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Millionenvergleich bei Grindr Schwule Dating-App zahlt über 30 Millionen Euro

Von ms - 08.09.2026 - 10:00 Uhr
Millionenvergleich bei Grindr
Foto: IMAGO / AAP
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Die schwule Dating-App Grindr hat sich mit Tausenden britischen Nutzern auf einen Vergleich in Höhe von 26 Millionen Pfund geeinigt, umgerechnet rund 30,3 Millionen Euro. Im Mittelpunkt des Rechtsstreits stand der Vorwurf, das Unternehmen habe besonders sensible persönliche Daten seiner Nutzer an Werbeunternehmen weitergegeben. Dazu sollen auch Informationen über den HIV-Status gehört haben.

Das Wichtigste im Überblick

  • Grindr hat sich in Großbritannien auf einen Vergleich über 26 Millionen Pfund geeinigt.
  • Tausende Nutzer hatten der Dating-App vorgeworfen, hochsensible persönliche Informationen, darunter ihren HIV-Status, an Werbefirmen weitergegeben zu haben.
  • In dem Verfahren wurden 12.000 Nutzer von der Kanzlei Austen Hays vertreten.
  • Bei einer gleichmäßigen Verteilung der Vergleichssumme würde jeder Betroffene durchschnittlich 2.167 Pfund erhalten.
  • Grindr bestreitet die Vorwürfe und betont, dass der Vergleich kein Schuldeingeständnis enthält.
  • Bereits 2018 hatte Grindr angekündigt, die Weitergabe von HIV-Statusdaten an Drittunternehmen einzustellen.
  • Norwegische Datenschutzbehörden hatten Grindr wegen Datenschutzverstößen mit einer Millionenstrafe belegt.

Vergleich beendet Rechtsstreit

Der Rechtsstreit hatte sich über zwei Jahre hingezogen. Im April 2024 reichte Austen Hays vor dem High Court of England and Wales eine Klage im Namen von Grindr-Nutzern ein. Nach Darstellung der Kläger ging es um Datenschutzverstöße, die sich bis zum Beginn des Jahres 2020 erstreckten. Insgesamt vertrat Austen Hays 12.000 Menschen. Würde die Vergleichssumme gleichmäßig unter ihnen aufgeteilt, ergäbe sich eine durchschnittliche Entschädigung von 2.167 Pfund pro Person.

Grindr erklärte, Gegenstand des Verfahrens seien „historische Datenpraktiken vor 2020“. Zugleich stellte das Unternehmen klar: „Der Vergleich beinhaltet weder Feststellungen noch ein Schuldeingeständnis. Grindr weist die Vorwürfe zurück, erkennt jedoch die von einigen seiner britischen Nutzer geäußerte Belastung und den Vertrauensverlust im Zusammenhang mit dem Zeitraum vor 2020 an.“

Die vereinbarte Summe soll in zwei Teilen gezahlt werden. Grindr will bis zum Ende dieses Jahres 13 Millionen Pfund bereitstellen. Weitere 13 Millionen Pfund sollen bis Ende März des kommenden Jahres folgen. Nach Angaben des Unternehmens wurde der Umgang mit Datenschutz seit 2020 umfassend überarbeitet. Grindr erklärte, die App „ist und bleibt ein sicherer Ort für Nutzer, die sich Transparenz, Nutzerkontrolle und einem verantwortungsvollen Umgang mit Daten verpflichtet fühlt“.  Auch die Muttergesellschaft von Austen Hays äußerte sich zu dem Abschluss des Verfahrens. Gateley erklärte: „Wir danken unseren Mandanten dafür, dass sie uns in diesem sensiblen Fall ihr Vertrauen geschenkt haben.“

Bereits 2018 erste Konsequenzen

Der aktuelle Vergleich steht im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung, die mehrere Jahre zurückreicht. Im April 2018 hatte Grindr angekündigt, den HIV-Status seiner Nutzer künftig nicht mehr mit Drittunternehmen zu teilen. Auslöser waren damals Recherchen von Forschern in Norwegen. Sie hatten festgestellt, dass Daten von Grindr an zwei Unternehmen weitergegeben worden waren.

Der Umgang der Plattform mit persönlichen Daten beschäftigte anschließend auch die norwegischen Datenschutzbehörden. 2021 verhängte die zuständige Behörde gegen Grindr eine Geldstrafe von 65 Millionen norwegischen Kronen, umgerechnet rund sechs Millionen Euro. Der Vorwurf lautete auf Verstöße gegen Datenschutzvorschriften. Im Oktober 2025 bestätigte ein norwegisches Berufungsgericht die Entscheidung und die verhängte Geldstrafe. Das Gericht bewertete dabei auch eine öffentliche Aussage des Unternehmens kritisch. Grindr hatte erklärt, es „verkaufe Ihre persönlichen Nutzerdaten nicht zu Werbezwecken an Dritte“. Nach Auffassung des Gerichts war diese Aussage „eindeutig irreführend“.

Datenschutz bleibt Thema

Grindr war in den vergangenen Jahren wiederholt mit Fragen zum Schutz der Privatsphäre, zur Datensicherheit und zur Moderation der Plattform konfrontiert. Dabei ging es unter anderem darum, auf welche Weise besonders sensible Angaben aus Nutzerprofilen verwendet werden können oder sich aus anderen Informationen ableiten lassen. Der nun geschlossene Vergleich bezieht sich nach Angaben von Grindr ausdrücklich auf die Datenpraktiken aus der Zeit vor 2020. Das Unternehmen weist die gegen sie erhobenen Vorwürfe weiterhin zurück und betont zugleich, seine Datenschutzmaßnahmen seitdem grundlegend verändert zu haben.

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