Direkt zum Inhalt

Zitat: "Das mache ich auch" Geschlechtsänderung: Beförderungsausschluss von Polizistin

Von mr - 24.02.2026 - 13:30 Uhr
Geschlechtsänderung: Beförderungsausschluss von Polizistin
Foto: © iStock / fairywong
ANZEIGE
Loading audio player...

Eine Polizeikommissarin bleibt vorerst von Beförderungen ausgeschlossen, nachdem das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschied, dass ihr Ausschluss aus dem Beförderungsprozess rechtmäßig ist. Im Zentrum steht der Verdacht, dass die Kommissarin ihren Geschlechtseintrag gezielt geändert haben könnte, um im Zuge der Frauenförderung rascher aufsteigen zu können. Die Person, die im Mai das Geschlecht offiziell von männlich auf weiblich geändert hatte, darf also vom Beförderungsverfahren ausgeschlossen werden.

 

Gericht bewertet Ausschluss als zulässig

Das Polizeipräsidium Düsseldorf hatte die Kommissarin nicht bei Beförderungsverfahren im Zeitraum von November 2025 bis Januar 2026 berücksichtigt, da ein Disziplinarverfahren gegen sie läuft. Das Gericht sah es als begründet an, dass die Beamtin ihren Eintrag beim Standesamt nach dem neuen Selbstbestimmungsgesetz im Mai 2025 offenbar vor allem aus taktischen Gründen ändern ließ. Die Kommissarin hatte dies mit Eilanträgen angefochten, wurde jedoch in allen Fällen abgewiesen. Laut den Richterinnen und Richtern bestand der Verdacht, dass sie mit der Änderung gezielt von Fördermaßnahmen für weibliche Polizistinnen profitieren wollte.

 

Hinweise sprechen für den Verdacht

Mehrere Aussagen der Kommissarin gegenüber Kolleginnen und Kollegen bestärkten laut Gerichtsentscheidung den Anfangsverdacht. So soll sie unter anderem nach einem Bericht über eine beförderte trans* Polizeibeamtin verkündet haben: „Das mache ich auch.“ Zudem deutete sie an, im kommenden Jahr „wieder ein Mann“ zu sein. Solche Äußerungen wertete das Gericht als potenziellen Verstoß gegen die dienstliche Integrität und betonte deren Eignung, das Vertrauen im dienstlichen Umfeld zu erschüttern.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein separates Verfahren wegen des Verdachts auf versuchten Betrug bereits mangels Strafbarkeit eingestellt. Der Anwalt der Kommissarin bezeichnete die Aussagen seiner Mandantin als missverstandene Ironie und warf dem Polizeipräsidium Queerfeindlichkeit vor. Die Betroffene identifiziere sich seit Jahren als Frau und habe den Personenstand aus persönlichen Gründen geändert.

 

Selbstbestimmungsgesetz im bisherigen Rechtstest

Das Selbstbestimmungsgesetz, seit 2025 in Kraft, vereinfacht die weibliche oder männliche Selbsteintragung. Kritikerinnen und Kritiker warnen vor potenziellen Missbrauchsmöglichkeiten in Förderprogrammen oder im Justizsystem. Befürworterinnen und Befürworter hingegen heben hervor, dass die überwiegende Mehrheit der trans* Personen die Änderung des Geschlechtseintrags ernst und aus tief empfundener Identität beantrage. Öffentliche Stellen, so betonen Expertinnen und Experten, müssten daher sensible Prüfungen vornehmen, ohne pauschales Misstrauen zu schüren.

 

Neue Anforderungen an Behörden

Der Fall zeigt die Herausforderungen auf, vor die Behörden durch die Liberalisierung des Personenstandsrechts gestellt werden. Aktuell bleibt die Kommissarin von Beförderungen ausgeschlossen, kann aber Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen. Die Debatte wird vermutlich weiterhin begleiten, wie ein fairer, transparenter Umgang zwischen Gleichberechtigung und Missbrauchsverdacht gestaltet werden kann. Das Vertrauen in inklusive und gerechte Verfahren steht dabei auf dem Prüfstand.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.