisch und Rollenspiele verboten
Regenbogen spaltet Amsterdam

Streit um queere Sichtbarkeit

Ein geplanter Regenbogenweg in Amsterdam sorgt für Streit. Während Initiatoren ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen wollen, protestieren Anwohner.
Keine PrEP in der Schweiz?

Ende der Kassenleistung 2027

In der Schweiz ist die Kostenübernahme für die HIV-Schutzpille PrEP nur bis Ende 2026 gesichert. LGBTIQ+-Verbände warnen vor Rückschritten.