Erneut Dating-App-Problem Italien: Student Opfer von sexueller Erpressung
Ein 22-jähriger Student aus Ancona ist Opfer eines sexuellen Erpressungsversuchs geworden. Ein Unbekannter drohte ihm nach einem Kontakt auf einer queeren Dating-App mit der Veröffentlichung intimer Fotos, sollte er nicht 200 Euro überweisen.
Sextortion auf Dating-Apps nimmt zu
Der Vorfall ereignete sich, nachdem der Student dem Täter in der App Vertrauen schenkte und damit begann, private Fotos auszutauschen. Einige der Aufnahmen waren nur temporär einzusehen. Dennoch gelang es dem mutmaßlichen Erpresser, die Bilder zu speichern und ihr Opfer unter Druck zu setzen. Laut Schilderung des Betroffenen forderte der Erpresser per Nachricht: „Du schickst mir jetzt 200 Euro oder ich verbreite die Fotos.“ Der Student brach den Kontakt ab, sammelte Beweise und erstattete umgehend Anzeige bei den Carabinieri.
Ermittlungen konzentrieren sich auf digitale Spuren
Die Strafverfolgungsbehörden untersuchen nun die gespeicherten Chats und das genutzte Endgerät, um den mutmaßlichen Täter zu identifizieren. Unterstützung könnten dabei digitale Auswertungen und eine Kooperation mit der Betreiberfirma der Dating-App bieten. IT-Forensikerinnen und IT-Forensiker stehen aktuell vor der Herausforderung, tatsächliche Spuren im Netz sichern zu können, denn Täter geben sich oft als andere Personen aus und legen wert auf Anonymisierung. Cyberstraftaten gegen queere Menschen werden nach Angaben mehrerer Organisationen in Italien und Deutschland häufiger, wobei Erpressung auf Dating-Portalen eine besondere Rolle spielt.
Stimmen: Experten warnen vor wachsender Gefahr
Fachleute stellen fest, dass Sextortion auf einschlägigen Plattformen eine wachsende Bedrohung geworden ist. Ein IT-Sicherheitsexperte betont, Opfer sollen „auf keinen Fall bezahlen oder den Kontakt aufrechterhalten, sondern Beweise sichern und umgehend Anzeige erstatten“. Auch die Polizei warnt öffentlich vor den Risiken beim Austausch sensibler Daten und Bildern im Netz.
Persönliche Risiken und gesellschaftliche Folgen
Betroffen sind zunehmend junge queere Menschen, die Online-Dating nutzen. Häufig fühlen sich die Opfer nicht nur finanziell, sondern auch psychisch und sozial bedroht. Fälle wie in Ancona sind kein Einzelfall – zu ähnlichen Vorfällen kam es zuletzt in Bergamo und Scandicci, wo Täter organisierte Sextortion-Banden bildeten und systematisch insbesondere Homosexuelle erpressten. In Deutschland stieg die Zahl der polizeilich erfassten Fälle von Online-Erpressung im queeren Kontext im Jahr 2024 laut Bundeskartellamt weiter an.
Die Ermittlungen laufen, eine psychologische Betreuung für Betroffene wird empfohlen. Beratungsstellen für queere Menschen in Italien und Deutschland raten zur Vorsicht beim Austausch persönlicher Inhalte in Apps. Viele fordern verbesserte Sicherheitsvorkehrungen der Plattformbetreiber sowie zielgerichtete Präventionsangebote. Ob und wie Verantwortliche vermehrt zur Rechenschaft gezogen werden, bleibt eine zentrale Frage für die nächsten Monate.