Direkt zum Inhalt

Schwule Briten Volksbefragung will Fokus auf Probleme der Community richten

Von ms - 09.01.2023 - 14:00 Uhr
Schwule Briten
Foto: iStock / Martinns
ANZEIGE
Loading audio player...

Erstmals wurde in Großbritannien nun explizit erfragt, wie viele homosexuelle Menschen es auf der Insel gibt – mehr als 1,3 Millionen Einwohner in England und Wales bezeichnen sich nach Auswertung der Volkszählung als schwul, lesbisch oder bisexuell. Es ist die erste Volkszählung dieser Art, bei der die Briten nach ihrer sexuellen Orientierung befragt worden sind.

Mehr Informationen über Diskriminierung

Im März 2021 wurde die Volkszählung bereits durchgeführt, jetzt wurden die ausgiebig ausgewerteten Daten veröffentlicht. Knapp 60 Millionen Menschen umfasst die Gesamtbevölkerung von England und Wales. Hintergrund der Volkszählung sei es dabei explizit mit Blick auf LGBTI*-Menschen gewesen, mehr Informationen über Ungleichheiten zu erfassen, um so Diskriminierung zu bekämpfen und politische Entscheidungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildung, Beschäftigung, Wohnen und Sozialleistungen für lesbische, schwule und bisexuelle Menschen zu verbessern.

Kaum Schwule in Großbritannien?

Ein wenig überraschen die Zahlen indes durchaus, denn in anderen Ländern wie beispielsweise auch Deutschland definieren sich zumeist zwischen 6 und 7,5 Prozent der Bevölkerung als homosexuell oder queer, bei der Befragung in Großbritannien hingegen bezeichneten sich gerade einmal 1,5 Prozent (rund 750.000 Personen) als homosexuell, 1,3 weitere Prozent (rund 620.000) als bisexuell und nur 0,03 Prozent (15.000 Menschen) als queer. Rund 0,1 Prozent der Befragten definieren sich als trans. Die Ergebnisse widersprechen einer europaweit repräsentativen Studie (Dalia), demnach sich insgesamt rund 6,5 Prozent der Briten als LGBT definieren. Zu den Ballungszentren für Homosexuelle gehören laut der Volksbefragung neben London auch die Städte Brighton and Hove, Cardiff und Manchester.

Krisen der LGBTI*-Community besser lösen

Dr. Kevin Guyan, Forschungsbeauftragter an der Universität Glasgow und Experte für LGBTI*-Forschung, bezeichnete die Informationen trotzdem als "Meilenstein für die Integration" und erklärte: "Die Daten allein werden nicht ausreichen, um die Probleme zu lösen, die viele LGBTI*-Personen betreffen, wie zum Beispiel die Krise bei den Lebenshaltungskosten, den Zugang zur Gesundheitsversorgung und erschwinglichen Wohnraum. Sie müssen als erster Schritt in einem längerfristigen Projekt der Veränderung verstanden werden.“ Ähnlich sehen das auch mehrere nationale LGBTI*-Organisationen. Zudem könnten so auch gezielter jene Regionen angegangen werden, in denen schwul-lesbisches Leben unterrepräsentiert ist, so Matthew Belfield von der LGBT-Foundation: "Indem wir diese Art von Fragen auf nationaler Ebene stellen, bedeutet dies, dass die Ressourcen auf die richtige Art und Weise zugewiesen werden und dass die Bedürfnisse der jeweiligen Gemeinschaften berücksichtigt werden.“

Erstmals hat auch Schottland bei seiner jüngsten Volkszählung ähnlich wie Nordirland Fragen zur sexuellen Orientierung mit aufgenommen, in diesem Jahr sollen die Daten hierzu veröffentlicht werden.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDWegen lockerer Maskenpflicht: Wie eine Lesben-Bar in einen "woken Shitstorm" gerietBR24Wasserzeichen in ChatGPT-Texten: Das sollten Sie beachtenDER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Rekord bei Buchverboten

Strikte Zensur in den USA

Fast 12.000 Buchverbote registriert PEN America aktuell an US-Schulen – besonders häufig betroffen sind Werke über Sexualität, LGBTIQ+ und Rassismus.
Eiskunstlaufstar aus Südafrika

Bodasing schreibt Sportgeschichte

Shiven Bodasing schreibt südafrikanische Eiskunstlauf-Geschichte – neben seinem Beruf als Jurist und seinem Einsatz für LGBTIQ+.
Pionier Donald Webster Cory

Vom Vorkämpfer zur Reizfigur

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet Donald Webster Cory, der die frühe US-Schwulenbewegung prägte und später mit seinen Ansichten empörte.
Flucht vor Todesdrohungen

Aktivisten erreichen Spanien

Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind nach ihrer Flucht in Spanien angekommen. Sie berichten von massiven Todesdrohungen.
Trump verspottet Aktivisten

„Gays for Palestine“ im Visier

Donald Trump verspottet „Gays for Palestine“ und deutet an, queere Aktivisten würden von einer Reise in die Region nicht zurückkehren.
Trauer um Hélène Hazera

Ein Leben voller Kämpfe

Die französische Journalistin, trans* Aktivistin und Vorkämpferin der Community Hélène Hazera ist am Montag mit 74 Jahren gestorben.
Basler warnt vor Coming-Out

Homosexualität bleibt Tabuthema

Mario Basler hält ein Coming-Out im Profifußball weiterhin für kaum möglich und warnt vor massiven Anfeindungen gegen schwule Spieler.
Trauer um Mad Sandhu

Influencer in Indien erschossen

Der schwule Influencer Mad Sandhu ist in Indien auf offener Straße erschossen worden. Ermittler prüfen jetzt, ob der Angriff gezielt geplant war.
Kritik an Russland

LGBTIQ+-Betroffene ohne Urteil

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat fast 900 Beschwerden gegen Russland gestrichen, viele davon von LGBTIQ+-Personen.