Direkt zum Inhalt
James Burrows ist tot
ANZEIGE

James Burrows ist tot Schöpfer großer Sitcoms mit Emmy-Rekord und LGBTIQ+-Ally

ms - 22.06.2026 - 08:00 Uhr
Loading audio player...

James Burrows, einer der prägendsten Regisseure und Produzenten der US-Fernsehgeschichte, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Das bestätigte seine Familie. Der Kult-Regisseur von Hitserien wie „Will & Grace“ war selbst heterosexuell und einer der großen Unterstützer der LGBTIQ+-Community in der Traumfabrik. 

Das Wichtigste im Überblick

  • James Burrows ist im Alter von 85 Jahren gestorben.
  • Der Regisseur und Produzent gewann elf Emmy Awards und wurde 46 Mal nominiert.
  • Er war Mitbegründer von „Cheers“ und führte bei allen Folgen von „Will & Grace“ während der Originalserie Regie.
  • Burrows inszenierte die Pilotfolgen von „Friends“, „Frasier“, „Two and a Half Men“ und „The Big Bang Theory“.
  • Er gilt als großer Ally der queeren Community.
  • Seine Familie würdigte ihn als einflussreichen Fernsehmacher und außergewöhnlichen Mentor.

Bleibendes Vermächtnis 

„Wir feiern das außergewöhnliche Leben und das bleibende Vermächtnis von James ‚Jimmy‘ Burrows, der heute friedlich im Kreise seiner liebevollen Familie verstorben ist“, erklärte die Familie am Wochenende. „Mehr als fünf Jahrzehnte lang war Burrows einer der einflussreichsten und beliebtesten Regisseure der Fernsehgeschichte. Als legendärer Regisseur, Mentor und kreative Kraft prägte er Generationen der Fernsehkomödie und schenkte Zuschauern auf der ganzen Welt unermessliche Freude.“ Burrows führte im Verlauf seiner Karriere bei mehr als 1.000 Fernsehepisoden Regie und war an einigen der erfolgreichsten und ikonischsten Sitcoms der vergangenen Jahrzehnte beteiligt. Dazu zählen „The Mary Tyler Moore Show“, „Taxi“, „Cheers“, „Frasier“, „Friends“, „Will & Grace“ und „The Big Bang Theory“. Gleichzeitig betonten die Angehörigen seine menschlichen Qualitäten. „Doch über seine bemerkenswerten beruflichen Erfolge hinaus wird Burrows für etwas noch Größeres in Erinnerung bleiben: seine Freundlichkeit, Großzügigkeit und seinen unerschütterlichen Glauben an die Menschen um ihn herum.“

TV-Macher mit Leidenschaft

Burrows wurde 1940 in Los Angeles geboren. Sein Vater Abe Burrows war Autor und Komponist und unter anderem als Mitautor der Musicals „Guys and Dolls“ sowie „How to Succeed in Business Without Really Trying“ bekannt. Nach seiner Schulzeit in New York studierte Burrows am Oberlin College und absolvierte anschließend ein Aufbaustudium an der Yale School of Drama. Seine Fernsehkarriere begann Anfang der 1970er Jahre. Nachdem er Mary Tyler Moore um Arbeit gebeten hatte, engagierte ihn deren Produktionsfirma MTM Enterprises als Regisseur für Episoden von „The Mary Tyler Moore Show“ und „The Bob Newhart Show“. Es folgten Arbeiten für Serien wie „Phyllis“, „Rhoda“ und „Laverne & Shirley“.

Seinen Durchbruch feierte Burrows mit „Taxi“, für das er mehr als 70 Episoden inszenierte und seine ersten beiden Emmy Awards gewann. Gemeinsam mit den Produzenten Glen und Les Charles entwickelte er anschließend die Serie „Cheers“. Burrows führte bei fast allen der insgesamt 275 Episoden Regie. Für die Serie erhielt er sechs weitere Emmy-Auszeichnungen. Über den Erfolg der Serie sagte er 2022: „Es gab viele Serien über Bars. ‚Cheers‘ war letztlich erfolgreich, weil wir es besser gemacht haben als alle anderen.“ Neben „Cheers“ arbeitete Burrows an Serien wie „The Hogan Family“, „Dear John“ und „Night Court“. Als 1993 das Spin-off „Frasier“ startete, inszenierte er die Pilotfolge, die ihm einen weiteren Emmy einbrachte.

Alles ist Theater 

Wenig später übernahm er die Regie der Pilotfolge von „Friends“. In seinen Memoiren „Directed by James Burrows“ schrieb er: „Ich hatte ein gutes Gefühl bei ‚Friends‘ und wusste sofort zwei Dinge: Erstens hatte ich eigentlich keine Zeit dafür, und zweitens musste ich es unbedingt machen.“ Weiter schrieb er: „Ich habe mich sofort in diese sechs jungen Figuren verliebt. 95 Prozent des ursprünglichen Pilotdrehbuchs wurden tatsächlich ausgestrahlt.“ Berühmt wurde auch seine Einschätzung des späteren Erfolgs der Serie. In seinen Erinnerungen zitierte er sich mit den Worten: „Ich sagte ihnen: Das ist eure letzte Chance auf Anonymität. Wenn die Serie ausgestrahlt wird, werdet ihr nirgendwo mehr hingehen können, ohne erkannt zu werden. Keiner von ihnen glaubte mir.“

Burrows galt als Spezialist für Ensemble-Komödien. Gegenüber Indie Wire sagte er 2023: „Ich bin kein Filmregisseur. Die Kamera überlasse ich Spielberg und Scorsese. Ich bin ein Theatermensch. Jede Woche inszeniere ich ein 20- bis 25-minütiges Stück, und dann kommt die Kamera hinzu und zeichnet es auf.“ Zudem betont er: „Ich verstehe Figuren, ich verstehe Humor und weiß, wie man Tempo und Energie aufrechterhält. Alles ist Theater. Wenn es auf der Bühne nicht funktioniert, wird es auch im Film nicht funktionieren.“

