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Verschleppung von LGBTI*s nach Russland? Rund 1,1 Millionen Ukrainer sollen insgesamt bereits in Russland sein

Von ms - 04.05.2022 - 16:00 Uhr
Verschleppung von LGBTI*s nach Russland? // © IMAGO / SNA
Foto: Verschleppung von LGBTI*s nach Russland? // © IMAGO / SNA
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Was lange befürchtet wurde, könnte sich nun als wahr herausstellen – werden LGBTI*-Aktivisten und queere Menschen aus der Ukraine nach Russland verschleppt?

Der Geschäftsführer der Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl, Günter Burkhardt, hat zunehmende Verschleppungen von Ukrainern nach Russland beklagt. „Wenn man Menschen, die fliehen wollen, an der Flucht hindert und in einen anderen Staat bringt, dann ist das eine Verschleppung und damit eine krasse Menschenrechtsverletzung. Das reiht sich ein in eine Kette verbrecherischer Handlungen, die das Putin-Regime begeht“, so Burkhardt gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Genaue Zahlen und Fakten, wie viele Menschen und welche Menschengruppen genau verschleppt worden sind, sind indes nicht bekannt. Nach russischen Militärangaben aus Moskau seien bisher rund 1,1 Millionen Menschen nach Russland gebracht worden. LGBTI*-Aktivisten vor Ort befürchten, dass darunter auch viele queere Menschen sein könnten, noch dazu, seitdem vor einigen Wochen bekanntgeworden war, dass Russland Fahndungslisten für den Einmarsch in die Ukraine erstellt haben soll.

Nach US-Geheimdienstinformationen sollen nebst politischen Zielpersonen auch queere Menschen und LGBTI*-Aktivisten ganz oben auf diesen Listen stehen. Was bei einer Verschleppung dieser Personen in Russland dann passiert, ist gänzlich offen.

Auch von Seiten der russischen LGBTI*-Community gibt es dazu keine fundierten Informationen, da auch hier die Kommunikationsmöglichkeiten durch Präsident Putin immer stärker eingeschränkt werden.

Erst vor wenigen Tagen hat die russische Regierung Geldstrafen gegen mehrere Social-Media-Anbieter verhängt, darunter Facebook, Instagram und TikTok, mit dem langfristigen Ziel, die bisherigen Kommunikationskanäle fernab der offiziellen medialen Propaganda immer radikaler zum Schweigen zu bringen. Dabei stellen gerade die sozialen App-Anbieter eine der letzten sicheren Möglichkeiten für LGBTI*-Aktivisten dar, untereinander in Russland zu kommunizieren. Gleichzeitig hatte Putin eine der größten LGBTI*-Schutzorganisationen im Land ganz verbieten lassen. 

Nach Aussagen des russischen Militärs seien unter den Verschleppten auch rund 200.000 Kinder und Jugendliche – darunter könnten Schätzungen zufolge auch mehr als 14.000 queere Jugendliche sein. Insgesamt gehen Organisationen wie die LGBTI*-Rechtsgruppe Forbidden Colours von bis zu 600.000 LGBTI*-Menschen aus, die aus der Ukraine aktuell fliehen oder bereits geflohen sind.

Wie vielen die Flucht tatsächlich gelungen ist, bleibt ebenso unklar derzeit. Nach russischer Darstellung wurden die offiziellen 1,1 Millionen Ukrainer nur vor den Kämpfen in ihrer Heimat in Russland “in Sicherheit“ gebracht. Für die ukrainische Staatsführung handelt es sich dabei um einen Akt von Verschleppung. 

 

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