Direkt zum Inhalt
Russland in Angst
ANZEIGE

Russland in Angst „Ich kann mich nicht erinnern, dass die Bedrohung jemals so ernst und real war!“

ms - 29.11.2023 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Noch in dieser Woche soll in Russland wahrscheinlich bereits das Gerichtsurteil fallen, das LGBTI*-Organisationen künftig rechtlich als „extremistische Verbände“ einordnen lässt – ein weitreichendes Urteil, welches die Lebenssituation von Homosexuellen und queeren Menschen im Land bald gänzlich unmöglich machen dürfte.

Gezielter Kampf gegen LGBTI*

Künftig wäre es damit auch möglich, dass alle Menschen, die sich für LGBTI* einsetzen, strafrechtlich verfolgt, verhaftet und verurteilt werden können. Präsident Wladimir Putin folgt damit seinem strengen Kurs im Kampf gegen die LGBTI*-Community, zuletzt hatte er Ende 2022 den Anti-Homosexuellen-Paragrafen aus dem Jahr 2013 noch einmal verschärft.

Nun also der nächste Schritt, den das Justizministerium so begründet: In Aktivitäten der russischen LGBTI*-Bewegung seien „verschiedene Anzeichen und Erscheinungsformen einer extremistischen Ausrichtung, einschließlich der Aufstachelung zu sozialem und religiösem Zwist“ festgestellt worden.

Die Bedrohung war noch nie so ernst

Gegenüber Reuters berichteten nun mehrere LGBTI*-Aktivisten, wie dramatisch sich seit der Ankündigung des neuen Gesetzvorhabens erst vor wenigen Tagen die Lage gerade für Homosexuelle noch einmal verschlimmert habe – viele haben schlicht panische Angst: „Natürlich ist das sehr beunruhigend, und ich kann mich nicht erinnern, dass die Bedrohung jemals so ernst und real war“, so LGBTI*-Aktivist Alexej Sergejew.

In der Community wird vermutet, dass Putin genau jetzt das Vorhaben durchsetzen will, um sich erneut Stimmen bei den Präsidentschaftswahlen im März 2024 zu sichern. Putin strebt dabei eine weitere, sechsjährige Amtszeit an.

Konsequenzen für alle Homosexuellen

Das neue Gesetz hätte dabei künftig nicht nur direkte Auswirkungen auf die wenigen, noch bestehenden Organisationen, die Homosexuelle und queere Menschen in Russland unterstützen, sondern auch ganz persönlich auf jeden einzelnen Homosexuellen. Sergej Troschin, ein offen schwuler Stadtverordneter in St. Petersburg für die Oppositionspartei Jabloko, erklärte so gegenüber Reuters, das Mitarbeitern des Staates künftig eine Beförderung versagt bleibt, wenn ihre Homosexualität bekannt ist – sie erwartet im Gegenzug sogar eher ein Strafverfahren.

„Jeden Morgen rechne ich damit, dass um 6 Uhr morgens Leute kommen und mich durchsuchen, klingeln und kräftig an die Tür klopfen, so wie sie es sonst gerne tun. Man wird mich durchsuchen und mir sagen: 'Gegen Sie wurde ein Strafverfahren wegen Beteiligung an den Aktivitäten einer extremistischen Organisation eingeleitet', mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen“, so Troschin weiter.

Suizide in der Community

Künftig werden selbst harmlose Treffen von LGBTI*-Menschen so eine strafbare Handlung darstellen. „Sie werden entweder Selbstmord begehen oder sich einfach in einem schrecklichen Zustand befinden – ihr Leben wird verkürzt sein und ihre Gesundheit wird sich stark verschlechtern, sie werden mehr trinken und rauchen und so weiter und versuchen irgendwie, dieser Realität zu entkommen“, so Aktivist Sergejew mit Blick auf seine homosexuellen Mitbürger.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.