Direkt zum Inhalt

Falsche Drogenpolitik? Drug-Checking in Berlin, härtere Strafen in den USA

Von ms - 14.02.2023 - 12:00 Uhr
Falsche Drogenpolitik?
Foto: iStock / stockforliving
ANZEIGE
Loading audio player...

US-Präsident Joe Biden hat härtere Strafen für den illegalen Fentanyl-Handel angekündigt – viele LGBTI*-Verbände und Beratungsstellen sehen das skeptisch, nicht nur in den USA selbst, sondern auch in Deutschland. Die mehrfach geäußerte Furcht dahinter: Die Abkehr von den sogenannten “Harm-Reduction-Maßnahmen“ hin zu einer stärkeren Kriminalisierung führe nicht zu einer Reduzierung von Überdosierungen und Todesfällen, sondern befeuere die problematische Situation zusätzlich.

Drug Checking in Berlin

Die Entwicklungen könnten dabei kaum unterschiedlicher sein: Während in Berlin im März die ersten Stellen als deutschlandweites Pilotprojekt entstehen, in denen Konsumenten ihre Drogen vorher auf Inhaltsstoffe testen lassen können (Drug Checking), will die USA offenbar die Nutzung und Verbreitung von Drogen stärker strafrechtlich verfolgen.

In Berlin wurde bereits seit 2018 mit dem Projekt geliebäugelt, nach erstem Zögern unterstützten schließlich alle Parteien außer die CDU und die AfD das Vorhaben. Mit jährlich rund 200.000 Euro soll das Projekt Drug Checking von der Stadt Berlin finanziert werden. Auch in der Berliner LGBTI*-Community wird ein Schwerpunkt gesetzt, unterstützt von der Schwulenberatung Berlin. Ähnliche Projekte laufen bereits in Wien und Zürich. Die Deutsche Aidshilfe unterstützt das Projekt ebenso und sieht sehr kritisch auf die jüngsten Entwicklungen in den USA.

Fentanyl in der LGBTI*-Community

Biden spricht von einer Überdosis-Krise im Land, schätzungsweise rund 107.000 Menschen sind in den USA zuletzt binnen eines Jahres (2021) an einer Überdosis verstorben. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im Jahr 2021 insgesamt 1.826 Personen. Bidens Ziel ist es, Lieferwege zu unterbrechen und den Handel deutlich stärker zu bestrafen. Im Mittelpunkt steht derzeit Fentanyl, ein synthetisches Opioid, das rund 80-mal stärker wirkt als Morphin.

Auch in Deutschland und in der LGBTI*-Community ist Fentanyl ein großes Problem, weswegen zuletzt im Dezember 2022 die Bundesregierung sowie auch die Aidshilfe (DAH) eindringlich davor gewarnt hatten. In der queeren Party-Community findet das Opioid immer mehr Abnehmer, gerade hier wäre Drug Checking ein Lebensretter, so Maria Kuban von der DAH: „Straßenheroin ist normalerweise gestreckt und die Konsumenten haben Erfahrungswerte, wie stark die Drogen wirken. Wenn sie aber nicht wissen, dass hochwirksames Fentanyl beigemischt ist, kann der Konsum lebensgefährlich sein. Schon eine winzige Menge, etwa so viel wie ein paar Salzkörnchen, kann eine tödliche Überdosierung auslösen!“

Enttäuschung und Jubel für Bidens Politik

Während Biden einerseits für seine neue Drogenpolitik gefeiert wird, gibt es andererseits allerdings durchaus auch Kritik, die ähnlich wie Stimmen aus Deutschland anführen, dass eine weitere Kriminalisierung nicht zu weniger Fällen von Überdosierungen und Todesfällen führen werde. Zudem würden sowieso bereits schon anderweitig marginalisierte Konsumenten so noch mehr ins Abseits geschoben. "Die Kriminalisierung des Drogenhandels ist das Gegenteil von Schadensminimierung. Es ist enttäuschend, weil Präsident Biden letztes Jahr in seiner Rede zur Lage der Nation den Begriff Schadensminimierung verwendet hat“, so Mary Sylla, Direktorin der National Harm Reduction Coalition für Politik und Strategie, die jetzt eine inhaltliche Umkehr des Präsidenten befürchtet.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffentazSchwuler Lehrer über Outing: „Als ob eine Bombe platzt“tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.
Coming-Out im Fußball

Schiedsrichter erzählt Details

Schiedsrichter Ryan Atkin spricht öffentlich über sein Schwulsein – und erhält dafür die Unterstützung des englischen Fußballverbands.
James Baldwin im Kino

Neuer Film über schwulen Autor

Barack und Michelle Obamas Produktionsfirma bringt „Baldwin: A Love Story“ über James Baldwins Leben, Lieben und Werk ins Kino.
Schwule Liebe gewinnt Gold

Fernfahrer-Drama holt Filmpreis

Das schwule Liebesdrama „Flesh & Fuel“ gewinnt beim Zurich Film Festival das Goldene Auge und erhält rund 26.700 Euro Preisgeld.
Blackfacing sorgt für Empörung

LGBTIQ+-Bar zieht Konsequenzen

Ein Blackface-Auftritt in einer LGBTIQ+-Bar in Pittsburgh sorgt landesweit für Empörung und entfacht eine Debatte über Rassismus in der Drag-Szene.
Eklat in Oregon

Streit um LGBTIQ+-Vorgabe

Oregon gewährt einer christlichen Adoptionsbewerberin eine Ausnahme von einer Vorgabe zur Unterstützung der LGBTIQ+-Identität von Kindern.
Fauci für HIV-Arbeit geehrt

Auszeichnung für Anthony Fauci

Anthony Fauci wird für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen HIV/Aids und seine Zusammenarbeit mit der LGBTIQ+-Community ausgezeichnet.
Meta sperrt Mister Gay Europe

Pereira kämpft um seine Konten

Meta sperrte sämtliche Konten von Mister Gay Europe Michael Pereira. Trotz Bezahlabo erfährt der Schweizer nicht, warum.