Direkt zum Inhalt
Mehr Vielfalt im Sport

Mehr Vielfalt im Sport "Im Breiten- wie im Spitzensport brauchen wir eine Kultur des Respekts."

ms - 17.07.2023 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Am vergangenen Wochenende präsentierte sich der Lesben- und Schwulenverband Deutschland zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, dem Deutschen Fußball-Bund und mehreren weiteren Sportverbänden beim CSD in Frankfurt am Main, um unter dem Motto „Loud and Proud im Sport“ auf die verbesserungswürdige Lage im deutschen Sport hinzuweisen. Der LSVD will eine landesweite Aktion anstoßen und so mehr Vielfalt in den Sport bringen.  

Akzeptanz steckt in den Kinderschuhen

„Sport verbindet Menschen. Aber die vorhandene Vielfalt ist oft noch kaum oder gar nicht sichtbar. Die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter* sowie queeren Menschen im Sport steckt noch in den Kinderschuhen“, so Christian Rudolph aus dem Bundesvorstand. Zwar gebe es bereits erste Verbände, die auch klar Flagge für die LGBTI*-Community zeigen würden, doch sei dies bei weitem noch nicht genug. „Der Sport muss allen offen stehen. LSBTIQ*-Feindlichkeit und der Zwang, sich verstecken zu müssen sind das glatte Gegenteil von Fairness. Im Breiten- wie im Spitzensport brauchen wir eine Kultur des Respekts. Die geschlechtliche Selbstbestimmung im Sport sollte auf allen Ebenen akzeptiert werden.“

Gerade der letzte Aspekt ist im Spitzensport immer wieder Gegenstand hitziger Debatten, immer mehr internationale Sportverbände haben in den letzten Monaten beispielsweise beschlossen, Trans-Frauen von Wettkämpfen für Frauen auszuschließen. Sie berufen sich dabei auf mehrere Studien, die aufzeigen, dass Trans-Frauen selbst unter der Einnahme von weiblichen Hormonen erhebliche körperliche Vorteile gegenüber biologischen Frauen haben sollen, beispielsweise bei der Knochendichte, dem Lungenvolumen oder auch der Muskelkraft.

Outing im Fußball?

Der LSVD blickt in seiner Kritik des Weiteren auch auf den Profi-Fußball und attestiert: „Ein Outing im Sport sollte eine Selbstverständlichkeit sein und kein Anlass für eine breite Presseberichterstattung. Auch im Jahr 2023 gibt es in der deutschen Fußballbundesliga immer noch keinen offen schwul, bisexuell, trans* oder inter* lebenden Spieler. Stattdessen machen homosexuellen- und trans*feindliche Kommentare in den Sozialen Medien von Fußballspielern Schlagzeilen. Beim deutschen Frauenfußballteam sieht das ganz anders aus. Dort zeigen sich viele als offen lesbisch, bisexuell oder queer und setzen sich auch für die Gleichbehandlung von lesbischen Paaren bei der Familiengründung ein. Das alles zeigt: Es gibt noch viel auf dem Weg zur Akzeptanz und Gleichberechtigung von LSBTIQ* im Sport zu tun.“

Vielfalt im Sport muss selbstverständlich werden

Der Verband startete deswegen am vergangenen Wochenende auch die Social-Media-Aktion „SportPride“, bei der sich Sportvereine, Fans und Sportler zeigen sollen, die solidarisch mit der LGBTI*-Community sind. „Akzeptanz und Vielfalt im Sport muss für alle selbstverständlich sein. Gelebte Vielfalt ist für alle gut, geht alle Menschen etwas an, die Demokratie und Freiheit unterstützen.“ Wie wichtig das Thema ist, belegt auch eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln, die aufzeigte, dass 16 Prozent der aktiven Sportler in Deutschland binnen eines Jahres persönlich negative Erfahrungen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gemacht haben.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kritik an Trump-Narrativen

Risiko für LGBTIQ+-Personen steigt

Inmitten von Bombardierungen und geopolitischen Strategien geraten im Iran-Krieg marginalisierte Gruppen in noch größere Gefahr.
ESC-Quoten fürs Finale

Finnland ist an der Spitze

Ungute Vorzeichen? Der deutsche ESC-Beitrag von Sarah Engels landet im ESC-Barometer derzeit auf dem vorletzten Platz. Finnland ist Spitzenreiter.
Zölibat nicht durchzuhalten

Geist war willig, Fleisch schwach

Ein prominenter italienischer Priester legt sein Amt nieder – wegen seiner eigenen, als zu stark empfundenen Sexualität.
Homophobie bei den Bobbys

Umfrage in der Bevölkerung

Homophobie ist seit Jahren ein großes Problem der Londoner Polizei. Eine Umfrage in der Bevölkerung soll nun aufzeigen, wie die aktuelle Lage ist.
Mikrokredite als Nothilfe

Reaktion auf Kürzungen bei LGBTIQ+

Können Mikrokredite den Rückgang der weltweiten Förderung von LGBTIQ+ auffangen? Ein Dutzend queerer Verbände weltweit fordert ein Umdenken.
Klage der US-Boy Scouts

Anklage von queerem Reisebüro

Die amerikanischen Boy Scouts verklagen das LGBTIQ+-Reiseunternehmen Queer Scout wegen Namens- und Logorechten.
Hate Crime in Großbritannien

Erster Schritt für neues Gesetz

LGBTIQ+-Hasskriminalität soll in Großbritannien härter bestraft werden, im ersten Schritt stimmte jetzt das House of Lords dem Gesetzesvorhaben zu.
Paukenschlag in Ungarn

Pride-Strafverfahren ausgesetzt

Das Strafverfahren gegen Budapests Bürgermeister Karácsony wegen des Prides 2025 ist ausgesetzt worden. Die Richter kritisieren das betreffende Gesetz