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Verbot von trans-Konversionstherapien Demonstrationen für trans-Community zeigen Wirkung

Von ms - 13.04.2022 - 11:30 Uhr
Briten wollen ein Verbot von trans-Konversionstherapien // IMAGO / ZUMA Wire
Foto: Briten wollen ein Verbot von trans-Konversionstherapien // IMAGO / ZUMA Wire
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Der britische Premierminister Boris Johnson und seine Regierung geraten immer mehr unter Druck. Nachdem Johnson über vier Jahre lang die Diskussion um ein Verbot von Konversionstherapien hinauszögerte, erklärte er zuletzt, dass er Konversionstherapien in einem ersten Schritt nur für schwule, lesbische und bisexuelle Menschen verbieten lassen wolle. Trans-Personen sind davon ausdrücklich bisher ausgenommen.

Nachdem am vergangenen Wochenende mehrere tausend Demonstranten und LGBTI*-Aktivisten vor dem Amtssitz des Premierministers in der Downing Street in London protestierten, belegt nun auch eindrucksvoll eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Times, dass die Mehrheit der Briten gegen die Entscheidung von Johnson sind.

1.800 Menschen wurden in Großbritannien zu ihrer Einstellung in puncto Konversionstherapien befragt – die Ergebnisse sind eindeutig. 65 Prozent der Briten sind der Meinung, dass Konversionstherapien aufgrund der sexuellen Orientierung verboten werden sollen. Beinahe genauso viele Bürger (62 Prozent) sprechen sich zudem dafür aus, auch trans-Personen unter diesen Schutz zu stellen. Die Daten sprechen auch deswegen eine eindeutige Sprache, weil die Zustimmung zu dem allumfassenden Verbot quer durch alle Altersgruppen, Geschlechter, geografischen Regionen und politischen Zugehörigkeiten gleich hoch ist. Ein weiteres Detail dürfte dabei für Johnson besonders pikant sein: Auch 58 Prozent der eigenen Tory-Wähler sind für ein Verbot der Therapieangebote auch für trans-Personen. Johnson hatte zuletzt versucht, die Frage darüber zu einem politischen Streitpunkt zwischen Labour-Partei und Konservativer Partei (Tories) umzudefinieren.

Die weiteren Daten der Umfrage: Knapp ein weiteres Viertel war sich unsicher in diesen Fragen, gerade einmal rund 15 Prozent befürworten Konversionstherapien für queere Menschen noch immer. Erstaunlich ist dabei auch, dass eine Mehrheit der Briten in jeder Altersklasse sich klar für ein allumfassendes Verbot von Konversionstherapien ausgesprochen hat, selbst in puncto Schutz von trans-Personen sprechen sich die eher als konservativ eingestuften, älteren Menschen mehrheitlich dafür aus (67 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen und 58 Prozent bei den Befragten im Alter ab 65 Jahren).

Der politische Redakteur und Korrespondent der Byline Times, Adam Bienkov, fasste das Problem des Premierministers passend so zusammen: „Das Problem mit Boris Johnsons Kulturkrieg ist, dass die Öffentlichkeit bei den meisten Themen, bei denen er ihn zu führen versucht, nicht mit ihm übereinstimmt.“ Die Stimmung im Land lässt sich auch an einer aktuellen Online-Petition ablesen, die seit Montag dieser Woche fordert, dass "transsexuelle Menschen im Rahmen eines Verbots der Konversionstherapie vollständig geschützt werden.“ Bisher haben binnen von zwei Tagen bereits rund 130.000 Briten die Petition unterschrieben.

Johnson hatte zuvor argumentiert, die trans-Community deswegen in einem ersten Schritt nicht in das Verbot mit einbeziehen zu wollen, weil noch komplexe juristische Punkte zu klären wären. Eine dieser offenen Fragen war die Befürchtung, dass es bei einem Verbot von Konversionstherapien auch für trans-Jugendliche, Ärzten und Therapeuten künftig untersagt sein könnte, bei einer Selbstdiagnose medizinisch und therapeutisch abzuklären, ob tatsächlich eine Geschlechtsdysphorie als Grundlage für eine Transsexualität vorliegt oder nicht. Die dezentralen Regierungen des Vereinigten Königreichs teilen Johnsons Haltung in dieser Frage jedoch offenbar auch nicht, denn sowohl Wales als auch Schottland haben inzwischen verlautbaren lassen, dass sie ein Verbot der Konversionstherapie auch für trans-Menschen auf den Weg bringen werden.

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