Schlechte Debattenkultur Besonders gefährlich online für LGBTIQ+-Menschen
Die Debattenkultur in sozialen Medien hat sich laut einer aktuellen Studie der 14 deutschen Landesmedienanstalten stark verschlechtert. Für die Untersuchung wurden mehr als 9.000 Kommentare zu journalistischen Beiträgen auf Plattformen wie Facebook, Instagram und YouTube analysiert. Das Ergebnis: Soziale Medien sind zunehmend von toxischen Diskussionen geprägt, in denen konstruktive Auseinandersetzungen immer seltener stattfinden und vielfach auch nicht mehr gewünscht sind.
Das Wichtigste im Überblick:
- Studie der 14 deutschen Landesmedienanstalten untersuchte Debattenkultur in sozialen Medien
- Über 9.000 Kommentare unter journalistischen Beiträgen wurden analysiert
- Ergebnis: Konstruktive Diskussionen sind kaum noch möglich, viele Nutzer meiden die Teilnahme
- Besonders gefährlich für LGBTIQ+-Menschen: Der toxische Umgangston und die Ausgrenzung
Abbruch von wichtigen Debatten
„Viele Nutzerinnen und Nutzer sagen, sie beteiligen sich nicht mehr an Debatten, weil sie danach schlechtere Laune haben als zuvor“, erklärte der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, Jochen Krebs, dem Evangelischen Pressedienst. Davon betroffen sind immer mehr auch vergiftete Diskussionen über Homosexuelle und queere Menschen – selbst den wildesten Vorurteilen wird seltener widersprochen, da viele lieber ignorieren anstatt sich auf langwierige Streitgespräche online einzulassen. Die Studie bestätigt dabei trotz alledem, dass eine deutliche Mehrheit der Nutzer in sozialen Netzwerken sich eigentlich mehr konstruktiven Austausch wünscht, jedoch die Atmosphäre in den Kommentarbereichen oft unfreundlich und konfliktgeladen ist.
Besonders problematisch für die Gesellschaft ist, dass sich nur ein kleiner Teil der Leser aktiv an Diskussionen beteiligt – bei Facebook lediglich 16 Prozent und bei Instagram sowie YouTube sogar noch weniger. Diese Entwicklung erschwert es, soziale Netzwerke zu echten Diskussionsforen für alle Nutzer zu machen, wie Krebs betont. „Wenn die überwiegende Mehrheit gar nicht erst mitdiskutiert, kann von einem Forum für alle keine Rede mehr sein“, so seine Einschätzung.
Toxische Gefahren für LGBTIQ+
Für LGBTIQ+-Menschen sind solche toxischen Debatten besonders gefährlich. Der Umgangston in den sozialen Netzwerken hat in den letzten Jahren in vielen Fällen eine bedrohliche Dimension erreicht. Vor allem queere Menschen sehen sich oft Hetze, Diskriminierung und sogar Morddrohungen ausgesetzt. In einem Klima, in dem Diskussionen zunehmend von Hass, Missverständnissen und Vorurteilen geprägt sind, wird es für LGBTIQ+-Personen noch schwieriger, sich öffentlich zu ihrer Identität zu bekennen. Während sie in sozialen Netzwerken nach Austausch und Unterstützung suchen, finden sie häufig stattdessen Belästigungen und Angriffe.
Diese Entwicklungen würden laut den Experten so verdeutlichen, warum es dringend erforderlich sei, eine respektvolle und sachliche Diskussionskultur in den sozialen Medien zu fördern. Um auch für Minderheiten wie die queere Community sicherere Räume zu schaffen, muss sich die Art und Weise ändern, wie Nutzer miteinander kommunizieren. Nur dann können soziale Netzwerke wieder zu positiven und integrativen Plattformen werden.