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Kommentar Oklahoma will Bücher und Unterricht mit LGBTI*-Themen verbieten lassen

Von ms - 03.02.2022 - 16:30 Uhr
Oklahoma will Bücher und Unterricht mit LGBTI*-Themen verbieten lassen
Foto: © Olivier Verriest
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Vielleicht erwarten wir Homosexuellen einfach zu viel von unseren heterosexuellen Mitmenschen? Wahrscheinlich ist für viele die ganze Geschichte mit den Blümchen und Bienchen auch einfach zu komplex, weswegen sie in gehobenem Alter am besten gleich ganz der Biologie entsagen. So geschehen aktuell in Oklahoma – ein reizender Staat mitten in Amerika, bekannt für seine offenen Prärielandschaften und den tiefen Wäldern, die rund ein Viertel der Landfläche bedecken. Die dortige Bevölkerung könnte man also gerne teilweise als Hinterwäldler bezeichnen, natürlich stramm republikanisch. Nur ein einziges Mal in den letzten 60 Jahren gewann ein Demokrat dort mehrheitlich die Stimmen für das Präsidentenamt - und das auch nur, weil zuvor John F. Kennedy erschossen worden war. Gibt es noch etwas zu erwähnen? Ach ja, Oklahoma vollstreckt sehr gerne Todesurteile und ist mit Texas landesweit Spitzenreiter darin. Und, nicht zu vergessen, LGBTI*-Menschen sind für viele Einheimische wohl noch immer Menschen zweiter oder dritter Klasse.

So ist es eigentlich auch nur konsequent, dass der Senator von Oklahoma Rob Standridge (die Frage erübrigt sich, aber ja, er ist Republikaner!) nun einen Gesetzentwurf vorgestellt hat, der es religiösen Eltern künftig erlauben soll, Lehrer zu verklagen, wenn sie im Unterricht etwas von Biologie erzählen. Die Biologie ist ja leider eher eine faktenbasierte Wissenschaft und dazu gehört eben auch, dass queere Lebensweisen ganz natürlich sind. Doch von der Wissenschaft will man sich doch nicht sein Leben diktieren lassen, also dürfen wahrscheinlich Eltern bald all jene Lehrer vor Gericht zerren, die „gegen die religiösen Überzeugungen“ der Schüler und ihrer Familien verstoßen. Damit die Androhung auch eine starke Wirkung erzeugt, wird im Gesetzentwurf zudem klargestellt, dass Lehrer im Falle einer Verurteilung die 10.000 US-Dollar Strafe aus eigener Tasche zu bezahlen haben und auch nicht finanziell von anderen Personen oder Organisationen – wie beispielsweise LGBTI*-Vereinen – unterstützt werden dürfen.

Standridge
Senator Rob Standridge © Oklahoma Senate

Damit nicht genug, hat der clevere Senator erkannt, dass die bösen LGBTI*-Dämonen nicht nur aus den Mündern von Lehrern entweichen, sondern – man glaubt es kaum – sich auch in Büchern finden lassen. Das ganze böse Zeugs muss also auch weg, so der Plan. Schulen soll es künftig untersagt sein, Bücher in ihrer Bibliothek anzubieten, die "das Studium von Sex, sexuellen Vorlieben, sexuellen Aktivitäten, sexueller Perversion, geschlechtsspezifischen Klassifizierungen, sexueller Identität oder Geschlechtsidentität“ behandeln. Ob sich der Senator die Sache wirklich gut überlegt hat? Hat er jemals die Bibel gelesen? Oder gar das Alte Testament. Da geht´s aber so richtig zur Sache, Inzest, Prostitution, Vergewaltigung, explizite Beschreibungen erfüllender sexueller Praktiken und Geschichten von Männern, die sich stark zueinander hingezogen fühlen, findet man dort. Ein Dilemma, oder?

Aber im Land mit der weiten Prärie und den schönen Wäldern will man soweit gar nicht denken. Denken, auch so eine Sache, die grundsätzlich eher anstrengend und gerade für republikanische Politiker auch lästig und karrieremäßig sogar schädlich sein kann. So ist es auch nur konsequent, dass christliche Eltern künftig verlangen dürfen, dass jedes nicht erwünschte Buch binnen von 30 Tagen aus der Schule zu entfernen sei. Kommt die Bildungseinrichtung dem nicht nach, drohen 10.000 US-Dollar Geldbuße – täglich nach Ablauf der Frist. Kritiker wenden ein, diese Praktiken erinnern doch stark an die religiösen Erlasse, die derzeit wieder in Afghanistan die Runde machen. Aber gibt es nicht in Afghanistan auch weite wüstenähnliche Prärielandschaften? Vielleicht hat es doch alles etwas mit der Landschaft zu tun. Nach dem Motto: Je weiter der Horizont, desto enger der geistige? Nein, das wäre ja nur wieder Biologie und Natur – und wie wir jetzt ja wissen, kann man sich auf solche Fakten nicht verlassen.

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