STI in der Schweiz Genf und Zürich führen die Rangliste an
Neue Zahlen zur Verbreitung sexuell übertragbarer Infektionen (STI) in der Schweiz zeigen jetzt deutliche regionale Unterschiede auf. Besonders betroffen sind urbane Zentren und Community-Hotspots wie Genf und Zürich, während ländlichere Gebiete deutlich geringere Infektionsraten verzeichnen.
Safer Sex in Ballungszentren stärken
Laut dem STI Index Switzerland liegt Genf mit der höchsten Anzahl von Infektionen pro 100.000 Einwohnern an der Spitze. Direkt dahinter folgt Zürich, während Basel-Stadt den dritten Platz belegt. Am unteren Ende des Rankings finden sich Kantone wie Appenzell Ausserrhoden, Uri und Liechtenstein. Der Kanton Bern rangiert auf Platz 13. Die Ergebnisse lassen auf einen Zusammenhang zwischen urbanem Lebensstil und Infektionsrisiko schließen. In Genf wurden die höchsten HIV-Zahlen registriert, während Zürich bei Syphilis führend ist. Auch bei Gonorrhoe und Chlamydien gehören beide Städte zu den am stärksten betroffenen Regionen.
Brenda Jensen, Leiterin von Datenanalyse und Forschung bei Erobella.com, betonte dazu: „Mit dieser Studie möchten wir einen Beitrag zur Entstigmatisierung von sexuell übertragbaren Krankheiten leisten. Und wir wollen die Bedeutung von Safer Sex hervorheben.“ Experten warnen jedoch, die Zahlen unkritisch zu übernehmen. Florian Vock, stellvertretender Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz, bestätigte den Trend zu höheren Infektionsraten in Städten, weist aber auf die Einschränkungen der Daten hin. Die offiziellen Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) werden nur regional veröffentlicht, da genaue Inzidenzen erst ab einer bestimmten Fallzahl sinnvoll berechnet werden können.
„Die Schweiz steht nicht gut da.“
Vock erklärt weiter, warum Städte besonders betroffen sind: „In Städten wohnen mehr junge Menschen, mehr Studierende und wohl auch mehr queere Personen. Zudem gibt es dort mehr Möglichkeiten, sexuelle Kontakte zu knüpfen. Entscheidend ist auch, dass Infektionen dort erfasst werden, wo Menschen leben – und nicht dort, wo sie Sex haben.“ Trotz der Unsicherheiten rund um die Datenlage sieht Vock dringenden Handlungsbedarf. Besonders die steigenden Chlamydien-Fälle in allen Bevölkerungsgruppen bereiten Sorgen: „Die Schweiz steht nicht gut da.“
Präventions- und Informationsangebote leiden auch in der Schweiz unter Sparmaßnahmen. Umso wichtiger sei es, dass Menschen sich beraten lassen, regelmäßig Tests durchführen und Safer-Sex-Praktiken beachten – vor allem bei wechselnden Sexualpartnern. In dieser Woche startete so auch die nationale Plakatkampagne der Aids-Hilfe Schweiz, um die Aufmerksamkeit erneut auf sexuell übertragbare Infektionen zu lenken.