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Erneute Diskriminierung im Badeparadies Schwarzwald

Gäste fordern faire Regeln Erneute Diskriminierung im Badeparadies Schwarzwald

mr - 30.03.2026 - 17:00 Uhr
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Ein weiterer Fall mutmaßlicher Diskriminierung gegen schwule Paare im Badeparadies Schwarzwald sorgt aktuell für Aufsehen in Titisee-Neustadt, dies berichtet die Badischen Zeitung. Nach den öffentlichen Vorwürfen eines französischen Influencer-Paares berichtet nun ein weiteres schwules Ehepaar, es sei wegen eines harmlosen Kusses im Saunabereich ermahnt worden – während heterosexuelle Gäste offenbar offenere Zärtlichkeiten zeigen durften. Der erneute Vorfall wirft Fragen nach Gleichbehandlung und nach diskriminierungsfreien Freizeitangeboten in einer der beliebtesten Thermen Deutschlands auf.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Im Badeparadies Schwarzwald wurden innerhalb weniger Wochen zwei schwule Paare ermahnt oder verwiesen.
  • Heterosexuelle Paare zeigten nachweislich stärkeren Körperkontakt, ohne Konsequenzen zu befürchten.
  • Das Bad betont eine vielfältige Ausrichtung in der Öffentlichkeitsarbeit, zeigt jedoch fast ausschließlich heterosexuelle Motive.
  • Bisher gibt es keine explizite Entschuldigung der Unternehmensleitung gegenüber den betroffenen Gästen.

 

Erneute Vorwürfe gegen das Badeparadies

Das betroffene Ehepaar, das anonym bleiben möchte, schildert, dass sie im Winter im Saunabereich lediglich einen kurzen Kuss ausgetauscht haben. Kurz darauf habe eine Angestellte sie ermahnt, solche Berührungen zu unterlassen. Zugleich beobachteten die Männer nach eigenen Angaben andere Paare: „Im gleichen Bereich waren Hetero-Paare, die viel mehr Körperkontakt hatten als wir. Eine Frau saß vollkommen unbekleidet auf dem Schoß ihres Partners“, erklärte einer der beiden. Zwar habe sich die Mitarbeitende 20 Minuten später für ihr Vorgehen entschuldigt, dennoch blieb bei dem Paar der Eindruck, für gleiches Verhalten anders behandelt zu werden als heterosexuelle Besucherinnen oder Besucher.

 

Bundesweite Aufmerksamkeit durch wiederholte Vorfälle

Der aktuelle Fall ist nicht der erste dieser Art im Badeparadies Schwarzwald. Bereits Mitte März war ein französisches Paar nach einem kurzen Kuss von Sicherheitskräften aus dem Bad verwiesen worden. Auch in diesem vorherigen Fall stellten die Betroffenen eine aus ihrer Sicht strengere Behandlung gleichgeschlechtlicher Paare fest. Die Leitung der Therme verweist darauf, dass Mitarbeitende allen Gästen unabhängig von deren persönlichen Hintergründen zur Verfügung stehen würden. Eine klare Stellungnahme zu den Vorwürfen der wiederholten Ungleichbehandlung hat das Unternehmen jedoch bislang nicht abgegeben.

Ein weiteres Detail sorgt für Irritation: Während das Badeparadies auf seinen eigenen Social-Media-Kanälen mit Bildern von heterosexuellen Paaren wirbt, tauchen gleichgeschlechtliche Paare in solchen Werbemotiven offensichtlich nicht auf. Die Pressesprecherin des Bades betont jedoch, die Kommunikationsstrategie sei prinzipiell „vielfältig ausgerichtet“ und werde ständig weiterentwickelt.

 

Hintergrund: Antidiskriminierungsrecht und Erfahrungen in Freizeiteinrichtungen

Nach deutschem Recht gilt im öffentlichen Dienstleistungsbereich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das eine Benachteiligung aufgrund der sexuellen Identität ausdrücklich untersagt. Forschungen, etwa der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, zeigen jedoch, dass queere Personen in Freizeiteinrichtungen weiterhin häufiger Diskriminierung erleben. Dazu zählen vor allem restriktivere Benimmregeln gegenüber trans*, lesbischen und schwulen Gästen. Der Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags hat wiederholt auf die Bedeutung sensibilisierter Teams in Urlaubs- und Freizeitbetrieben hingewiesen – Erfolge in der Praxis sind aber laut Expert*innen regional unterschiedlich.

 

Ausblick: Forderungen nach klarer Positionierung

Die erneuten Vorwürfe gegen das Badeparadies Schwarzwald lassen die Frage offen, wie das Unternehmen künftig Diskriminierung verhindern und Vertrauen bei allen Gästen wiederherstellen will. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und zahlreiche queere Verbände fordern hierzu bundesweit klare Beschwerdewege und eine konsequente Umsetzung des AGG. Ob das Badeparadies auf die aktuellen Vorfälle mit konkreten Maßnahmen reagiert, bleibt abzuwarten.

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