Direkt zum Inhalt
Hass bis zum Ende
ANZEIGE

Hass bis zum Ende Mahnende Worte vom britischen Schwulen-Aktivist Peter Tatchell zum Tod der homphoben Anita Bryant

ms - 13.01.2025 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Mit besonderen, mahnenden Worten meldete sich Großbritanniens bekanntester Schwulen-Aktivist Peter Tatchell jetzt zu Wort. Zum Tod der homophoben Aktivistin Anita Bryant Mitte Dezember 2024 im Alter von 84 Jahren erklärte er: „Ihre Bigotterie vereinte die Menschen im Widerstand.“ Der Tod von Bryant wurde erst Ende letzter Woche publik. 

Kampf gegen Homosexuellen-Rechte

Bryant, einst zur Schönheitskönigin Miss Oklahoma gewählt, landete mit den Songs „Till There Was You“ und „Paper Roses“ US-Hits und war mehrfach für den Grammy nominiert, ohne ihn je zu gewinnen. Anfang der 1970er Jahre sang sie beim Super Bowl und auf den Parteitagen der Demokraten wie auch der Republikaner. Danach erlangte sie erneut nationale Bekanntheit als Werbesprecherin für Orangensaft aus Florida und für Coca-Cola.    

Landesweit Schlagzeilen machte sie in den USA mit ihrer Anti-Gay-Kampagne „Save Our Children“– ihr Hauptgegner war der erste offiziell homosexuelle Politiker der USA, Harvey Milk aus San Francisco. Die streng christlich-konservative Sängerin stellte dabei Schwule und Lesben als Bedrohung für die Jugend des Landes dar und hatte bereits zuvor mit einer Hetzkampagne erreicht, dass Anti-Diskriminierungsgesetze für Homosexuelle in Florida, Arkansas und Oklahoma zurückgenommen worden waren.

Verbot von schwulen Lehrern?

1978 engagierte sie sich als Vorreiterin für das Gesetzesvorhaben „Proposition 6“, das es Schwulen und Lesben in Kalifornien untersagen sollte, an Schulen arbeiten zu dürfen. Laut Bryant stellten insbesondere schwule Lehrer eine Gefahr für Jugendliche dar: „Homosexuelle können sich nicht fortpflanzen, also müssen sie rekrutieren. Und um ihre Reihen aufzufrischen, müssen sie die Jugend Amerikas rekrutieren“, erklärte Bryant. Homosexuelle hätten dabei kranke und traurige Werte, seien bemitleidenswert und versuchten nur, ihre „unglückliche Lebensführung“ zu verstecken. 

Schlussendlich scheiterte sie in Kalifornien, 58 Prozent der Bewohner stimmten damals gegen das geplante Verbot. Bryants schwulenfeindliche Rhetorik führte zum Niedergang ihrer vielversprechenden Musik- und Fernsehkarriere, die Firmen zogen zudem ihre Werbeverträge zurück. Die Antidiskriminierungsverordnung, zu deren Aufhebung sie 1977 beigetragen hatte, wurde schließlich 1998 in Florida wieder in Kraft gesetzt. Bryants lesbische Enkelin Sarah Green erzählte 2021, dass Bryant ihr nach dem Outing sagte, Homosexualität „sei nicht real“. Ihr Hass gegenüber Homosexuellen blieb ihr demnach offenbar bis zum Tod erhalten.  

Widerstandskraft und Liebe

Der britische Schwulen-Aktivist Peter Tatchell reagierte jetzt auf die Nachricht zum Tode der Sängern und sagte in einer Erklärung, dass Bryants Bigotterie „die Menschen in ihrem Widerstand vereinte“ habe. „Anita Bryants Hasskampagnen haben LGBTI*-Menschen immensen Schaden zugefügt, aber sie haben auch eine neue Ära des Aktivismus und der Solidarität ausgelöst. Ihr Vermächtnis ist ein warnendes Beispiel für den Schaden, den Homophobie anrichten kann, und eine Erinnerung an die Kraft von Widerstandskraft und Liebe bei der Überwindung von Hass.“

Und weiter: „Sie hat eine Welle des Aktivismus ausgelöst, die den Kampf für die Gleichstellung von LGBTI* verändert hat. Ihre Bigotterie vereinte die Menschen in ihrem Widerstand und löste eine Bewegung aus, die sich dem Hass entgegenstellte und den Grundstein für die Rechte legte, die wir heute hochhalten.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Russell T Davies ganz privat

Gedanken über alte und neue Liebe

Serienschöpfer Russell T Davies (Queer as Folk) spricht über den Tod seines Mannes Andrew Smith und seine neue jüngere Liebe Oliver Cole.
Neue Rekorde bei RuPaul

Große Bühne für Vielfalt

Mehr als 7.400 Menschen feiern mit RuPaul in Kanada – und stellen einen neuen Guinness-Weltrekord für eine Drag-Show auf.
Leguizamo blickt zurück

Drag-Kultfilm mit großer Wirkung

John Leguizamo sieht „To Wong Foo“ bis heute unterschätzt – und erinnert an die Bedeutung des Films für viele LGBTIQ+-Menschen damals wie heute.
Neuer Film mit Whoopi Goldberg

Frauen, Freundschaft und Trauer

Whoopi Goldberg spielt in „Women Like Us“ mit, einer neuen Netflix-Komödie der Obama-Produktionsfirma Higher Ground. Die Fans freuen sich sehr!
Sam Smith ist verlobt

Ende der Spekulationen

Popsänger Sam Smith und Modedesigner Christian Cowan haben ihre Verlobung endlich offiziell bestätigt – nach monatelangen Spekulationen.
House of the Dragon

Schwule Liebe unter Drachen

Eine neue Folge von „House of the Dragon“ befeuert Spekulationen über Gwayne Hightowers Sexualität – und beendet zugleich eine beliebte Fan-Theorie.
Neuigkeiten von Ryan Murphy

American Horror Story 13

Ryan Murphy hat erste Details zur 13. Staffel von „American Horror Story“ veröffentlicht – mit zahlreichen Rückkehrern und einem neuen Konzept.
Spekulationen um Madonna

Pop-Ikone heizt Gerüchte an

Madonna deutet eine mögliche Beteiligung an der World Pride 2026 in Amsterdam an. Ein offizieller Auftritt ist bislang jedoch nicht bestätigt.
Ariana Grande wehrt sich

Klage nach Diebstahl neuer Songs

Ariana Grande wehrt sich gegen den mutmaßlichen Diebstahl unveröffentlichter Musik und zieht jetzt gegen bisher unbekannte Hacker vor Gericht.