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Trans-Mann (19) kämpft gegen Putin // © IMAGO / Pacific Press Agency
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Trans-Mann (19) kämpft gegen Putin "Es ist furchtbar, aber wir werden es schaffen. Queere Menschen in der Ukraine werden es besser haben!“

ms - 14.03.2022 - 15:54 Uhr
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Immer wieder erreichen uns in diesen Tagen Nachrichten von mutigen Menschen, die sich nach wie vor mit vereinten Kräften gegen die Invasion Russlands in die Ukraine stellen. Besonders mutig und auch trotzig zeigen sich oftmals gerade auch Mitglieder der LGBTI*-Community. Sie haben viel mehr zu verlieren, als „nur“ ihre Heimat.

Wenn Russland die Ukraine dauerhaft einnimmt, würde das für queere Menschen das endgültige Scheitern von LGBTI*-Rechten vor Ort bedeuten – dabei entwickelte sich vor allem in den letzten Jahren schrittweise eine lebhafte und bunte queere Community, gerade in den großen Städten. Die Toleranz und Akzeptanz stieg auch in der Bevölkerung von Jahr zu Jahr an, zuletzt kamen zum größten Pride nach Kiew mehr als 7.000 Menschen und feierten auf den Straßen ausgelassen queere Gleichberechtigung. Das zaghafte, aber stetig wachsende Pflänzchen droht nun von russischen Soldatenschuhen brutal niedergetrampelt zu werden.

Es geht um mehr als ihr Heimatland, weswegen viele queere Menschen vor Ort bleiben, kämpfen und sich mutig dem Aggressor Putin entgegenstellen – so auch der 19-jährige trans-Mann Oleksandra. Gegenüber Pink News berichtete er jetzt davon, was seit dem ersten Einmarsch Russlands passiert ist – von den verzweifelten Anrufen seiner Angehörigen und immer drängenderen Fragen aus dem Kreis der queeren Freunde, wann er denn nun endlich flüchten würde.

Der junge trans-Mann haderte einige Tage damit, bevor er entschloss, zu bleiben. Oleksandra kann sich nicht vorstellen, woanders zu leben, wenngleich er alle LGBTI*-Freunde verstehen kann, die jetzt flüchten. Die Frage, die vielen im Kopf herumspukt, ist: Wird es woanders wirklich besser? Länder wie Ungarn oder Polen haben in den letzten Jahren ihre homophobe Haltung gegenüber LGBTI* immer wieder verstärkt. Und was erwartet queere Menschen in Deutschland?

Wie schwierig ist es, in einer fremden Heimat Fuß zu fassen, eine neue Sprache zu erlernen und dabei niemanden in der queeren Community zu kennen, wenn man doch in der alten Heimat die letzten Jahre damit verbracht hat, für Gleichberechtigung zu kämpfen? Für Oleksandra ist die Sache klar: Er weiß, dass sein freies Leben massiv gefährdet ist, wenn Russland die Kontrolle über die Ukraine erlangt, aber nur in seiner Heimat ist er mit sich selbst im Reinen und er will nicht, dass die hart erkämpften Fortschritte der ukrainischen LGBTI*-Community verloren gehen. Dafür haben er und andere zu hart gekämpft:

"Ich glaube wirklich, dass es für die LGBTI*-Community in der Ukraine immer besser wird. Vor ein paar Jahren habe ich darüber nachgedacht, in ein anderes Land zu ziehen, aber jetzt möchte ich die Ukraine nicht mehr verlassen - auch wenn es ab und an schwierig ist, aber es ist mein Land, es sind meine Leute. Ich habe hier Freunde."

Bisher war es in der Stadt, in der der trans-Mann lebt, relativ ruhig, auch wenn es immer wieder vereinzelt zu Luftangriffen gekommen ist. So richtig verstehen und verarbeiten wird er die ganze Situation wohl erst viel später, so Oleksandra:

„Im Moment geht es mir mehr oder weniger gut, aber ich glaube nicht, dass es mir nach dem Ende immer noch gut gehen wird. Ich weiß, dass Menschen, die sich in traumatischen Situationen befinden, oft erst später die vollen Auswirkungen davon erfahren.“

Seine Freunde raten ihm, dass er vorsorglich bereits jetzt alle Beweise von seiner queeren Identität und seinem LGBTI*-Aktivismus in seinen sozialen Medien löschen soll. Er will gar nicht an dieses Worst-Case-Szenario denken, falls die Russen ihn festnehmen und mit seiner queeren Vergangenheit konfrontieren würden.

"Russland ist ein unglaublich queerphobes Land - das ist eine Tatsache. Als die Invasion begann, sagte meine Mitbewohnerin, sie hätte am meisten Angst für Menschen wie mich - wenn die Russen hierher kämen, würden sie ´unsere Leute´ zuerst töten.“

Oleksandra versucht, die schlimmsten Szenarien im Kopf zu verdrängen und sich eher auf die Zukunft zu konzentrieren. Noch immer spürt er da eine Hoffnung in sich:

„Ich bin mehr oder weniger optimistisch, was die ganze Situation angeht. Es ist furchtbar, aber wir werden es schaffen. Queere Menschen in der Ukraine werden es besser haben. Ich bin entsetzt, ich bin besorgt, aber ich fühle auch Hoffnung für mein Land. Und ich kann für mich eine Zukunft in der Ukraine sehen. Ich denke, wenn der Krieg zu Ende ist, werden wir unser Land wieder aufbauen, und ich werde endlich mit der Transition beginnen."

Diese Hoffnung ist ein wesentlicher Eckpfeiler der gesamten LGBTI*-Community in der Ukraine – man will sich nicht mit den Fragen befassen, was im Falle einer endgültigen Niederlage passieren würde, bestätigt auch der LGBTI*-Aktivist Lenny Emson vom Kyiv Pride in einem Interview mit PrideSource:

„Wir werden bis zum letzten Tropfen unseres Blutes kämpfen. Wir werden niemals unter russischen Gesetzen leben. Wir werden Russland niemals gehorchen. Wir werden uns niemals besetzen lassen und so leben wie die Russen, ohne Menschenrechte, ohne irgendwelche Rechte! Wir haben einen 30-jährigen Kampf für LGBTI*-Rechte hinter uns. Wir kämpfen für diese Rechte und Freiheiten und wir werden nicht einfach aufgeben.“

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