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Rosa von Praunheim ist tot
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Rosa von Praunheim ist tot Der schwule Regisseur starb kurz nach seiner Hochzeit in Berlin

ms - 17.12.2025 - 14:31 Uhr
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Der deutsche Regisseur, Drehbuchautor und Aktivist Rosa von Praunheim ist im Alter von 83 Jahren in Berlin verstorben – erst letzte Woche hatte er seinen langjährigen Partner Oliver Sechting geheiratet. Er prägte mit über 150 Kurz- und Langfilmen die deutsche Filmlandschaft wie kein zweiter und setzte sich sein ganzes Leben lang für die Rechte von Homosexuellen und queeren Menschen ein. 

Hochzeit vor wenigen Tagen

Von Praunheim, der mit bürgerlichem Namen Holger Radtke hieß, starb nur Tage nach der Hochzeit mit seinem Langzeitpartner Oliver Sechting – die beiden Männer waren seit 2008 ein Paar, im September dieses Jahres hatte der Filmemacher ihm einen Antrag gemacht. Zur Hochzeit hatten sie Trauringe gewählt, die einen symbolischen Frosch darstellten – eine Anspielung auf eine persönliche Vorliebe von von Praunheim, der im nächsten Leben als Frosch wiedergeboren werden wollte.

Pionier der Schwulenbewegung

Mit seinen Filmen wie „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) und „Die Bettwurst“ (1971) war von Praunheim ein früher und sehr wichtiger Wegbereiter der Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland seit den 1970er Jahren - die Filme waren Pionierwerke, die das Thema Homosexualität in die öffentliche Diskussion brachten und von vielen als Wendepunkt in der Darstellung von Schwulen und Lesben angesehen wurden. 

Besonders kontrovers war ein Vorfall aus dem Jahr 1991, als Rosa von Praunheim in der Live-Talkshow „Explosiv – Der heiße Stuhl“ auf RTL in einer öffentlichen Erklärung die beiden prominenten Persönlichkeiten Hape Kerkeling und Alfred Biolek gegen ihren Willen als homosexuell outete. Diese Aktion löste einen landesweiten Skandal aus und wird noch heute als ein prominentes Beispiel für Zwangsouting in Deutschland diskutiert.

Wichtiges Gesamtwerk 

Sein Gesamtwerk hat die Gesellschaft viele Jahrzehnte lang maßgeblich beeinflusst und trug zur Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Themen in der Öffentlichkeit bei. Zu seinen letzten Arbeiten gehören unter anderem der Dokumentarfilm „Rex Gildo – Der letzte Tanz“ sowie der Spielfilm „Satanische Sau“. Neben seiner Filmarbeit war von Praunheim auch als Maler und Autor tätig und veröffentlichte unter anderem das Buch „Hasenpupsiloch: eine unanständige Geschichte“. Von Praunheim war auch stets für seinen markanten, provokanten Mode-Stil bekannt. Auffällige Farben, Muster und Accessoires gehörten ebenso zu seinem Erscheinungsbild wie sein Engagement für die Sichtbarkeit der queeren Gemeinschaft. Rosa von Praunheim hinterlässt ein bleibendes Erbe als Künstler und Aktivist, der sich unermüdlich für die Rechte von LGBTIQ+-Personen eingesetzt hat.

Statements von Brückner und Lehmann

Der queerpolitische Sprecher der Linksfraktion, Maik Brückner, erklärte in einem ersten Statement: „Rosa von Praunheim hat sich mit seinem Lebenswerk selbst ein Denkmal gesetzt, aus dem noch Generationen queerer Menschen schöpfen werden. Auch mich hat sein Werk maßgeblich geprägt. In einem seiner letzten Interviews hat er verkündet, er erwarte den Tod als eine Befreiung. Sein Leben hat er in den Dienst derselbigen gestellt. Die Communities verlieren einen fortschrittlichen Geist, der auch ihnen gegenüber kritisch war; einen ihrer profiliertesten Vorkämpfer und eine historische Persönlichkeit."

Der frühere Queerbeauftragte der Bundesregierung und jetztige Vorsitzende im Ausschuss für Kultur & Medien, Sven Lehmann, erklärte: „Mein Herz ist voller Trauer und voller Dankbarkeit. Noch vor wenigen Tagen durfte ich bei Rosas Hochzeit dabei sein, ein wunderbares Fest der Liebe. Sein Tod ist ein großer Verlust. Nicht nur Film und Kultur verdanken Rosa von Praunheim unendlich viel, auch ich persönlich und Generationen schwuler Männer und queerer Menschen. Einer seiner bekanntesten Filme von 1971 ´Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt´ hat nicht weniger als die deutsche Homosexuellen-Bürgerrechtsbewegung in Gang gesetzt. Der Film stiftete Unruhe in einer Zeit von Strafgesetzen und Sittenpolizei und gab den Anstoß für öffentliche Aktionen und die ersten CSDs. Auch während der AIDS-Krise hat Rosa von Praunheim früh zu Safer Sex aufgerufen und damit vielleicht vielen Menschen das Leben gerettet. Sein Leben und sein Werk waren und sind subversiv und radikal, voller Empathie und voller Aufruhr, abgedreht und lebensnah. Mein Herz ist voller Trauer und voller Dankbarkeit."

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