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LGBTI*verklagen Präsidentschaftskandidat Rechtsextremer Kandidat Zemmour muss sich vor Gericht verantworten

Von ms - 28.03.2022 - 15:00 Uhr
Rechtsextremer Kandidat Zemmour muss sich vor Gericht verantworten // © IMAGO / PanoramiC
Foto: Rechtsextremer Kandidat Zemmour muss sich vor Gericht verantworten // © IMAGO / PanoramiC
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Es ist nichts weniger als ein politischer Paukenschlag im französischen Wahlkampf: Sechs LGBTI*-Organisationen verklagen den rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Eric Zemmour, weil er leugnet, dass Homosexuelle während des Holocausts von den Nazis verfolgt und ermordet wurden. Die Klage ist die erste in Frankreich, die sich speziell mit der Leugnung des Holocausts in Bezug auf LGBTI*-Menschen befasst.

Nach übereinstimmenden Angaben der Organisation Holocaust Memorial Day sowie auch des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend wurden während des Holocausts zwischen 10.000 und 15.000 Männer der Homosexualität beschuldigt und in Konzentrationslager geschickt, die Hälfte von ihnen überlebte die Gräueltaten nicht. Zehntausende weitere wurden verhaftet und in Polizeigefängnisse eingesperrt. Andere wurden kastriert und grausamen medizinischen „Experimenten" unterzogen oder ermordet.

Für den Präsidentschaftskandidaten Zemmour ist das alles dagegen nur eine Erfindung. Konkret schrieb er in einem Manifest: "Die Deportation von Homosexuellen aus Frankreich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ist eine Legende." Bereits zuvor hatte er mit Publikationen immer wieder gerne für Aufsehen gesorgt; so behauptete er 2014 beispielsweise, dass Frankreich sich seit Jahrzehnten aufgrund von Einwanderung, Feminismus und Gleichmacherei im Niedergang befinde.

Die sechs LGBTI*-Organisationen Mousse, Stop Homophobie, Inter-LGBT, Adheos, SOS Homophobie und Quazar haben nun gemeinsam eine Klage gegen Zemmour eingereicht. In Frankreich ist, wie in vielen anderen europäischen Ländern, die Leugnung des Holocausts verboten. Das französische Gesetz wurde dabei erst 1990 verabschiedet, um den Antisemitismus zu bekämpfen. Die queeren Organisationen wiesen zudem daraufhin, dass die französischen Behörden selbst die schwulen Opfer des Holocausts bis 1995 nicht anerkannten und sich weigerten, LGBTI*-Aktivisten an offiziellen Gedenkfeiern teilnehmen zu lassen. Erst in den 2010er Jahren wurde die Anerkennung der homosexuellen Opfer bei Zeremonien normalisiert. Die LGBTI*-Aktivisten befürchten daher nun, dass Zemmour mit seinen Aussagen nicht nur Geschichtsfälschung betreibt, sondern auch den Weg für eine schrittweise Öffnung zu homophoben Statements bereiten will:

"Eric Zemmours Holocaust-Leugnung ist ein versteckter Aufruf zum Hass. Indem er die Verbrechen leugnet, die während des Zweiten Weltkriegs an Homosexuellen begangen wurden, verharmlost Eric Zemmour die homophobe Gewalt, die auch heute noch stattfindet. Das heißt, um Homophobie zu verstehen und zu bekämpfen, müssen wir ihr in ihrer historischen und alltäglichen Realität ins Auge sehen!"

Die französischen Präsidentschaftswahlen finden am 12. Juni statt, die voraussichtliche Stichwahl dann eine Woche später, am 19. Juni. Zemmour liegt in den aktuellen Umfragen meist auf dem dritten oder vierten Platz.

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