Direkt zum Inhalt

Sinnlose Verbote? "Homo-Heilungen" und die Macht der Kirche

Von ms - 30.03.2026 - 13:30 Uhr
Sinnlose Verbote?
Foto: iStock / Ben_Gingell
ANZEIGE
Loading audio player...

Der Supreme Court der USA befasst sich seit 2025 mit der Frage, ob Konversionstherapien verboten werden sollen – und wenn ja, in welchem Umfang. Ausgang offen. Während erste Bundesstaaten mit eigenen Gesetzen versuchen, den unseriösen, umgangssprachlichen Homo-Heilungen entgegenzuwirken, ist in den Vereinigten Staaten inzwischen eine generelle Debatte über die Sinnhaftigkeit von Verboten entbrannt, angeführt von einem der bekanntesten LGBTIQ+-Aktivisten des Landes. 

Verbote ohne kirchliche Anbieter?

Der schwule Bürgerrechtler Wayne Besen hat grundsätzliche Zweifel an der Wirksamkeit möglicher Verbote. Besen erklärte, die bestehenden Regelungen hielten einen Großteil der Anbieter nicht auf. Vor allem unlizenzierte religiöse Berater und sogenannte Life-Coaches arbeiteten weiterhin in diesem Bereich. „Der Begriff Verbot ist ungenau. Zeigen Sie mir einen Konversionstherapeuten, der wegen dieser Gesetze seine Arbeit einstellen musste.“ Der Leiter der Organisation „Truth Wins Out“ sieht die Gesetze überwiegend als „symbolischen Akt“. Sie beträfen lediglich fünf bis zehn Prozent der Anbieter. „Sie enthalten große Schlupflöcher für religiöse Akteure, durch die man einen Lastwagen fahren könnte.“ 

Zwar räumte Besen ein, dass solche Regelungen eine gesellschaftliche Signalwirkung hätten. „Symbolik ist wichtig“, sagte er. Insgesamt halte er die Maßnahmen jedoch für weitgehend wirkungslos. Als Beispiel verwies er auf die Organisation „The Changed Movement“, die trotz eines Verbots in Kalifornien aktiv sei, da sie sich als religiöse Gruppe darstelle. Zudem seien staatliche Regelungen im Internetzeitalter schwer durchzusetzen, da Angebote auch im Ausland leicht zugänglich seien. Es gäbe zudem viel Unterstützung für Konversionstherapien, auch aufgrund international vernetzter, christlich-nationalistischer Strukturen. Dazu zählt er unter anderem Organisationen wie die „American Family Association“, das „Claremont Institute“ und den „Family Research Council“.

Kritik in den eigenen Reihen 

Als wirksameren Ansatz bezeichnete er indes Verfahren auf Grundlage von Verbraucherschutzgesetzen. So wurde 2015 die Organisation JONAH nach einem Verfahren wegen Betrugs geschlossen, an dem auch das Southern Poverty Law Center beteiligt war. Allerdings seien solche Verfahren aufwendig und kostenintensiv. Besen kritisierte zudem die Strategie großer queerer Organisationen wie des National Center for Lesbian Rights und des The Trevor Project. Diese hätten trotz veränderter Rechtsprechung weiter auf Verbote gesetzt. „Die Zeichen waren damals klar“, sagte er.

Sollte der Supreme Court die bestehenden Regelungen aufheben, hält Besen eine Rückkehr zu früheren Strategien für notwendig, etwa durch verstärkte öffentliche Aufklärung und das Offenlegen fragwürdiger Praktiken. „Wenn wir diesen Fall vor dem Supreme Court verlieren, sollten die Menschen nicht zu deprimiert sein, denn eine Konversionstherapie hat früher nicht funktioniert, sie funktioniert heute nicht und wird auch in Zukunft nicht funktionieren!“

Zugleich forderte er eine strategische Neuausrichtung der Bewegung: „Führende Aktivisten müssen sich mit den größten Organisationen zusammensetzen und entscheiden, wofür wir kämpfen und wo wir uns zurückziehen.“ Eine mögliche Niederlage vor Gericht werde zwar als Rückschlag wahrgenommen, könne aber auch mobilisierend wirken, so Besen. Betroffene rief er dazu auf, weiterhin öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen und politisch aktiv zu bleiben. „Es gibt keine Ziellinie“, sagte er. Gegner würden immer wieder versuchen, Einfluss zu gewinnen. „Sie dürfen unter keinen Umständen gewinnen.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frauen und Schwulenpornos

Besonderer Reiz für die Damenwelt

Die Hälfte des Publikums schwuler Pornos auf Pornhub ist inzwischen weiblich. Studien zeigen, warum Frauen Sex zwischen Männern so interessant finden.
Spätes Coming-Out mit 40

Saunabesuche, Sex und Politik

Der bekannte britische Radiomoderator Iain Dale spricht über Homophobie bei den Tories, sein spätes Coming-Out und sein früheres Sexleben.
Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kein Geld mehr für LGBTIQ+

Florida streicht Museumsförderung

Das bekannte LGBTIQ+-Museum in Florida verliert seine Förderung. Die Leitung kritisiert den Einfluss neuer Gesetze und fordert politischen Widerstand.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.
Kampf um die Ehe

Klage gegen die Slowakei

Zwei in Österreich verheiratete Männer kämpfen vor Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe in der Slowakei – und berufen sich auf EU-Recht.