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Greg Abbott bekommt Gegenwind „Es ist im Moment eine sehr beängstigende Zeit hier - Kinder werden deswegen in Texas sterben."

Von ms - 12.04.2022 - 15:00 Uhr
Nach Trans-Jagd in Texas kündigen Mitarbeiter // IMAGO / ZUMA Wire
Foto: Nach Trans-Jagd in Texas kündigen Mitarbeiter // IMAGO / ZUMA Wire
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Es ist ein bisher einmaliger Vorgang – Mitarbeiter des Familienschutzministeriums (DFPS) in Texas haben ihre Stelle gekündigt, da sie im Auftrag des Gouverneurs Greg Abbott nicht weiter Jagd auf trans-Jugendliche und ihre Eltern machen wollen. Abbott hatte Ende Februar die Behörde aufgefordert, gegen Eltern von trans-Teenagern vorzugehen, die ihren Kindern eine geschlechtsangleichende Behandlung zukommen hatten lassen. Für den texanischen Gouverneur ist dies gleichbedeutend mit Kindesmissbrauch.

Fast drei Wochen lang ermittelte das Ministerium gegen mehrere Familien in Texas, bevor eine Richterin im Eilverfahren die Ermittlungen vorerst stoppte. Aktuell wird der Fall juristisch geprüft, im Juli soll ein endgültiger Beschluss fallen, ob die Hetzjagd wieder aufgenommen werden darf oder nicht. Zuvor hatten bereits mehrere Eltern mitsamt ihren trans-Jugendlichen den Bundesstaat verlassen, aus Angst künftig als Kinderschänder verurteilt zu werden.

Nun zeigen auch rund ein Dutzend der Sozialarbeiter des Familienschutzministeriums Rückgrat und Courage und kündigten ihren Job. Explizit gaben die Mitarbeiter gegenüber der Texas Tribune an, dies aus Protest gegenüber den verordneten Maßnahmen des Gouverneurs zu tun. Einer dieser Mitarbeiter ist selbst ein trans-Mann und arbeitet in Travis County. Zunächst war Morgan Davis noch der Auffassung, dass, wenn es einer tun sollte, es dann gut sei, dass wenigstens eine andere trans-Person mit den Ermittlungen beauftragt wurde. Nach einem ersten Gespräch mit einer betroffenen Familie und deren Anwältin wurde ihm sein Trugschluss allerdings klar: „Die Anwältin sagte zu mir: 'Ich weiß, dass Ihre Absichten gut sind. Aber wenn Sie als Repräsentant des Staates durch diese Tür gehen, sagen Sie in gewisser Weise, dass Sie dies dulden und dass Sie damit einverstanden sind.´ Das hat mich wie ein Blitz getroffen, denn es ist wahr! Durch meine Anwesenheit, und sei es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, könnte das trans-Kind der Familie denken, dass es etwas Falsches getan hat." Daraufhin reichte er seine Kündigung ein.

Auch andere Mitarbeiter hatten sich gegen die Forderung des Gouverneurs gestellt, beispielsweise in dem sie schriftlich dagegen protestierten und T-Shirts mit pro-trans-Sprüchen trugen. Auch Randa Mulanax, DFPS-Aufsichtsperson in Travis County, tat sich mit der Anordnung schwer – und auch mit ihrer Kündigung, denn sie wusste, dass die offenen Fälle abermals von einem Tisch zum nächsten wandern und immer öfter dabei ignoriert werden würden. Am Ende stellte sich kurz vor ihrer Kündigung für sie trotzdem nur noch eine Frage: „Gebe ich für diese Anordnung meine Ethik und meine Moral auf?“ - Randa Mulanax beantwortete diese Frage für sich mit Nein.

Die Situation im Ministerium scheint sich dabei von Tag zu Tag weiter zuzuspitzen, wie ein weiterer leitender Mitarbeiter der DFPS der Texas Tribune erzählte: "Es ist im Moment eine sehr beängstigende Zeit hier. Man weiß nie, was am nächsten Tag auf einen zukommt, ob jemand anderes geht und man wieder 20 Fälle neu zuweisen muss, oder ob man für eine andere Einheit einspringen muss, weil ihr Vorgesetzter gegangen ist.“ Durch die Anordnung des Gouverneurs türmen sich neue Aufträge in der Behörde, die eigentlich tatsächlich wichtigen Fälle, in denen Kinder beispielsweise von Missbrauch in der eigenen Familie bedroht sind, bleiben damit viel zu lange unbearbeitet, so der Angestellte weiter: „Wir werden Ermittlungen sehen, die eingestellt werden, wo ein Eingreifen hätte dringend erfolgen müssen. Und Kinder werden deswegen in Texas sterben." So bewirkt die Anordnung des Gouverneurs, ausgesprochen als angeblicher Schutz von minderjährigen Kindern, genau das Gegenteil.

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