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LGBTI*-Aktivisten in Kiew ausgeraubt // © Rémy Bonny
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LGBTI*-Aktivisten in Kiew ausgeraubt! Queers in der Ukraine: „Wir wollen frei sein!“

ms - 02.03.2022 - 09:55 Uhr
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Die Situation in der Ukraine wird gerade auch für die LGBTI*-Community in diesen Tagen immer dramatischer.

Vergangene Nacht wurde nach Angaben des Direktors der LGBTI*-Hilfsorganisation Forbidden Colours, Remy Bonny, in Kiew ein Versteck von LGBTI*-Aktivisten überfallen. Unbekannte stürmten in die Büroräume von Nash Mir, in denen mehrere queere Aktivisten waren. Die Einbrecher waren glücklicherweise unbewaffnet, allerdings kam es zu gewaltsamen Handgreiflichkeiten und die Unbekannten raubten die LGBTI*-Aktivisten aus. Bilder vom Tatort zeigen ein verwüstetes Büro und eine brachial zerstörte Eingangstüre. Die Aktivisten konnten nach Angaben von Remy Bonny inzwischen anderweitig in Sicherheit gebracht werden.

Der gestrige Angriff dürfte bei weitem kein Einzelfall bleiben – davor warnt auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann:

„Putins Angriffskrieg verursacht großes Leid für alle Menschen in der Ukraine. Die anhaltende Aggression der Putin-Regierung trifft insbesondere auch zivile Organisationen und Einrichtungen. Diese waren in den letzten Jahren tragende Säulen der jungen Demokratie. Sie sind daher der autoritären russischen Regierung ein Dorn im Auge. Dies gilt auch für die LGBTI*-Community. Wir stehen in Kontakt mit Jugendorganisationen und queeren Aktivisten in der Ukraine. Sie fürchten eine massive Bedrohung ihrer Existenz für den Fall, dass Russland einen Regimewechsel erzwingt. Die russischen Anti-Homosexuellen-Gesetze, die brutale Unterdrückung von transgeschlechtlichen Menschen, die Schikane von LGBTI* müssen uns eine Warnung sein.“

Nach US-Geheimdienstinformationen suchen russische Soldaten auch gezielt nach LGBTI*- sowie politischen Aktivisten, um so möglichst rasch liberale und demokratische Stimmen aus der Ukraine als erstes zum Schweigen zu bringen. Sven Lehmann dazu:

„Schikane und Verfolgung von LGBTI* sind oft der Verbote autoritärer Regime. Die queere Community in der Ukraine ist daher besonders verwundbar angesichts des Putin-Angriffskrieges. Wir werden alle Möglichkeiten nutzen, Aktivisten zu unterstützen in ihrem Kampf für Freiheit und Menschenrechte. Wir ermöglichen Visum-freie Einreise und Aufenthalt in Deutschland und haben die Situation der besonders gefährdeten Gruppen im Blick. Liebe ist Freiheit. Und lieben zu können, wen man möchte, ist eine der größten Formen der Freiheit. Auch diese Freiheit erkämpfen sich gerade in der Ukraine immer mehr Menschen.“

Nach wie vor ist die LGBTI*-Community in der Ukraine dabei mutig und will sich weiterhin Russland im Kampf entgegenstellen. Gegenüber Pink News kommentierte als ein Beispiel von vielen dies auch der queere Teenager Franz (Name von der Redaktion geändert) im Interview:

"Ich weiß, dass es für mich hier kein Leben gibt, wenn die Ukraine nicht frei ist und prosperiert. Ich habe gesehen, wie weit wir als Nation in den letzten zehn Jahren in Bezug auf Akzeptanz und Toleranz gekommen sind. Queere Ukrainer sind an vorderster Front dabei, die ukrainische Kultur wiederzubeleben und die ukrainische Demokratie zu etablieren. Wir haben an Protesten teilgenommen und setzen uns ständig dafür ein, dass die Ukraine ein Land ist, in dem sich jeder willkommen fühlt. Es ist keine leichte Arbeit, aber ich denke, jeder von uns kann stolz darauf sein, und jeder von uns will in diese Richtung weitergehen. Egal wie real es ist, es ist wirklich schwer für mich zu glauben, dass dies jetzt die Realität ist, die ich gerade lebe.

Ich glaube, die letzten Tage haben mir ein viel tieferes Verständnis dafür vermittelt, wie sehr ich eigentlich leben und frei sein und die Dinge tun will, die ich will. Ich bin bereit, dafür zu kämpfen."

Franz ist ein trans- und bisexueller Mann aus der Westukraine, der gerade erst 18 Jahre alt geworden ist. Diesen Monat sollte eigentlich seine geschlechtsangleichende Behandlung beginnen, wenn nicht der Krieg ausgebrochen wäre. Der junge Mann studiert Physik an einer Universität in der Slowakei, ist aber jetzt in die Ukraine zurückgekehrt, um seine Eltern und die LGBTI*-Community zu unterstützen.

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