Rechtsextreme bei CSDs Aufmärsche in Brandenburg und Baden-Württemberg
Vielfalt und Toleranz standen bei zwei CSDs am vergangenen Wochenende in Brandenburg und Baden-Württemberg im Mittelpunkt. Die Pride-Demonstrationen wurden von rechtsextremen Gegenkundgebungen flankiert, die Polizei war sowohl in Eberswalde wie auch in Pforzheim verstärkt im Einsatz, zu größeren Ausschreitungen oder Gewalt kam es nicht.
Das Wichtigste im Überblick
- Rund 1.000 Menschen beteiligten sich am CSD in Eberswalde.
- Die Veranstaltung stand unter erhöhtem Polizeischutz.
- Etwa 50 Menschen nahmen an einer rechtsextremen Gegenkundgebung teil.
- Rund 1.400 Menschen beteiligten sich am Christopher Street Day in Pforzheim.
- Die Demonstration verlief nach Polizeiangaben weitgehend störungsfrei.
- An einer rechten Gegenkundgebung nahmen etwa 40 Personen teil.
- Nach Angaben der Polizei verliefen beide Versammlungen weitestgehend friedlich.
1.000 CSD-Teilnehmer in Eberswalde
Rund 1.000 Menschen haben beim Christopher Street Day in Eberswalde am vergangenen Wochenende für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz demonstriert. Die Veranstaltung im Nordosten Brandenburgs wurde von einer rechtsextremen Gegenkundgebung begleitet. Unter dem Motto „Viele Farben – ein Wir“ führte der Demonstrationszug vom Bahnhof in die Innenstadt. Die Polizei war mit einem erhöhten Aufgebot im Einsatz. Nach Angaben eines Polizeisprechers verlief der Aufzug ohne größere Zwischenfälle. An der Gegendemonstration beteiligten sich laut Polizei etwa 50 Menschen.
Die Gegenversammlung war nach Angaben der Polizei von der Gruppierung „Deutsche Patrioten voran“ angemeldet worden. Der Verfassungsschutz Brandenburg ordnet die Organisation in seinem jüngsten Bericht den gewaltorientierten subkulturellen Neonationalsozialisten zu. Demnach ist die Gruppierung insbesondere in sozialen Medien aktiv und versucht dort, junge Mitglieder zu gewinnen. Die Polizei trennte beide Lager räumlich voneinander.
Gemeinsam laut für Vielfalt
Auf Plakaten der CSD-Teilnehmer waren unter anderem Botschaften wie „Menschenrechte statt rechte Menschen“ zu lesen. Für die Veranstalter stand vor allem das gemeinsame Eintreten für Offenheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt im Vordergrund. „Wir stehen für Zusammenhalt innerhalb der Community. Wir stehen für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz“, sagte Maximilian Armonies von den Organisatoren des CSD Eberswalde. „“ Auch aus der Landespolitik kam Unterstützung für die Veranstaltung. Brandenburgs SPD-Generalsekretär Kurt Fischer schrieb auf Instagram: „Seid gemeinsam laut für Vielfalt, Akzeptanz und Solidarität.“
Besondere Aufmerksamkeit galt den Sicherheitsvorkehrungen in Eberswalde auch vor dem Hintergrund eines Vorfalls aus dem vergangenen Jahr. Im Juni 2025 war eine Kundgebung des Bündnisses „Bad Freienwalde ist bunt“ in der nahe gelegenen Kleinstadt von einer Gruppe teils vermummter Männer angegriffen worden. Parteien und Initiativen werteten die Tat als rechtsextremistischen Angriff. Der wenige Tage später stattfindende CSD in Eberswalde wurde daraufhin bereits unter verstärktem Polizeischutz durchgeführt.
1.400 Pride-Teilnehmer in Pforzheim
Mit Regenbogenfahnen, Transparenten und Musik haben am Samstag zahlreiche Menschen auch in der Pforzheimer Innenstadt für die Rechte queerer Menschen sowie für mehr Akzeptanz und Toleranz demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 1.400 Menschen an der Parade zum CSD. Dem Demonstrationszug schlossen sich auch Anhänger der Antifa an. Zeitgleich fand eine rechte Gegenkundgebung statt, zu der nach Polizeiangaben etwa 40 Teilnehmer kamen.
Die Veranstaltung begann planmäßig am Mittag auf dem Marktplatz. Von dort aus führte die Route bei sonnigem Wetter durch die Innenstadt und zurück zum Ausgangspunkt. Die Teilnehmer machten mit Plakaten, Transparenten und Musik auf die Ausgrenzung queerer Menschen aufmerksam und warben für gesellschaftliche Offenheit. Zu direkten Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern des CSD und den rechten Gegendemonstranten kam es nicht. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichte der Demonstrationszug wieder den Marktplatz, wo die Feierlichkeiten fortgesetzt werden sollten.
Die Polizei zog nach dem Ende der Parade eine überwiegend positive Bilanz. Nach Angaben eines Sprechers verlief die Veranstaltung ohne nennenswerte Zwischenfälle. Allerdings soll ein Autofahrer am Rande des Geschehens einen Teilnehmer beleidigt haben. Zudem registrierten die Einsatzkräfte zwei Körperverletzungsdelikte. Die Ermittlungen dazu dauern an. Der diesjährige Christopher Street Day stand unter dem Motto: „No pride for some without liberation for all. Ausgrenzung? Nicht mit uns!“. Bereits in den Tagen vor der Hauptveranstaltung hatten in Pforzheim mehrere Aktionen und Veranstaltungen rund um die queere Community stattgefunden. Parallel zum Christopher Street Day hatten rechte Gruppen erneut zu einer Demonstration für den „Erhalt traditioneller Werte“ aufgerufen. Nach Angaben der Stadt waren für die Versammlung zwischen 100 und 200 Teilnehmer angemeldet worden. Tatsächlich blieb die Beteiligung deutlich darunter. Da es im vergangenen Jahr am Rande der Demonstrationen zu Ausschreitungen gekommen war, setzte die Polizei erneut zahlreiche Einsatzkräfte ein. Damals wurden bei mehr als 100 Personen die Personalien festgestellt. Zudem kam es zu einer Festnahme.