Direkt zum Inhalt
Schweiz: Aktionsplan gegen LGBTI*-Gewalt beschlossen // © IMAGO / Le Pictorium
ANZEIGE

Nationalrat will LGBTI* schützen Meilenstein für die Anerkennung von LGBTI*-Menschen

ms - 02.06.2022 - 15:15 Uhr
Loading audio player...

Mit 105 zu 64 Stimmen (16 Enthaltungen) stimmte der Nationalrat in der Schweiz ungewohnt deutlich für einen Nationalen Aktionsplan gegen LGBTI*-feindliche Gewalt und Hassverbrechen. Mit dem Beschluss in dieser Woche erhält der Bundesrat nun den verbindlichen Auftrag, zeitnah landesweite Maßnahmen auszuarbeiten. Wenige Tage vor der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe zum 01. Juli setzt die Schweiz damit ein starkes Signal für mehr Akzeptanz von LGBTI*-Menschen.

Angestoßen hatte die jüngste Entscheidung der homosexuelle Schweizer Politiker Angelo Barrile von der Sozialdemokratischen Partei (SP): „Alle eineinhalb Wochen werden Menschen in der Schweiz angegriffen, weil sie queer sind. Es passiert heute zu wenig, um solche Verbrechen zu verhindern und das Vorgehen der Behörden ist teilweise total unkoordiniert“ so Barrile. Die Schweiz reagiert damit auch auf die Tatsache, dass ähnlich wie in Deutschland jüngste Erhebungen nahelegen, dass die Zahl der Hassverbrechen auch in der Schweiz binnen eines Jahres um rund 50 Prozent zugenommen hat.

Der nun initiierte Nationale Aktionsplan soll den Zugang zu Opferhilfe und Rechtsmitteln für Betroffene erleichtern sowie präventive Maßnahmen zur Verminderung sowohl von Gewalt als auch von feindlichen Einstellungen gegen LGBTI*-Menschen beinhalten. Die Erarbeitung und Umsetzung soll dabei in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden sowie zusammen mit den zivilgesellschaftlichen Organisationen erfolgen und sich an bereits bestehenden Aktionsplänen orientieren.

Barrile erklärte allerdings auch, dass der Schweizer Bundesrat lange Zeit die Problematik steigender Fälle von LGBTI*-feindlichen Hassverbrechen verharmlost beziehungsweise schlicht übergangen habe. Nun sei es wichtig, dass „Sensibilisierungs-, Präventions- und Interventionsmaßnahmen sinnvollerweise vor allem auf Gemeinde- und Kantonsebene ergriffen werden, damit sie möglichst lebensnah und wirkungsstark ausgestaltet werden können.“ Barrile feierte den jetzigen Beschluss daher auch als Meilenstein in puncto Schweizer LGBTI*-Politik. Auch mehrere LGBTI*-Vereine wie das Pink Cross, die LGBT+Helpline oder auch die Lesbenorganisation LOS begrüßten die Entscheidung ausdrücklich und stellten klar: „Unser jahrelanger Einsatz hat sich gelohnt!“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neue Unsicherheit beim ESC

Sender kämpfen ums Überleben

Wirtschaftliche und politische Veränderungen bei mehreren Rundfunkanstalten könnten die ESC-Teilnahmen einiger Länder für 2027 gefährden.
US-Athlet Jacob Harmon

Offen auf der Matte und im Leben

Der offen schwule Turner Jacob Harmon erfüllte sich seinen College-Traum und möchte jetzt anderen jungen LGBTIQ+-Sportlern Mut machen.
Amnesty kritisiert J.K.Rowling

Frauenhilfszentrum im Fokus

Amnesty International UK stuft J. K. Rowlings Krisenzentrum für Frauen als „rechtefeindlich“ ein und löst damit erneut eine Debatte aus.
Eklat bei der L.A. Police

Homophobe Polizisten im Fokus

Ein LAPD-Beamter könnte angeklagt werden, nachdem er Kollegen bei homophoben, rassistischen und sexistischen Aussagen aufgenommen hat.
Sam Neill ist tot

Ein Star mit Haltung

Schauspieler Sam Neill ist mit 78 Jahren gestorben. Neben seiner Filmkarriere wurde er auch für seine Unterstützung der LGBTIQ+-Community geschätzt.
Spätes Urteil nach Jahrzehnten

Mord mit homophobem Hintergrund

Nach mehr als 40 Jahren sind zwei Brüder wegen des Mordes an dem schwulen Beamten Anthony Littler verurteilt worden.
Bromance bei der WM

Freundschaft trotz Viertelfinale

Nach dem WM-Viertelfinale zwischen England und Norwegen sorgen Erling Haaland und Jude Bellingham mit ihrer Freundschaft für Aufmerksamkeit.
Historische Klage in Botswana

Lesbisches Paar kämpft weiter

Zwei Frauen kämpfen vor Botswanas Oberstem Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe – ein Verfahren mit Signalwirkung für ganz Afrika.
Schwerbehindert und LGBTIQ+

Viele leben doppelt benachteiligt

Millionen Menschen leben mit einer Schwerbehinderung. Hunderttausende LGBTIQ+-Personen kämpfen dabei zudem mit mehrfachen Diskriminierungserfahrungen.