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Kamerun bleibt hart Zwei schwule Angeklagte kommen frei

Von ms - 09.09.2026 - 13:30 Uhr
Kamerun bleibt hart
Foto: iStock / SeventyFour
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Nach Polizeirazzien gegen Homosexuelle in der kamerunischen Wirtschaftsmetropole Douala bleiben sechs Männer vorerst in Haft. Ein Gericht schickte jetzt sechs Männer im Alter zwischen 22 und 38 Jahren zurück ins Gefängnis. Dort sollen sie auf ihren Prozess wegen des Vorwurfs der Homosexualität warten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Bei Polizeirazzien in Douala waren Ende August mehr als 60 Menschen festgenommen worden.
  • Neun Männer wurden vorerst im September in das New Bell Central Prison gebracht.
  • Ein Gericht schickte nun sechs Männer im Alter von 22 bis 38 Jahren zurück ins Gefängnis.
  • Zwei 18-Jährige wurden gegen eine Zahlung von umgerechnet rund 300 Euro pro Person vorläufig freigelassen.
  • Das Verfahren gegen einen 16-Jährigen wurde an das für Jugendkriminalität zuständige Zivilgericht übertragen.
  • Den Angeklagten werden unter anderem Homosexualität und der illegale Besitz und das Tragen militärischer Ausrüstung vorgeworfen.
  • Der Anwalt Arnaud Enkam Noubissi will die Zuständigkeit des Militärgerichts anfechten.

Zwei Freilassungen, sechs Männer in Haft

Zwei 18-Jährige wurden dafür jetzt freigelassen. Das Verfahren gegen einen 16-Jährigen wurde an das Zivilgericht in Ndokoti übergeben, das für Fälle von Jugendkriminalität zuständig ist. Alle neun Männer gehörten zu den mehr als 60 Menschen, die Ende August bei Polizeirazzien in den Stadtteilen Makepe und Bourramoussadi in Douala festgenommen worden waren. Die Betroffenen waren entweder als homosexuell identifiziert worden oder es wurde lediglich angenommen, dass sie homosexuell seien. Sie wurden auf verschiedene Polizeiwachen gebracht. Mit Ausnahme der neun Männer wurden die übrigen Festgenommenen kurzfristig wieder freigelassen.

Ein Polizeikommandant rechtfertigte den Einsatz damit, dass sich Homosexuelle in einer örtlichen Bar aufgehalten hätten, die über Räume verfüge, die für sexuelle Kontakte genutzt würden. Nach Angaben der Polizei durchsuchten die Beamten die Bar und fanden in den privaten Räumen Kondome, Gleitmittel und Sexspielzeug. Bei der Durchsuchung der Wohnung eines Mannes erklärte die Polizei, sie habe militärische Unterwäsche und weitere Gegenstände gefunden. Dies führte zu einem zusätzlichen Vorwurf des illegalen Besitzes und Tragens militärischer Ausrüstung.

Familien sollen für Freilassung zahlen

Anfang September wurden neun der Festgenommenen in das New Bell Central Prison in Douala gebracht. Kurz darauf erschienen sie erneut vor dem Militärgericht in Douala. Bei der Anhörung ging es um Vorwürfe wegen Homosexualität, illegalen Besitzes und Tragens militärischer Ausrüstung, der Gefährdung Minderjähriger sowie des Nichtbesitzes eines nationalen Personalausweises. Nach Gesprächen mit den Familien der Angeklagten, die im Gerichtsgebäude anwesend waren, verlangte das Gericht für die vorläufige Freilassung jedes Angeklagten 200.000 CFA-Francs – umgerechnet etwa 300 Euro. 

Vier Familien zahlten die geforderte Summe. Vier Angeklagte haben nach Angaben des Berichts keine Unterstützung durch ihre Familien. Der vom Gericht bestellte Anwalt Arnaud Enkam Noubissi versucht derweil aktuell, die Zuständigkeit des Militärgerichts anzufechten. Er will erreichen, dass das Verfahren an das Zivilgericht in Ndokoti übertragen wird. Der Fall ist Teil eines Vorgehens der kamerunischen Behörden gegen Menschen, denen homosexuelle Kontakte vorgeworfen werden. Die jüngsten Razzien und die anschließenden Gerichtsverfahren haben damit erneut die Frage nach dem Umgang der Behörden mit mutmaßlich homosexuellen Menschen in Kamerun aufgeworfen.

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