Direkt zum Inhalt

Wien gedenkt Mordopfer LGBTIQ+-Community trauert und setzt Zeichen gegen Hass

Von ms - 14.08.2026 - 08:30 Uhr
Wien gedenkt Mordopfer
Foto: iStock / Rafa Jodar
ANZEIGE
Loading audio player...

Nach dem mutmaßlich schwulenfeindlichen Mord an dem 29-jährigen Wiener Akhil will die LGBTIQ+-Community in Wien ein gemeinsames Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen. Für heute ist von 19:00 bis 21:30 Uhr eine Mahnwache am Platz der Menschenrechte beim Museumsquartier geplant.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die LGBTIQ+-Community in Wien will heute gemeinsam mit einer Mahnwache trauern und ein Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen.
  • Anlass ist der Tod des 29-jährigen Wieners Akhil, der in der vergangenen Woche in Niederösterreich Opfer eines schweren Gewaltverbrechens wurde.
  • Ein 19-jähriger Kampfsportler soll den jungen Mann getötet haben. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen steht Schwulenhass als Motiv im Raum.
  • Bei der Veranstaltung soll außerdem der im Juni getöteten 70-jährigen trans* Frau Etchika P. und weiterer Opfer aus der Community gedacht werden.
  • Die homophobe Hasskriminalität ist allgegenwärtig in Österreich mit hochgerechneten 3.000 Attacken auf Schwule und Lesben jährlich.

Mord aus Schwulenhass

Im Zentrum des Gedenkens steht Akhil. Der junge Wiener war in der vergangenen Woche im niederösterreichischen Langenzersdorf Opfer eines schweren Gewaltverbrechens geworden. Ein 19-jähriger Kampfsportler soll ihn mit der Dating-Masche in eine Falle gelockt und anschließend getötet haben. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen steht Schwulenhass als Motiv im Raum. Der Verdächtige soll der sogenannten „Pädo-Hunter“-Szene angehören und den Schwulen deswegen aus purem Hass totgeschlagen haben. Der 29-Jährige war homosexuell, nicht pädophil. Die Veranstaltung soll zugleich an weitere Opfer homophober und queerfeindlicher Gewalt erinnern. Dazu gehört auch die im Juni getötete 70-jährige trans* Frau Etchika Pollex. Auch weiterer Opfer aus der Community soll gedacht werden.

Zeichen gegen Gewalt

Die Veranstalter wollen mit der Zusammenkunft einen Raum schaffen, in dem Trauer und Solidarität öffentlich sichtbar werden. „Jedes Opfer ist eines zu viel. Wir kommen zusammen, um sichtbar zu sein – für Akhil, für die Liebe und für ein Leben ohne Hass“, erklären die Initiatoren. Die Veranstalter verweisen überdies auf die jüngsten Gewalttaten gegen queere sowie homo- und bisexuelle Menschen und darauf, dass Homo-, Trans*- und Queerfeindlichkeit weiterhin Realität seien. Aus ihrer Sicht soll die Mahnwache deshalb über das konkrete Gedenken hinausgehen. Sie richtet sich auch als gesellschaftliches Zeichen gegen Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die getöteten Menschen und ihre Angehörigen. Die Veranstaltung soll auch Menschen einbeziehen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität Diskriminierung oder Gewalt erfahren haben.

Hasskriminalität allgegenwärtig 

Die Zahl der registrierten Hassverbrechen in Österreich ist seit Jahren hoch, insgesamt wurden über 7.300 Fälle im Jahr 2025 erfasst. Zuletzt stiegen die Attacken auf Homosexuelle an, während die gegen trans* und nicht-binäre Menschen rückläufig waren. Nach Angaben des Innenministeriums registrierte die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 330 Hassdelikte, 297 davon richteten sich gegen die sexuelle Orientierung der Betroffenen, ein Plus von rund neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zudem: Laut der EU-Grundwerteagentur werden nur zehn Prozent der Attacken angezeigt und damit publik. Realistisch gesehen kann also von bis zu 3.000 Fällen von Hass-Angriffen auf Schwule und Lesben ausgegangen werden, das wären mehr als acht Fälle täglich. Körperverletzungen zählten 2025 zu den häufigsten Delikten. Mehr als die Hälfte aller homophoben Straftaten ereignete sich im öffentlichen oder halböffentlichen Raum. Nach Angaben des Innenministeriums besaßen 64 Prozent der Tatverdächtigen die österreichische Staatsbürgerschaft, rund 90 Prozent waren Männer, jeder Dritte jünger als 21 Jahre. Die Grünen in Österreich kritisierten zuletzt mehrfach, dass der Nationale Aktionsplan bis heute nicht aus der Planungsphase herausgekommen ist. 

Anzeige

Auch Interessant

LGBTIQ+-Flüchtlinge in Not

Gewaltvorwürfe erschüttern Ceuta

Mindestens 126 LGBTIQ+-Flüchtlinge sind in Ceuta auf Hilfe angewiesen. Berichte über Gewalt, Drohungen und Obdachlosigkeit sorgen für große Besorgnis.
LGBTIQ+-Awards in London

Zwölf Stars ausgezeichnet

Donatella Versace, die Pet Shop Boys und Orville Peck gehören zu den zwölf Preisträgern der großen LGBTIQ+-Award-Gala in London.
CDU unter Druck

Linke queer fordert Konsequenzen

Nach der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt fordert Die Linke queer Konsequenzen von der LSU.
ESC 2027 ohne Tschechien

Finanzkrise beim Fernsehen

Tschechien verzichtet aus finanziellen Gründen auf den ESC 2027. Hinter der Absage stehen Sparzwänge und eine geplante Rundfunkreform.
Weltpremiere von „Artificial“

Guadagnino nimmt OpenAI ins Visier

Luca Guadagninos „Artificial“ erzählt vom Machtkampf bei OpenAI. Andrew Garfields Darstellung des schwulen Sam Altman sorgt für großes Kritikerlob.
Böse schwule Geister

Spukgeschichten vor Gericht

Ein Mann in Namibia machte „schwule Geister“ für eine tödliche Messerattacke verantwortlich. Das Gericht glaubte der Aussage nicht.
AfD will Jugendhilfe umbauen

Queere Jugendliche im Fokus

Die AfD will das Jugendhilferecht ändern und die Berücksichtigung von Geschlechtsidentitäten jenseits von Mann und Frau zurückdrängen.
Ende von Bowens Karriere?

Wrestling-Pionier vor Abschied

Anthony Bowens schrieb als schwuler AEW-Champion Wrestling-Geschichte. Nach sechs Jahren ist sein Vertrag nun ausgelaufen. Das Ende der Karriere?
Kampf gegen das Vergessen

LGBTIQ+-Geschichte unter Druck

Stonewall-Museumschef Robert Kesten warnt vor Angriffen auf LGBTIQ+-Geschichte und setzt auf Bildung, Archive und einen stärkeren Dialog mit Medien.