Direkt zum Inhalt
Debatte um Hassverbrechen
ANZEIGE

Debatte um Hassverbrechen Wie weit muss gesetzlicher Schutz gehen und wo wird Meinungsfreiheit beschnitten? Queere Aktivisten streiten mit der Regierung Australiens

ms - 13.09.2024 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Wie weit darf der Schutz vor Hassverbrechen gehen – und wann ist von möglichen Reglementierungen die Meinungsfreiheit von Menschen beeinflusst? Darüber streiten in diesen Tagen Parlamentarier verschiedener Fraktionen sowie auch queere Aktivisten in Australien. 

Neuer Gesetzentwurf vorgestellt

Ende dieser Woche stellte Generalstaatsanwalt Mark Dreyfus den Gesetzesentwurf der Albanese-Regierung zu Hassverbrechen vor, der nach seinen Worten „eine Antwort auf die zunehmende Verbreitung von Hassreden und hasserfülltem Verhalten in unserer Gesellschaft“ darstellt. „Dieses Verhalten kann und wird nicht toleriert werden“, betonte Dreyfus weiter. 

Der Gesetzentwurf erweitert den bestehenden Straftatbestand der Aufforderung zur Gewaltanwendung und schafft neue Straftatbestände für die Androhung von Gewalt beziehungsweise von Gewalt gegen Gruppen oder einzelne Mitglieder einer Gruppe, beispielsweise der LGBTI*-Community. 

Diese Straftatbestände würden künftig Menschen aufgrund ihrer Ethnie, Religion, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität, ihres intersexuellen Status, ihrer Behinderung, ihrer Nationalität, ihrer nationalen oder ethnischen Herkunft oder ihrer politischen Meinung schützen.

Queere Aktivisten fordern mehr Reglementierungen 

Vertreter von queeren Verbänden im Land zeigten sich trotzdem nicht zufrieden, ihnen gehen die neuen Gesetzespläne nicht weit genug. Sie wünschen sich ein Gesetz, das künftig bereits die Verunglimpfung, Spott sowie das Zeigen von Verachtung und Abscheu unter Strafe stellt. 

Anna Brown, die Geschäftsführerin der LGBTI*-Lobbygruppe Equality Australia, erklärte so, die aktuellen Bedrohungen für die Community seien „real, schwerwiegend und besorgniserregend“, es müsse etwas gegen Drohungen und Einschüchterungen getan werden. „Wir sollten den Hass stoppen, bevor er in Gewalt umschlägt. LGBTI*-Communitys sind rechtlich nicht ausreichend geschützt. Unsere Gemeinschaften brauchen dringend einen besseren Schutz vor Hass und Verunglimpfung. Diese Gesetze müssen sowohl Hassreden und -verhalten als auch Gewaltandrohungen abdecken.“ Auch weitere Organisationen und Verbände von Juristen bis über Vereine für jüdisches Leben streiten darüber, ob die jüngsten Gesetzesvorschläge weit genug gehen oder nicht. 

Dr. Nicole Shackleton von der RMIT Graduate School of Business and Law sagte so beispielsweise „Der Fokus auf Aufstachelung zur Gewalt und nicht auf Hass oder Spott bedeutet, dass diese neuen Gesetze nur auf vorsätzliche Handlungen abzielen, die zu Gewalt aufstacheln oder Schaden anrichten wollen.“ 

Blick in andere Länder

In die hitzigen Debatten spielen dabei auch immer wieder Gesetze gegen Hassverbrechen anderer Länder mit hinein, beispielsweise am Fall Beispiel Schottland. Das dort verabschiedete Gesetz bestraft bereits Aussagen, die als „Aufstachelung zu Hass“ verstanden werden könnten – betroffen davon sind auch Meinungsäußerungen in den eigenen vier Wänden. Kritik kommt von zahlreichen Verbänden, der politischen Opposition sowie auch von der schottischen Polizei selbst, die die Regelungen als praktisch nicht umsetzbar einschätzen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Schutz beim CSD

Hamburg reagiert auf Anschlag

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD verschärft Hamburg die Sicherheitsvorkehrungen für die Pride-Demonstration am kommenden Wochenende.
Debatte nach dem Anschlag

Deutliche Kritik an der Justiz

Nach dem CSD-Anschlag fordern Politik und Experten Konsequenzen – von einer Grundgesetzänderung bis zur Aufarbeitung der Justizentscheidung.
Community unter Schock

LSVD+ fordert Konsequenzen

Nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD fordert der LSVD+ mehr Schutz vor queerfeindlicher Gewalt und warnt vor Instrumentalisierung.
Details über CSD-Todesopfer

Polnische Mutter starb bei Amoklauf

Das Todesopfer des Terroranschlags auf den Berliner CSD stammt aus Polen. Die Tochter der 65-Jährigen überlebte verletzt, Polen ermittelt nun selbst.
Kritik von Stefan Evers

Streit um Reaktion auf Anschlag

Nach dem Terroranschlag am Berliner CSD entbrennt zwischen CDU, Linken, Grünen und SPD ein scharfer Streit über den Umgang mit Islamismus.
Schwule Cowboys im Rampenlicht

Cowboys als Social-Media-Hit

Seit dem Nationalen Cowboy-Tag am Wochenende rücken schwule Cowboys online wieder in den Fokus – und ein altes Klischee erhält neue Aufmerksamkeit.
Sexpositive Städte weltweit

Vancouver holt deutlich auf

Die sexpositivste Stadt weltweit bleibt auch 2026 Amsterdam, doch Vancouver auf Platz 2 holt stark auf. Die erste deutsche Stadt: Köln auf Platz 4.
Kirchen im LGBTIQ+-Check

Zwischen Akzeptanz und Ablehnung

Eine neue US-Rangliste zeigt: Während einige Kirchen LGBTIQ+-Menschen vollständig gleichstellen, halten andere an einer strikten Ablehnung fest.
Australiens Volkszählung

Erstmals wird LGBTIQ+ mitgedacht

Australiens neue Volkszählung 2026 erfasst erstmals LGBTIQ+-Daten. Aktivisten sehen darin einen wichtigen Schritt für mehr Sichtbarkeit.