Lage in Mauretanien Stigmatisierung und Hass gegenüber LGBTIQ+-Personen
Mauretanien zählt zu den Ländern, in denen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen nach wie vor unter Strafe stehen. Das Strafgesetzbuch sieht für Männer die Todesstrafe durch Steinigung vor, wenngleich die Regierung im Jahr 2021 ein faktisches Moratorium auf die Vollstreckung dieser Strafe bestätigte. Trotz dieser De-facto-Aussetzung der Todesstrafe berichten queere Organisationen weiterhin von Verhaftungen und Angriffen auf LGBTIQ+-Personen.
Unsichtbar und in ständiger Gefahr
In dem westafrikanischen Land sind homosexuelle Personen aufgrund der starken gesellschaftlichen Stigmatisierung weitgehend unsichtbar. Viele von ihnen verstecken ihre Identität aus Angst vor Diskriminierung, sozialer Ablehnung und rechtlichen Konsequenzen, wie der queere Verein 76crimes berichtet. Jene, die entdeckt werden, verbringen oft viele Jahre im Gefängnis. Besonders betroffen sind überdies Flüchtlinge aus dem Senegal, die in Mauretanien Zuflucht suchen, seitdem Homosexualität dort zu einem öffentlichen Streitthema wurde. Einige senegalesische LGBTIQ+-Personen erhielten von den Vereinten Nationen den Flüchtlingsstatus, doch sie sind weiterhin mit großen rechtlichen und gesundheitlichen Risiken konfrontiert.
Unklare Regelungen und Verhaftungen
Das Anti-Homosexualitätsgesetz in Mauretanien betrifft in erster Linie muslimische Männer, wobei es je nach Fall auch für nicht-muslimische Männer angewendet werden kann. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Berichte über Verhaftungen von Schwulen, die unter dem Vorwurf von sexuellen Handlungen festgenommen wurden. Ein besonders prominenter Vorfall ereignete sich im Januar 2020, als zehn Menschen verhaftet wurden, weil sie angeblich an einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit teilgenommen hatten. Die Polizei räumte später ein, dass es sich bei der Veranstaltung lediglich um eine Geburtstagsfeier gehandelt hatte, die Festgenommenen seien jedoch wegen „Frauenimitierens“ inhaftiert worden.
Die acht Männer, die im Rahmen dieses Vorfalls verhaftet wurden, gestanden zunächst, homosexuell zu sein, widerriefen diese Aussagen jedoch im Gerichtsverfahren. Acht von ihnen wurden schließlich zu zwei Jahren Haft verurteilt, darunter wegen „Unanständigkeit“ und „Anstiftung zur Ausschweifung“. Eine Frau erhielt eine einjährige Bewährungsstrafe, weil sie bei der Feier anwesend gewesen war. Der Restaurantbesitzer, der die Veranstaltung ausgerichtet hatte, wurde freigesprochen.
Diskriminierung von Homosexuellen
Die US-amerikanische Botschaft in Mauretanien bekräftigte aktuell, dass Homosexuelle oft Opfer von Schikane und Gewalt durch die Nationalpolizei sowie von Nachbarn und Familienmitgliedern werden, offiziell dokumentiert werden die Fälle indes kaum. Aufgrund der Schwere der gesellschaftlichen Ablehnung und der drohenden rechtlichen Konsequenzen wird die Identität vieler LGBTIQ+-Personen in der Öffentlichkeit auch weiterhin kaum thematisiert. Die Organisation SOS Pairs Educateurs betonte außerdem, dass von der Diskriminierung insbesondere verstärkt schwule Männer mit HIV betroffen sind – eine Thematisierung dieser Problematik unter gesundheitsspezifischen Aspekten wurde von Seiten der Regierung sowie der Verantwortlichen trotzdem strikt abgelehnt.