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Kritik an IOC-Regeln LSVD+ schließt sich Protest im Rahmen eines offenen Briefes an

Von ms - 20.07.2026 - 11:00 Uhr
Kritik an IOC-Regeln
Foto: IMAGO / ecomedia/robert fishman
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Gegen die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geplanten Geschlechtertests für Athletinnen regt sich in Deutschland Widerstand. Der LSVD+ unterstützt jetzt einen offenen Brief von 13 Erstunterzeichnern aus den Bereichen Diversität, Soziologie und Sportwissenschaft, die die neuen Regelungen kritisiert und eine wissenschaftlich fundierte Debatte über geschlechtliche Vielfalt im Sport fordert.

Das Wichtigste im Überblick

  • Das IOC plant ab den Olympischen Spielen 2028 Geschlechtertests für Athletinnen in der Frauenkategorie.
  • 13 Erstunterzeichner aus den Bereichen Diversität, Soziologie und Sportwissenschaft wenden sich mit einem offenen Brief gegen die neuen Vorgaben.
  • Der LSVD+ schließt sich der Initiative an und kritisiert die IOC-Regelung als diskriminierend.
  • Die Unterzeichner fordern einen evidenzbasierten Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt im Sport.
  • Der IOC betont wissenschaftliche Studien sowie Fairness, Sicherheit und Integrität der Wettkämpfe

LSVD+ betont Ausgrenzung

Das IOC hatte im März dieses Jahres neue Vorgaben vorgestellt. Demnach sollen Athletinnen in der Frauenkategorie künftig mithilfe von Geschlechtertests als „biologische Frauen“ eingestuft werden. Die Regelungen sollen bei den Olympischen Spielen 2028 erstmals angewendet werden. Der LSVD+ bezeichnet die neue Politik als Schritt hin zu Ausgrenzung, Diskriminierung und einer transfeindlichen Regulierung des Sports. Auch drei Personen aus dem Bereich Diversitäts- und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln äußerten in der Stellungnahme Kritik. Darin wird betont, dass Geschlechtlichkeit komplex sei und die neue IOC-Regelung wissenschaftlich nicht ausreichend begründet werde. Zudem fehle es an zentralen Transparenzstandards. Besonders bemängelt wird, dass das IOC weder die zugrunde liegenden Studien noch die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachvollziehbar benenne.

Förderung geschlechtlicher Vielfalt 

Nach Auffassung der Erstunterzeichner greifen die vorgesehenen Geschlechtertests tief in die informationelle Selbstbestimmung ein und berühren die Rechte sowie die Würde der betroffenen Athletinnen. Darüber hinaus sei die wissenschaftliche Datenlage zur Leistungsfähigkeit und zur Aussagekraft solcher Tests derzeit gering und ambivalent. Prof. Dr. Bettina Rulofs, Leiterin der Abteilung Diversitätsforschung im Institut für Soziologie und Genderforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, erklärte: „Mit unserer Stellungnahme bekennen wir uns als Rektorat der Deutschen Sporthochschule Köln dazu, die Inklusion von geschlechtlicher Vielfalt im Sport zu fördern. Als Universität stehen wir für transparente wissenschaftliche Evidenz und eine differenzierte Betrachtung von komplexen Problemen. Diese Prinzipien kommen in der neuen IOC Policy zu kurz.“

Die Verfasserinnen und Verfasser des offenen Briefes fordern deshalb einen offenen, differenzierten und evidenzbasierten Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt im Sport. Dr. Karolin Heckemeyer, Sprecherin der dvs-Kommission Geschlechter- und Diversitätsforschung, erklärte: „Die neue IOC Policy führt zu einem rückschrittlichen Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt und verstärkt geschlechtsbezogene Diskriminierung im Sport – und dies nicht nur im Spitzensport. Die Regularien wirken sich auch auf den Breiten- und Schulsport aus. Im Fokus sollte für uns alle ein Sport für alle Geschlechter stehen!“

Unterstützung kommt auch vom LSVD*, der in einem Statement betont, Sport solle Menschen zusammenbringen und nicht spalten. Die neue IOC-Policy sei kein Beitrag zu Fairness, sondern ein Instrument der Ausgrenzung. „Wir erkennen darin eine politische Agenda, die immer wieder unter dem Deckmantel von suggerierter Fairness und einem vermeintlichen Schutz von Frauen eine diskriminierende Logik verfestigen will. Dass diese Entwicklungen nun auch den Sport erreichen, obwohl dieser sich immer als ´unpolitisch` darstellt, ist besorgniserregend“, so Julia Monro aus dem Bundesvorstand. 

Begründung des IOC

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) begründete die Einführung verpflichtender Geschlechtertests für die Frauenkategorie mit dem Ziel, die Fairness, Sicherheit und Integrität des Wettkampfs zu schützen. Nach Auffassung des IOC können körperliche Vorteile, die sich durch eine männliche Pubertät entwickeln – etwa bei Muskelmasse, Kraft, Ausdauer, Körpergröße und Knochendichte –, auch nach einer Hormonbehandlung teilweise bestehen bleiben und in leistungsorientierten Sportarten wettbewerbsrelevant sein. Das IOC verweist darauf, dass seine neue Regelung auf der Auswertung wissenschaftlicher Studien sowie der Arbeit einer Expertengruppe beruhe und sieht den einmaligen genetischen Nachweis des SRY-Gens als derzeit „genaueste und am wenigsten invasive Methode“ zur Bestimmung der biologischen Geschlechtszugehörigkeit für die Frauenkategorie an. 

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