Nachrichten auf Social Media News-Abfrage zumeist online, Vertrauen indes bleibt gering
Soziale Netzwerke werden für die Nachrichtenversorgung in Deutschland immer wichtiger. Vor allem junge Menschen informieren sich heute regelmäßig über Plattformen wie Instagram, WhatsApp, YouTube oder Facebook über aktuelle Ereignisse, insbesondere die junge, queer-affine Generation Z, die sich zu 22 Prozent als LGBTIQ+ definiert (Ipsos Studie2025). Das geht aus dem aktuellen Reuters Institute Digital News Report 2026 hervor.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Mehrheit der jungen Menschen nutzt soziale Medien regelmäßig als Nachrichtenquelle.
- Besonders bei den 18- bis 24-Jährigen spielen Instagram, WhatsApp, YouTube und Facebook eine zentrale Rolle.
- Auch viele LGBTIQ+-Jugendliche beziehen Informationen zu Politik, Gesellschaft und queeren Themen über soziale Netzwerke.
- Klassische Medien wie Fernsehen, Radio und Print verlieren insbesondere bei jungen Zielgruppen an Bedeutung.
- Das Vertrauen in Nachrichten ist bei jüngeren Menschen geringer als im Bevölkerungsdurchschnitt.
- Viele Befragte sorgen sich, im Internet Fakten und Falschinformationen nicht zuverlässig unterscheiden zu können.
Soziale Medien als Nachrichtenquelle
Gerade für viele LGBTIQ+-Jugendliche haben soziale Medien eine besondere Bedeutung. Während queere Themen in klassischen Medien lange Zeit nur begrenzt sichtbar waren, finden junge lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, nicht-binäre und queere Menschen auf digitalen Plattformen häufig Informationen, Erfahrungsberichte und Diskussionen zu ihrer Lebensrealität. Gleichzeitig sind sie dort jedoch auch verstärkt mit Desinformation, Hassrede und irreführenden Inhalten konfrontiert. Laut der Untersuchung nutzen 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen soziale Netzwerke regelmäßig, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren. Über alle Altersgruppen hinweg liegt dieser Wert bei 36 Prozent der Online-Nutzer.
Besonders wichtig für junge Menschen
Besonders auffällig ist die Bedeutung sozialer Medien für die jüngste Altersgruppe. Rund 17 Prozent der 18- bis 24-Jährigen geben an, ausschließlich über soziale Netzwerke Nachrichten zu konsumieren. Auch Influencerinnen und Influencer spielen in dieser Altersgruppe eine wichtige Rolle. Zehn Prozent derjenigen, die entsprechenden Accounts folgen, erklären laut Studie, dass diese Inhalte ihren gesamten Informationsbedarf zu aktuellen Themen decken. Für viele LGBTIQ+-Jugendliche sind solche Angebote oft mehr als reine Nachrichtenquellen. Sie bieten Informationen zu queeren Lebensrealitäten, gesellschaftlichen Debatten und politischen Entwicklungen, die in traditionellen Medien teilweise weniger präsent sind. Gleichzeitig warnen Experten seit Jahren davor, dass Inhalte von Influencern nicht denselben journalistischen Standards unterliegen wie klassische Medienangebote.
Künstliche Intelligenz spielt bei der aktiven Informationssuche bislang nur eine geringe Rolle. Der Studie zufolge greifen lediglich fünf Prozent der Befragten auf KI-Chatbots zurück, um sich über aktuelle Themen zu informieren. Wenn KI genutzt wird, dann vor allem für praktische Zwecke. Häufig lassen sich Nutzer Nachrichten oder längere Texte zusammenfassen oder Inhalte vereinfachen.
Fernsehen, Radio und Zeitungen
Während soziale Netzwerke an Bedeutung gewinnen, setzt sich der Rückgang klassischer Medien fort. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sehen nur noch 32 Prozent regelmäßig Nachrichtensendungen im linearen Fernsehen. Über alle Altersgruppen hinweg liegt dieser Wert allerdings weiterhin bei knapp 60 Prozent. 34 Prozent der Befragten hören regelmäßig Nachrichten im linearen Radioprogramm. Gedruckte Zeitungen und Zeitschriften werden von 17 Prozent genutzt. Die Studie verweist darauf, dass die Reichweiten klassischer Medienangebote bereits seit 2013 kontinuierlich zurückgehen.
Junge Menschen sind skeptischer
Neben dem veränderten Medienkonsum zeigt die Untersuchung auch Unterschiede beim Vertrauen in Nachrichtenangebote. Während 46 Prozent aller Befragten angeben, den Nachrichten überwiegend zu vertrauen, fällt dieser Wert bei den 18- bis 24-Jährigen deutlich niedriger aus. In dieser Altersgruppe liegt das Vertrauen um fast zehn Prozentpunkte unter dem Durchschnitt. Auch für viele LGBTIQ+-Jugendliche kann dies eine besondere Herausforderung darstellen. Gerade bei Themen wie queeren Rechten, Geschlechtsidentität oder gesellschaftspolitischen Debatten kursieren in sozialen Netzwerken häufig widersprüchliche Informationen. Die Frage, welche Quellen vertrauenswürdig sind, gewinnt dadurch zusätzlich an Bedeutung.
Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft die Verbreitung von Desinformation im Internet. Knapp die Hälfte der Befragten äußert Bedenken, bei Online-Nachrichten zuverlässig zwischen Fakten und Falschmeldungen unterscheiden zu können. Die Unsicherheit zeigt, wie wichtig Medienkompetenz und die kritische Bewertung von Informationen geworden sind – insbesondere für junge Menschen, die einen großen Teil ihrer Nachrichten über soziale Netzwerke beziehen. Der Reuters Institute Digital News Report erscheint jährlich und untersucht das Nachrichtenverhalten in mittlerweile 48 Ländern. Die Studie gilt als eine der wichtigsten internationalen Erhebungen zur Entwicklung der Mediennutzung und zum Vertrauen in journalistische Angebote.