Gewalt in Baden-Württemberg Anstieg von Hasskriminalität gegen Homosexuelle
Die Zahl politisch motivierter Gewalttaten ist in Baden-Württemberg im Jahr 2025 deutlich angestiegen, insbesondere auch gegen Schwule und Lesben. Nach Angaben des Innenministeriums wurden insgesamt 298 entsprechende Delikte erfasst. Das entspricht einem Zuwachs von 41,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Massiver Anstieg von Gewalttaten
Besonders stark fiel der Anstieg bei rechts motivierten Gewaltdelikten aus. Hier registrierten die Behörden 104 Fälle – ein Plus von 85,7 Prozent. In vielen Fällen handelte es sich um Körperverletzungen im Kontext von Hasskriminalität, häufig mit rassistischen oder fremdenfeindlichen Hintergründen. Auch in anderen Bereichen, etwa bei Taten mit Bezug zu ausländischen Ideologien oder im linken Spektrum, wurden mehr Gewaltdelikte gezählt, vielfach im Umfeld von Demonstrationen, darunter auch Pride-Events.
Neben den Gewaltdelikten nahm auch die Gesamtzahl politisch motivierter Straftaten zu. Sie stieg um 4,2 Prozent auf 6.801 Fälle. Das Spektrum reicht laut Ministerium von Sachbeschädigungen wie zerstörten Wahlplakaten bis hin zu schweren Gewalttaten. Auch Beleidigungen, Bedrohungen und terroristische Anschläge werden in dieser Kategorie erfasst. Innenminister Thomas Strobl (CDU) gegenüber der dpa: „Das gesellschaftliche Klima wird rauer. Jeder Akt der Gewalt ist ein Angriff auf unsere freiheitliche demokratische Grundordnung.“ Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg war die Bundestagswahl im Februar 2025. In diesem Zusammenhang registrierte das Innenministerium 1.550 Straftaten.
"Alarmsignal" linksmotivierter Gewalt
Im Bereich rechts motivierter Kriminalität wurden weiterhin die meisten Fälle gezählt: 2.706 Delikte, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Deutlich stärker fiel die Entwicklung im linken Spektrum aus. Hier stiegen die Zahlen von 530 auf 905 Fälle. Dabei handelte es sich überwiegend um Sachbeschädigungen sowie Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. „Der Anstieg linksmotivierter Straftaten ist ein Alarmzeichen, das wir sehr ernst nehmen. Wir sehen: Die Taten werden professioneller und brutaler“, so Strobl.
Hassgewalt gegen Homosexuelle
Auch die Hasskriminalität bewegte sich auf hohem Niveau und nahm weiter zu. Insgesamt wurden 1.717 Fälle registriert. Mehr als die Hälfte davon war rechts motiviert. Schwerpunkte lagen unter anderem bei antisemitischen und rassistischen Straftaten. Die Zahl der Gewaltdelikte in diesem Bereich stieg nahezu auf das Doppelte – von 78 auf 134 Fälle. Das Bundesland fasst unter dem Passus Straftaten zusammen, die sich gegen bestimmte Gruppen aufgrund ihrer Herkunft, sexuellen Orientierung oder Religion richten. Zu den Betroffenen zählten neben Juden und Muslime demnach vor allem auch Schwule und Lesben. „Gerade in den sozialen Medien verbreiten sich Hass und Hetze, Anfeindungen, Fake News und Desinformationen wie ein Lauffeuer. Das ist brandgefährlich“, so Strobl abschließend.