Direkt zum Inhalt

Machtkampf in Köln Kardinal Woelki wettert gegen Homosexuellenrechte, mehrere Priester wollen ein klares Statement dafür setzen!

Von ms - 20.09.2023 - 10:00 Uhr
Machtkampf in Köln
Foto: iStock / 4FR
ANZEIGE
Loading audio player...

Kardinal Rainer Maria Woelki ist einer der Hardliner der deutschen Bischöfe und spricht sich bis heute radikal und streng nach den Weisungen aus Rom gegen jede Form von Reform aus – das betrifft insbesondere Themen rund um die Rechte von Homosexuellen. Der Protest auch innerhalb der Kirche wird dabei immer lauter; heute nun wird er sich diesem nicht mehr verschließen können.

Homosexuelle Segnungen vor dem Dom

Woelki selbst, der sich aktuell mit dem Verdacht des Meineids mit Bezug auf eine mögliche Mitwisserschaft in puncto Missbrauchsvorfälle vor Gericht verantworten muss, maßregelte im Juli den Pfarrer Herbert Ullmann aus Mettmann nahe Düsseldorf, weil dieser auch homosexuelle Paare gesegnet hatte. Anfang des Monats protestierten dagegen dann zwei katholische Kirchengemeinden aus dem Rheinland mit erneuten Segnungen von Schwulen und Lesben. Heute Abend nun werden mehrere katholische Priester eine Segnungsfeier für gleichgeschlechtliche Paare direkt vor dem Kölner Dom zelebrieren.

Einer davon ist der Münchner Geistliche Wolfgang Rothe, selbst homosexuell und ein Vorkämpfer für mehr Rechte von Schwulen und Lesben in der Institution Kirche. Rothe hat den heutigen Tag bewusst gewählt, es ist der Jahrestag von Woelkis Amtseinführung im Jahr 2014.

Streit um Homosexuelle eskaliert immer mehr

Der Streit um die Segnung von Homosexuellen spätestens seit dem Beschuss des Synodalen Weges, einem Gremium aus Bischöfen und Laien, ist vollends in Deutschland entbrannt: Die Mehrheit der deutschen Bischöfe sprachen sich dafür aus, schrittweise bis 2026 flächendeckend in ganz Deutschland die Möglichkeit von homosexuellen Segnungen einzuführen.

Zuletzt erst in dieser Woche auch erneut der Münchner Kardinal Reinhard Marx im Interview mit dem Münchner Merkur - er bekräftigte, dass er homosexuelle Paare segnen würde: „Es kommt immer auf die jeweilige Situation an. Wenn Menschen mich um einen Segen bitten, dann werde ich das auch tun. Wir haben gesehen, dass es Paare gibt, die kirchlich gesehen kein Ehesakrament empfangen können. Wir wollen eine Handreichung machen auf der Ebene der Bischofskonferenz. Aber darauf müssen die Pfarrer nicht warten: Wenn Menschen, die sich lieben, einen Segen erbitten, werden die Seelsorgerinnen und Seelsorger einen Weg finden, damit gut umzugehen und es zu tun.“

Mehrere Hardliner aus Bayern sowie auch Woelki selbst hingegen sind bis heute strikt dagegen, ebenso wie der Vatikan in Rom, der bereits mehrfach und bisher erfolglos die deutschen Geistlichen dazu aufrief, Gehorsam zu üben und von jedweden Reformvorhaben sofort abzulassen. Das Thema dürfte dann auch im Oktober bei der Weltsynode in Rom für heftige Diskussionen führen.

LSVD begrüsst Proteste in Köln

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland zeigte sich indes erfreut über die heutigen Proteste in Köln. Henny Engels aus dem Bundesvorstand erklärte: "Es ist erfreulich, dass seit geraumer Zeit in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland die über Jahre strikt ausgrenzende Haltung gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter* und allen queeren Menschen aufgeweicht wird. Wir begrüßen das sehr. Denn dieser Gottesdienst signalisiert Menschen, zu deren Identität ihr persönlicher Glaube ebenso gehört wie ihre geschlechtliche Identität und/oder ihre sexuelle Orientierung, öffentlich Akzeptanz. Das sendet ein klares Zeichen: ´Ihr seid willkommen, ihr gehört zu uns, ihr seid gesegnet – so wie alle anderen auch.´ Wir hoffen, dass viele Verantwortlichen in der römisch-katholischen Kirche diesem Beispiel folgen und den erfreulichen Weg der Öffnung für alle vielfältigen Lebensweisen weiterführen, der bereits durch den Synodalen Weg, die Initiative Out In Church und die Reform des kirchlichen Arbeitsrechts angestoßen wurde."

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER SPIEGEL»Selling Sunset«-Star: Chrishell Stause gibt Trennung von G Flip bekanntBerliner MorgenpostBerliner Theater senden Zeichen an LGBTQ-Community: „Ihr gehört dazu“WDRFast ausgestorben: Schwule Pinguine werden ElternDER STANDARDVerhetzungsprozess um "Dachau" und "Mauthausen" gegen lautstarken UneinsichtigenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

US-Lesbenbar vor dem Aus

Maskenpflicht polarisiert Community

Die lesbische Bar The Last Ditch in Massachusetts stellt ihren regulären Betrieb ein. Zuvor hatten gelockerte Corona-Regeln für viel Kritik gesorgt.
Empörung über Nicki Minaj

Rapperin gegen trans* Jugendliche

Bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Donald Trump kritisierte Nicki Minaj erneut geschlechtsangleichende Behandlungen für trans* Minderjährige.
Italiens Sexualkunde

Verbotsgesetz wird überprüft

Italiens Kassationsgericht macht den Weg frei für eine Volksabstimmung über ein Gesetz, das Sexualbildung inklusive LGBTIQ+ an Schulen einschränkt.
Auszeichnung für Tugay Saraç

Ehrung für mutige Aufklärungsarbeit

Der schwule 29-jährige Tugay Saraç wird für seine Präventionsarbeit an Schulen und seinen Einsatz für LGBTIQ+-Muslime mit 10.000 Euro ausgezeichnet.
ESC 2027 ohne Niederlande

Rundfunk zieht Teilnahme zurück

Die Niederlande verzichten trotz vorheriger Zusage doch auf den ESC 2027. Hintergrund sind anhaltende Konflikte über Israels Teilnahme.
Trauer um André Höhl

Fernsehballett-Star ist tot

Der langjährige schwule Tänzer des Deutschen Fernsehballetts André Höhl ist tot. Viele gemeinsame Auftritte verbinden ihn mit bekannten Musikstars.
Regenbogenbänke in ganz Berlin

Zeichen gegen Queerfeindlichkeit

Nach wiederholten Beschädigungen der Gedenkbank im Tiergarten wollen Berliner Kulturinstitutionen mit Regenbogenbänken Solidarität zeigen.
Viel Stoff, bequemer Halt

Schwule Jungs, lockere Hosen

Zum Tag der Boxershorts wird es luftig: Warum schwule Männer auf lockeren und besonders elastischen Stoff stehen und weshalb das mehr Erotik bedeutet.
Wünsche der Glee-Fans

Viel Liebe und neue Songs

Das „Glee“-Reboot sorgt für Vorfreude: Fans wünschen sich Hits von Chappell Roan, Troye Sivan und Sabrina Carpenter – samt chaotischer Geschichten.