Regisseur bei „Will & Grace“

Von 1998 bis 2006 führte Burrows bei jeder Folge von „Will & Grace“ Regie und war zudem Produzent der Serie. Insgesamt erhielt er dafür zwölf Emmy-Nominierungen und gewann einen Emmy. Rückblickend erinnerte er sich 2016 gegenüber The Hollywood Reporter: „Bei der Pilotfolge sagte ein NBC-Manager zu mir: ‚Zu viele Schwulenwitze.‘ Ich antwortete: ‚Wenn nicht hier, wo dann?‘“ Immer wieder machte sich Burrows verbal für die Community stark. 2006 wurde Burrows in die Television Hall of Fame aufgenommen. Später arbeitete er auch an den Neuauflagen von „Will & Grace“ und „Frasier“. Zudem inszenierte er die Pilotfolgen von „Two and a Half Men“ sowie „The Big Bang Theory“ und führte bei zahlreichen Episoden von „Mike & Molly“ Regie. Eine seiner letzten Regiearbeiten war jene zur schwulen „Golden-Girls“-Nachfolgeserie „Mid-Century Modern“ 2025

1.000 TV-Folgen in 40 Jahren 

2016 erreichte er mit seiner 1.000. Fernsehepisode einen besonderen Meilenstein. Insgesamt wurde Burrows 46 Mal für den Emmy nominiert und gewann die Auszeichnung elfmal. 2014 erhielt er den ersten Lifetime Achievement Award der Directors Guild of America für Fernsehregie. NBC widmete ihm 2016 eine große Fernseh-Hommage mit zahlreichen Weggefährten und Schauspielern aus seinen Erfolgsserien. Dort sagte Burrows: „Ich bin so froh, dass ihr das macht, solange ich noch da bin. Ich hätte es nur ungern verpasst.“ Mit Blick auf seine Karriere zog er Bilanz: „40 Jahre, 1.000 Serien, 5.000 Probentage, 10.000 Überarbeitungen, 500.000 Anmerkungen der Sender und eine Million Lacher – und ich hatte dabei so viel Spaß. Aber ich hätte das niemals allein schaffen können.“

Abschied von Eric McCormack

An die Zuschauer gerichtet sagte er: „Danke, dass ihr all diese Jahre mit den Figuren gelacht, sie ins Herz geschlossen und geliebt habt – und dass noch heute gelegentlich jemand eine Bar betritt und ‚NORM!‘ ruft.“ Seine Familie erklärte zum Abschied: „Vor allem aber war Burrows ein hingebungsvoller Ehemann, Vater und Großvater.“ Er hinterlässt seine Ehefrau Debbie, vier Töchter und sieben Enkelkinder. Zahlreiche Prominente nahmen von ihm Abschied, darunter auch "Will & Grace"-Hauptdarsteller Eric McCormack: „Wir haben heute einen Giganten verloren – einen Mentor für mich und einen engen Freund. James Burrows führte bei jeder einzelnen Folge von Will And Grace Regie … und eigentlich bei fast allem anderen auch. Fünf Jahrzehnte lang war er der unangefochtene Titan der Fernsehkomödie. Er wurde von allen geliebt und hat nicht nur Spuren hinterlassen, sondern ganze Fußabdrücke. Ein unglaubliches Vermächtnis. Jimmy, danke für alles, was du uns gegeben hast. Ich liebe dich.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Polen blockiert Homo-Ehe

Streit mit der EU wächst massiv

Polnische Gerichte streiten erneut über die Anerkennung gleichgeschlechtlicher EU-Ehen, während auch die Slowakei in einen Konflikt mit der EU gerät.
Weltmeister im Fokus

Spekulationen um Ibiza-Küsse

Neue Ibiza-Fotos von Ferran Torres und Marcos Llorente lösen Spekulationen aus – die beiden spanischen WM-Weltmeister flirten und küssen sich dabei.
Nackte setzen Zeichen

Regenbogen-Kunst für Vielfalt

Hunderte Menschen bildeten auf Gran Canaria nackt eine Progress-Pride-Flagge – als Kunstwerk für Vielfalt und Zeichen der Solidarität mit Berlin.
Boy George sorgt für Kritik

Umstrittener neuer Song

Boy George veröffentlichte ein pro-israelisches Lied über den Hamas-Angriff und löst damit jetzt heftige Kritik aus.
Mehr Hass im Stadion

Homophobie nimmt zu

Eine neue Statistik zeigt: Bei fast 15 Prozent der britischen Premier-League-Fußballspiele wurden in der Saison 2025/26 homophobe Vorfälle gemeldet.
CSD Nürnberg findet statt

Sicherheitskonzept erneut überprüft

Trotz der Amokfahrt in Berlin findet der CSD Nürnberg 2026 wie geplant statt – das Sicherheitskonzept wurde jetzt überprüft und nachgeschärft.
Umfragehoch für Buttigieg

Der Weg ins Weiße Haus?

Neue Umfragen sehen den schwulen Politiker Pete Buttigieg bei den möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten für 2028 vorn.
Online-Verbote in Österreich

Social-Media-Grenze für Jugendliche

Österreich plant ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige – Fachverbände warnen vor besonderen Risiken für queere Jugendliche.
Proteste in Hamburg

Trans* Block plant Die-In

Beim CSD Hamburg wollen trans* Menschen und Sexarbeiter mit einem Die-In auf Gefahren, politische Forderungen und Versorgungslücken hinweisen.