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Griechenland: Kampf gegen LGBTI*-Hass Nach dem Tod eines LGBTI*-Aktivisten formiert sich die Community immer stärker

Von ms - 31.01.2022 - 12:30 Uhr
Nach dem Tod eines LGBTI*-Aktivisten formiert sich die Community immer stärker
Foto: Zak Kostopoulos © Privat (Morikis Grigoris)
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Die griechische Gesellschaft ist in diesen Tagen einmal mehr in Aufruhr - insbesondere auch die LGBTI*-Community. Noch immer hallt der grausame und brutale Tod des LGBTI*-Aktivisten Zak Kostopoulos nach und bekommt jetzt durch eine Oper neue Schlagkraft. Erstmals in der Geschichte des modernen queeren Griechenlands will die Community nicht mehr still und leise sein, sondern sie setzt sich laut und unüberhörbar für mehr Gleichberechtigung ein. Ein Fakt, der gerade konservative Hardliner mit Angst erfüllt und zu Gegenreaktionen führt.

Ausgangspunkt ist das brutale Verbrechen gegen den 33-jährigen Zak Kostopoulos im September 2018: Der junge Mann, Künstler, HIV-Aktivist und als Drag-Queen „Zackie Oh“ bekannt, wurde tagsüber auf der Straße mitten in Athen brutal zusammengeschlagen. Als die Polizei eintraf, verhafteten sie den jungen Griechen und schlugen ebenso auf ihn ein, als dieser bereits am Boden lag. Der junge Mann erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Seitdem diskutiert die Community über Homophobie und Polizeigewalt, immer wieder ist Zaks Bild als Street-Art an Wänden in Athen zu sehen und auf Pride-Paraden ist er bildlich omnipräsent. Die LGBTI*-Community ist wütend, aufgebracht und will nicht mehr still sein – das zeigt jetzt erneut eine Oper.

Der queere Cyperpunk-Opern-Film „ORFEAS2021“ spielt in einer futuristischen  Science-Fiction-Welt, dessen ursprüngliche Handlung um die griechische Tragödie Orpheus, der den Tod seiner Frau nicht verkraftet und deswegen in die Unterwelt hinabsteigt, um sie zu retten, nun einen sehr queeren und schwulen Anstrich bekommen hat. Im Film werden die griechische Gesellschaft und ihre Moralvorstellungen als veraltet und „reif fürs Museum“ dargestellt, während eine schwule Liebe im Zentrum der Geschichte steht. Seit dem brutalen Tod von Zak Kostopoulos wurde die Oper um neue Aspekte erweitert, die gezielt auf den LGBTI*-Aktivisten verweisen. Das Remake lief beim Internationalen Filmfestival in Thessaloniki, im griechischen Filmarchiv in Athen und wird im April auch beim griechischen Filmfestival „Hellas Filmbox“ in Berlin zu sehen sein.

Der Film heizt die Debatte um Homophobie und Polizeigewalt in Griechenland weiter an und empörte bereits schon vor Ausstrahlung die griechischen Konservativen. Man würde eine Grenze überschreiten, wenn man eine queere Oper inszenieren würde, lautete die Kritik an das Performance-Duo FYTA, welches den Film schlussendlich gerade deswegen produzierte. Um dieser Kritik den Mittelfinger zu zeigen und noch mehr zu provozieren, verlegte das Künstler-Duo den Schauplatz in den Berliner Sex-Club “Lab.Oratory" im Keller des berühmten Berghain. Die beiden Künstler Fil Ieropoulos und Foivos Dousos dazu: „Wir wissen, dass es in Griechenland viel Homophobie gibt, wir als Schwule kennen das. Das Interessante an dieser aktuellen Hasswelle ist, dass wir früher unsere Aufführungen machen konnten und der rechte Flügel sich nicht darum gekümmert hat." Das hat sich inzwischen geändert, wie das Duo gegenüber der Deutschen Welle weiter ausführt. Die Stimmen von queeren Menschen werden lauter, die Reaktionen stärker und es scheint so, dass die griechische LGBTI*-Community nicht mehr still und leise hinnehmen will, wie schlecht sie behandelt wird.

Die gesellschaftliche Situation für LGBTI*-Menschen in Griechenland ist schwierig. Es gibt zwar ein Antidiskriminierungsgesetz sowie die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft, beides musste aber von der Europäischen Union beziehungsweise dem Europäischen Gerichtshof erzwungen werden. Die Adoption ist queeren Menschen nicht erlaubt. Je stärker vor allem auf dem Land die christlich-orthodoxe Ausprägung vorhanden ist, desto stärker wird Homosexualität massiv abgelehnt. So flüchten LGBTI*-Menschen zumeist in größere Städte wie beispielsweise Athen oder Thessaloniki. Sicher zu leben, ist aber auch dort nicht immer möglich, wie die Ermordung von Zak Kostopoulos leider belegt.

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