Direkt zum Inhalt
Roger Kusch ist tot
ANZEIGE

Roger Kusch ist tot Kusch prägte Debatten zur Sterbehilfe

ms - 22.05.2026 - 06:00 Uhr
Loading audio player...

Der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch ist tot. Der in Stuttgart geborene schwule Politiker gehörte von 2001 bis 2006 dem Senat der Hansestadt an. In dieser Zeit war er unter dem damaligen Ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU) für die Justiz zuständig. Kusch wurde 71 Jahre alt. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Roger Kusch ist tot. Er wurde 71 Jahre alt. 
  • Nach Angaben des Hamburger Abendblattes hat Kusch Suizid begangen. 
  • Der gebürtige Stuttgarter war von 2001 bis 2006 Hamburger Justizsenator.
  • Kusch sprach 2003 nach einer Politikaffäre erstmals über seine Homosexualität. 
  • Bundesweit bekannt wurde er unter anderem durch seine Forderung nach aktiver Sterbehilfe.
  • Kritik gab es auch wegen seines Vorstoßes zur Abschaffung des Jugendstrafrechts.
  • 2006 wurde Kusch im Zusammenhang mit der sogenannten Protokollaffäre entlassen.
  • Nach seinem Ausscheiden aus der CDU gründete er die Partei „Heimat Hamburg“.

Coming-Out durch Politikaffäre 

Während seiner Amtszeit sorgte Kusch mehrfach für öffentliche Diskussionen. Kritik löste unter anderem sein Vorstoß aus, das Jugendstrafrecht abzuschaffen. Zugleich engagierte er sich für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe und wurde damit bundesweit bekannt. Bundesweit bekannt wurde eine Affäre aus dem Jahr 2003: Der damalige Hamburger Innensenator Ronald Schill behauptete, Kusch und Bürgermeister von Beust führten eine homosexuelle Beziehung. Beide bestritten dies. Nachdem Schill angekündigt hatte, die Vorwürfe öffentlich zu machen, entließ ihn von Beust aus dem Senat. Kusch sprach daraufhin erstmals öffentlich in der ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ über seine Homosexualität. Damals erklärte er, dass er seine sexuelle Orientierung erst recht spät bemerkt habe. 

Im Jahr 2006 verlor Kusch sein Amt infolge der sogenannten Protokollaffäre. Dabei waren Unterlagen eines Untersuchungsausschusses der Hamburger Bürgerschaft an die Sozialbehörde gelangt und über die Justizbehörde unter anderem an die CDU-Bundestagsfraktion nach Berlin weitergegeben worden. Ole von Beust entließ Kusch daraufhin aus dem Senat. Nach seinem Ausscheiden verließ Kusch die CDU und gründete später die Partei „Heimat Hamburg“.

Suizid im Keller 

Wie das Hamburger Abendblatt berichtete, soll sich Kusch das Leben genommen haben. Demnach wurde er im Keller eines Wohnhauses am Hansaplatz im Stadtteil St. Georg gefunden. Dort hatte er zuletzt gewohnt. Auch nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland deuten die Umstände auf einen Suizid hin. Nach Angaben aus seinem Umfeld könnte der Tod mit Vorgängen innerhalb des Vereins Sterbehilfe zusammenhängen. Erst am Sonntag war Kusch während einer Mitgliederversammlung als Präsident des Vereins abgewählt worden. Zuvor hatten andere Vorstandsmitglieder schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben. Danach erklärte Kusch seinen Rückzug. Auf der Homepage des Vereins heißt es heute: „Wir sind darüber tief erschüttert. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden.“

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Darunter mehrere Schwule

Meilenstein der Diversität

In der kommenden Saison der National Football League werden erstmals 68 Männer als Cheerleader auftreten.
Große regionale Unterschiede

Anstieg um 12,8  Prozent

Eine aktuelle staatliche Erhebung zeigt: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 2 .377 queerfeindliche Hassdelikte registriert.
Als pädophil verunglimpft

Polizei prüft Drohungen

Heinz Küppers, bekannt als Dragqueen Gräfin Henriette von Küppersbusch, hat Strafanzeige gegen den AfD-Fraktionsvorsitzenden Jan Pioch gestellt.
Hetzjagd in Kamerun

Mob jagte schwulen Aktivisten

Ein gewaltbereiter Mob machte in Kamerun Jagd auf einen bekannten schwulen Aktivisten. Dem jungen Mann gelang in letzter Sekunde die Flucht.
Homofeindliche Gewalt

Zwei Jugendliche festgenommen

Zwei Jugendliche wurden am Donnerstagabend im Düsseldorfer Hofgarten festgenommen, nachdem sie Passanten homofeindlich beleidigt und bedroht hatten.
Angst vor politischen Aussagen

Band empört über „Maulkorberlass“

Alphaville wurde vom Glücksgefühle-Festival ausgeladen: Laut Veranstalter seien politische Äußerungen auf der Bühne nicht erwünscht.
Verfolgung im Senegal

Angst im Verborgenen nimmt zu

Nach verschärften Gesetzen im Senegal leben viele LGBTQ+-Menschen in Angst vor Festnahmen und Repression.