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Schottland Streit um Therapien eskaliert Werden die Schotten ohne Großbritannien ein Verbot durchsetzen?

Von ms - 17.03.2022 - 16:30 Uhr
Schottland: Streit um Konversionstherapien eskaliert // © Schottisches Parlament
Foto: Schottland: Streit um Konversionstherapien eskaliert // © Schottisches Parlament
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Die Mehrheit des schottischen Parlaments möchte baldmöglichst das Angebot von Konversionstherapien unter Strafe stellen und wartet bisher zähneknirschend auf diesbezügliche Gesetzesänderungen aus der Downing Street 10 in London. Die britische Regierung, allen voran Premierminister Boris Johnson, versteht es aber bis heute blendend, sich medial für ein Verbot von Konversionstherapien auszusprechen, während es intern immer weiter auf die lange Bank geschoben wird. Immer wieder kam in den letzten Monaten so die Idee in Schottland auf, sich notfalls auch von Großbritannien in diesem Punkt abzuspalten und einen eigenen Gesetzestext vorzulegen.

In diesem Zusammenhang eskalierte eine Diskussion im schottischen Parlament in dieser Woche. Der Funken, der die Debatte vollends entzündete, kam dabei von dem konservativen SNP-Abgeordneten John Mason. In seiner Rede verglich Mason die brutalen Konversionstherapien mit einer Art Angebot zur Selbstbeherrschung, wie die Zeitung The National berichtete:

„Konversionstherapien sollten nicht verboten werden, für religiöse Gruppen geht es dabei um Selbstkontrolle und die Entscheidung, ihre Gedanken oder Wünsche nicht in die Tat umzusetzen. Ich habe beispielsweise vielleicht ein natürliches Verlangen, ein verführerisches Essen zu verspeisen, das ich sehe. Viele von uns kommen so in Versuchung, zu viel Schokolade zu essen oder zu viel Alkohol zu trinken, und hier kommt die Selbstbeherrschung ins Spiel; wir müssen manchmal Nein zu uns sagen.“

Im weiteren Verlauf erklärte Mason, dass religiöse Gruppen "über den Gesetzen des Landes stehen" würden und verglich dies mit Bowlingclubs, die eine Kleiderordnung haben, an die man sich eben halten müsse. Eine „Bekehrung“ sei daher für religiöse Menschen etwas Gutes, denn es bedeute, sich „von etwas Schlechtem abzuwenden.“

Der konservative Politiker war bereits in der Vergangenheit mehrfach mit queerfeindlichen Äußerungen aufgefallen, seine jüngsten Ausführungen stellten aber wohl einen bisherigen Tiefpunkt dar. Zuvor hatte er sich zum Beispiel dagegen ausgesprochen,  historisch kriminalisierte Homosexuelle in Schottland rückwirkend zu begnadigen und erklärte mit Blick auf die gleichgeschlechtliche Ehre, dass diese ein „Widerspruch in sich“ sei, denn „alles, was homosexuelle Beziehungen in irgendeiner Weise mit Ehen zwischen Männern und Frauen gleichsetzt, ist einfach nicht richtig."

Seine jüngste Rede nun hatte zur Folge, dass zahlreiche Abgeordnete lautstark protestierten und die Debatte um das Verbot von Konversionstherapien abermals an Schärfe gewann. Der schottische Grünen-Politiker und nach eigenem Bekunden „Überlebender einer Konversionstherapie“ Blair Anderson machte seiner Wut über Twitter Luft:

"Ekelhaft und beleidigend zu hören, wie John Mason die Erfahrungen der Konversionstherapie - die weithin als eine Form der Folter angesehen wird - mit einem Verstoß gegen die Kleiderordnung in einem Bowlingclub oder dem Verzehr von zu viel Schokolade vergleicht. Wirklich widerlicher Mist."

Gleichstellungsministerin Christina McKelvie machte indes klar, dass die Praxis "ein für alle Mal" verboten werden soll. Der Ausschuss für Gleichstellung, Menschenrechte und Ziviljustiz (EHRCJ) des schottischen Parlaments hatte sich bereits im Januar offiziell für ein Verbot der Konversionstherapien in Schottland ausgesprochen.

Der Ausschuss erklärte ferner, dass ein solches Verbot auch vollständig und allumfassend sein müsste, sodass es künftig keine Möglichkeiten mehr gäbe, die Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung einer Person zu ändern – ganz im Gegensatz zu den aktuellen Plänen aus Großbritannien, das ein Verbot vorgeschlagen hat, welches "einwilligende" Erwachsene sowie religiöse Formen der Konversionstherapie vom Verbot ausschließen will. Es bleibt abzuwarten, ob die Schotten sich einmal mehr von Großbritannien entsagen und auf eigene Faust ein Gesetz umsetzen werden.

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