Wirksame doxyPEP-Strategie US-Studie belegt hohe Wirksamkeit nach Sexualkontakten
Ein vergleichsweise günstiges Antibiotikum könnte nach neuen Forschungsergebnissen einen spürbaren Beitrag zur Eindämmung von Syphilis leisten. Das zeigt eine aktuelle Studie der University of Washington, die die sogenannte doxyPEP-Strategie untersucht hat. Hoffnung insbesondere auch für queere Community.
Das Wichtigste im Überblick:
- US-Studie sieht deutlichen Rückgang von Syphilis-Infektionen durch doxyPEP-Einsatz
- In einer Region wurden über 3.000 Fälle rechnerisch verhindert
- Strategie basiert auf Einnahme eines Antibiotikums nach Sexualkontakt
- Diskussion über Wirkung, Zugang und mögliche Antibiotikaresistenzen
Deutlicher Effekt gegen Syphilis
DoxyPEP (doxycycline post-exposure prophylaxis) bezeichnet die Einnahme eines Antibiotikums nach sexuellem Kontakt, um bakterielle Infektionen wie Syphilis oder Chlamydien im frühen Stadium zu verhindern. Die Studie wurde im Fachjournal Clinical Infectious Diseases veröffentlicht und vom Center for Infectious Disease Research and Policy hervorgehoben.
Nach Angaben der Forscher wurden in King County im US-Bundesstaat Washington schätzungsweise 3.031 Syphilis-Fälle verhindert. Dies entspreche einem Rückgang von 52,3 Prozent, nachdem die Strategie eingeführt worden sei. Die Daten deuten laut Studie darauf hin, dass in Regionen mit hoher Anwendung von doxyPEP die Zahl der Infektionen deutlich sinkt. Grundlage der Auswertung waren anonymisierte Angaben von 133 medizinischen Anbietern aus dem Herbst 2024.
Rund 54 Prozent der Befragten berichteten von einer gestiegenen Nachfrage nach entsprechender Behandlung bei Erwachsenen, 55 Prozent bei Jugendlichen. Etwa 31 Prozent der Anbieter, die auch Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesstaaten behandeln, gaben an, dass diese aufgrund restriktiver Regelungen in ihren Heimatstaaten ausweichen.
Fast die Hälfte der befragten Anbieter (47 Prozent) erklärte, sie hätten sich durch die Entwicklung stärker als Anbieter der entsprechenden Versorgung sichtbar gemacht. Gleichzeitig berichteten rund 80 Prozent von erhöhtem Stress, 77 Prozent von mehr Angst und 53 Prozent von verstärkten Depressionssymptomen. 26 Prozent gaben an, persönlich online bedroht worden zu sein, 29 Prozent meldeten Bedrohungen am Arbeitsplatz.
Erfolg für öffentliche Gesundheit
Der frühere CDC-Direktor Jonathan Mermin bezeichnete die Ergebnisse als Erfolg einer öffentlichen Gesundheitsstrategie. „ „Dies ist ein Beispiel für erfolgreiche öffentliche Gesundheit. Wir haben gesehen, dass allein die Herausgabe von doxyPEP-Leitlinien für die Bevölkerungsgruppen mit dem höchsten Risiko zu einem starken Rückgang der STI-Inzidenz sowohl in diesen Gruppen als auch insgesamt geführt hat. Ein auf Effizienz und Gerechtigkeit ausgerichteter Ansatz im öffentlichen Gesundheitswesen hat allen genutzt.“
DoxyPEP sieht die einmalige Einnahme von 200 Milligramm Doxycyclin nach sexuellem Kontakt vor, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, spätestens nach 72 Stunden. Der Wirkstoff wird seit Jahren unter anderem gegen Akne und andere bakterielle Erkrankungen eingesetzt.
Adrian Shanker, früherer Berater im US-Gesundheitsministerium, sagte: „ „Dies war eine gesundheitspolitische Priorität der Biden-Regierung für die LGBTIQ+-Community.“ Er verwies darauf, dass es ohne nationale Leitlinien zuvor vielerorts kaum Zugang gegeben habe: „Außerhalb der großen Metropolregionen war es ziemlich schwierig, wenn nicht unmöglich, doxyPEP für schwule und bisexuelle Männer zur STI-Prävention zu erhalten.“ Die frühere US-Gesundheitsbeamtin Rachel Levine erklärte: „Wir haben beschlossen, dieses Problem wirklich umfassend anzugehen. Die richtige Forschung, die richtige Behandlung zur richtigen Zeit zeigt Wirkung.“
Fachleute weisen zugleich auf mögliche Risiken hin, insbesondere im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenzen. Zwar werde dieses Thema ernst genommen, bislang gebe es jedoch Hinweise, dass die Zielerreger nur begrenzt resistent würden. Die Forscher betonen zudem, dass weitere Beobachtungen notwendig seien, um langfristige Effekte und mögliche Auswirkungen auf andere Bakterienarten zu bewerten.