Direkt zum Inhalt

Der Druck wächst Wann erkennt Bulgarien homosexuelle Paare an?

Von ms - 12.09.2023 - 11:00 Uhr
Der Druck wächst
Foto: iStock / Mixmike
ANZEIGE
Loading audio player...

Der Streitfall um die Anerkennung von homosexuellen Paaren in Bulgarien tobt bereits seit vielen Jahren – jetzt startete eine neue Petition, die den Druck auf die Regierung weiter erhöhen soll. Erst wenige Tage zuvor hatte bereits der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg einstimmig klargestellt, dass die Nichtanerkennung klar gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt und schnellstmöglich geändert werden sollte.  

Der Druck wächst immer weiter

Geklagt hatte ein lesbisches Paar, dem der Gerichtshof nun in allen Punkten Recht gab und Bulgarien dazu verpflichtet, einen Rechtsrahmen für die Anerkennung von homosexuellen Paaren zu schaffen. Das lesbische Ehepaar hatte 2016 in Großbritannien geheiratet, in ihrer Heimat Bulgarien wurde die Ehe dabei nicht anerkannt. Dem Vorwurf der Diskriminierung schlossen sich die Richter einstimmig an.

Zwar ist Bulgarien nicht gezwungen, Homosexuelle künftig als Eheleute offiziell zu registrieren, aber ihre Rechte müssen denen von heterosexuellen Paaren in wesentlichen Aspekten jetzt gleichgesetzt werden. „Die Entscheidung ist von zentraler und grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der bulgarischen Gesetzgebung im Bereich der Gleichberechtigung und der LGBT-Rechte. Viele Paare in Bulgarien befinden sich in einem rechtlichen Vakuum, weil sie auf der einen Seite der Grenze Ehemann und Ehefrau sind und auf der anderen Seite – auf dem Gebiet der Republik Bulgarien – keine rechtliche Beziehung haben“, so Anwältin Denitsa Ljubenova.

Zaghafte Veränderungen im Land

Und nun? Bulgarien ist ein Meister darin, gerade im Bereich Homosexuellenrechte Gesetzesvorhaben gerne aussitzen zu wollen. Immer wieder kam es – von der Regierung zumindest geduldet, wenn nicht sogar inoffiziell gefördert – zu Angriffen auf die LGBTI*-Community; immer wieder werden Homosexuelle als Pädophile verunglimpft, LGBTI*-Festivals gestürmt oder auch Pride-Paraden attackiert. Auf der anderen Seite wurde kürzlich nach rund 20 Jahren ein Diskriminierungsschutz-Paragraf erweitert, der künftig vor Hassverbrechen auch aufgrund der sexuellen Orientierung schützen soll.

Neue Petition gibt Homosexuellen im Land eine Stimme

Um den Druck auf die Regierung weiter zu erhöhen, damit diese nun endlich wie angeordnet gleichgeschlechtliche Paare anerkennt, formierte sich über die LGBTI*-Organisation Deystvie eine internationale Petition, die festhält: „Bulgarien hat eine schlechte Erfolgsbilanz bei der Umsetzung dieser Entscheidungen. Also, machen wir weiter Druck! Die Petition und jede Unterschrift darauf soll Bulgariens Regierung dazu auffordern, ihren Verpflichtungen nachzukommen und LGB-Familien anzuerkennen und zu schützen!“, so Kampagnenmanagerin Stana Iliev von der Partner-LGBTI*-Organisation All Out. Mehrere tausend Menschen haben die Petition bereits in den ersten Stunden unterschrieben.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER SPIEGEL»Selling Sunset«-Star: Chrishell Stause gibt Trennung von G Flip bekanntBerliner MorgenpostBerliner Theater senden Zeichen an LGBTQ-Community: „Ihr gehört dazu“WDRFast ausgestorben: Schwule Pinguine werden ElternDER STANDARDVerhetzungsprozess um "Dachau" und "Mauthausen" gegen lautstarken UneinsichtigenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

„Maxxing“ ist Wort des Jahres

Selbstoptimierung als Internettrend

Von Fitness bis Schönheit: „Maxxing“ prägt die Sprache sozialer Medien. Dictionary.com kürt den Begriff zum Wort des Jahres 2026.
US-Lesbenbar vor dem Aus

Maskenpflicht polarisiert Community

Die lesbische Bar The Last Ditch in Massachusetts stellt ihren regulären Betrieb ein. Zuvor hatten gelockerte Corona-Regeln für viel Kritik gesorgt.
Empörung über Nicki Minaj

Rapperin gegen trans* Jugendliche

Bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Donald Trump kritisierte Nicki Minaj erneut geschlechtsangleichende Behandlungen für trans* Minderjährige.
Italiens Sexualkunde

Verbotsgesetz wird überprüft

Italiens Kassationsgericht macht den Weg frei für eine Volksabstimmung über ein Gesetz, das Sexualbildung inklusive LGBTIQ+ an Schulen einschränkt.
Auszeichnung für Tugay Saraç

Ehrung für mutige Aufklärungsarbeit

Der schwule 29-jährige Tugay Saraç wird für seine Präventionsarbeit an Schulen und seinen Einsatz für LGBTIQ+-Muslime mit 10.000 Euro ausgezeichnet.
ESC 2027 ohne Niederlande

Rundfunk zieht Teilnahme zurück

Die Niederlande verzichten trotz vorheriger Zusage doch auf den ESC 2027. Hintergrund sind anhaltende Konflikte über Israels Teilnahme.
Trauer um André Höhl

Fernsehballett-Star ist tot

Der langjährige schwule Tänzer des Deutschen Fernsehballetts André Höhl ist tot. Viele gemeinsame Auftritte verbinden ihn mit bekannten Musikstars.
Regenbogenbänke in ganz Berlin

Zeichen gegen Queerfeindlichkeit

Nach wiederholten Beschädigungen der Gedenkbank im Tiergarten wollen Berliner Kulturinstitutionen mit Regenbogenbänken Solidarität zeigen.
Viel Stoff, bequemer Halt

Schwule Jungs, lockere Hosen

Zum Tag der Boxershorts wird es luftig: Warum schwule Männer auf lockeren und besonders elastischen Stoff stehen und weshalb das mehr Erotik bedeutet.