Kampf gegen queerfeindliche Gesetze Sportlerinnen machen sich derweil stark für trans-Frauen
Die Gouverneure von Kentucky und Pennsylvania haben eines gemeinsam – sie halten beide gar nichts von den Verboten in anderen Bundesstaaten, die es trans-Mädchen nicht mehr erlauben, an Schulsportarten und bei Wettkämpfen teilzunehmen. Die Reaktionen ihrer politischen Kollegen fallen dagegen ganz unterschiedlich aus.
In Kentucky hat die Legislative jetzt das Veto des Gouverneurs außer Kraft gesetzt – de facto wird ein solches Verbot kommen, dass nebst trans-Mädchen auch erwachsenen transsexuellen Frauen die Teilnahme am gleichgeschlechtlichen Sport bis hinauf zum College verbieten wird. Der demokratische Gouverneur Andy Beshear hatte sich gegen das neue Gesetz gestemmt und dabei klargestellt, dass aus seiner Sicht dieses Verbot eindeutig gegen die Verfassung verstoße und trans-Kinder diskriminieren würde. Die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus von Kentucky sah dies anders und wischte das Veto des eigenen Gouverneurs vom Tisch. Das Gesetz tritt damit sofort in Kraft.
Ganz ähnliches versuchen die Abgeordneten des Repräsentantenhauses in Pennsylvania und haben soeben einen beinahe gleichlautenden Gesetzentwurf verabschiedet. Überzuckert noch mit einer Strafandrohung an alle schulischen Einrichtungen, die trotzdem trans-Mädchen am Sport teilnehmen lassen wollen. Noch haben die Republikaner allerdings die Rechnung ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht – der Wirt ist in diesem Fall Gouverneur Tom Wolf. Der 73-jährige, eher unauffällige Demokrat mit weißem Bart stellte unmissverständlich klar, dass er ein Veto gegen diese "transphobische Gesetzgebung" einlegen werde.
"Während Staaten im ganzen Land transphobe Gesetze vorantreiben, verschwenden einige Republikaner in der Generalversammlung Zeit damit, dasselbe in Pennsylvania zu versuchen! Das Gesetz wird es nicht über meinen Schreibtisch schaffen!“, so Wolf kämpferisch, bevor er den Befürwortern des trans-Verbotes verbal noch mit einem Augenzwinkern die Hand reicht: „Lassen Sie uns stattdessen den Schutz für LGBTI*-Menschen aus Pennsylvania verbessern. Schicken Sie mir doch lieber einen überparteilichen Gesetzesentwurf zum Thema Fairness!“
Ryan Matthews, Direktor der Human Rights Campaign im Bundesstaat Pennsylvania, sieht in dem Vorhaben der Republikaner einmal mehr nur eigennützige und rein politische Ziele auf Kosten junger queerer Menschen. Er forderte die Republikaner auf, diesen “bigotten Angriff“ endlich zu beenden und meinte weiter: "Diese Art von Gesetzgebung, die auf eine marginalisierte Bevölkerung abzielt, ohne irgendetwas Gutes zu tun, ist einfach Teil einer koordinierten, landesweiten Kampagne, die darauf abzielt, Hass zu schüren und extremistische Stimmen zu gewinnen, und sie hat in diesem Staat keinen Platz!“
Unterstützung gegen die Sportverbote für trans-Frauen kommt dagegen noch von ganz anderer Seite – hunderte professionelle US-Schwimmerinnen haben jüngst in einem offenen Brief erklärt, dass sie auch trans- und nicht-binäre Sportler unterstützen wollen und gerne willkommen heißen. Die olympische, lesbische Silbermedaillengewinnerin Erica Sullivan verurteilte öffentlich diejenigen, die im Namen des "Schutzes des Frauensports" eine Anti-Trans-Gesetzgebung vorantreiben würden: "Als Frau im Sport kann ich Ihnen sagen, dass ich weiß, was die wahren Bedrohungen für den Frauensport sind: sexueller Missbrauch und Belästigung, ungleiche Bezahlung und Ressourcen und ein Mangel an Frauen in Führungspositionen. Trans-Mädchen und -Frauen stehen nirgends auf dieser Liste!“