Besonderes Jubiläum 35 Jahre im Einsatz für Menschen mit HIV in Sachsen-Anhalt
Der Verein Aidshilfe Sachsen-Anhalt Nord feiert heute ein besonderes Jubiläum: 35 Jahre Aidshilfe. Das Team erlebte in all den Jahren Höhen und Tiefen, diverse Umzüge, manche Rückschläge und viele Erfolge und ist heute breiter aufgestellt als je zuvor.
Kampfesmut und Zukunftsängste
Im Jahr 1991 wurde der Verein gegründet – gleich zu Beginn stand die Mammutaufgabe der Sanierung der Beratungs- und Geschäftsstelle in der Otto-von-Guericke-Straße in Magdeburg an. Parallel dazu begann der Aufbau der Präventionsarbeit und die erste AIDS-Aktionswoche in der Stadt. Zukunftsängste und Fragen um die Weiterfinanzierung sollten den Verein dabei immer wieder beschäftigen, mehr als einmal drohte das Ende, da Politiker den „Geldhahn zudrehen“ wollten.
Das Team wusste sich glücklicherweise immer wieder kreativ zu helfen, beispielsweise 1995 mit einer besonderen Protestaktion, bei der ein Sarg vor der Staatskanzlei aufgebaut wurde, eingerahmt von 250 Kerzen, die die damalige Mittelkürzung von 25 Prozent symbolisieren sollten. „Die Aktion war ein Erfolg und die Kürzung war vom Tisch“, erinnern sich Mitglieder des Vereins.
Politische Angriffe
Politisch gab es trotzdem immer wieder Kämpfe und Angriffe zu bestehen, so unter anderem 1998, als der damalige Magdeburger Oberbürgermeister Willi Polte gegen Homosexuelle wetterte und Debatten über Schwulenbeauftragte und das Homoreferat als sinnlos bezeichnete. Später ruderte Polte nach massiven Druck von Verbänden, Fraueninitiative und SPD zurück. Er verwehre sich gegen den Vorwurf der Ausgrenzung von Lesben und Schwulen, allerdings müsste das politische Augenmerk darauf zielen, alle demokratischen Kräfte zu bündeln, um das Hauptproblem der Arbeitslosigkeit mit all seinen Auswirkungen zu bekämpfen, so Polte damals, der überdies betonte, man könne sich ja später wieder stärker anderen Themen widmen. „Wir hatten es zu dieser Zeit nicht leicht. An der Spitze einen homophoben Oberbürgermeister und eine große Mehrheit im Stadtrat, die HIV-Prävention nicht als gesellschaftliche und gesundheitspolitische Aufgabe verstanden. Dies änderte sich erst mit der Kommunalwahl 2014“, so der Verein rückblickend.
Immer wieder in den Schlagzeilen
Der Verein wuchs trotzdem zum Glück stetig weiter und geriet 2002 sogar bundesweit in die Presse, weil ein kleines Hotel in Thüringen sich beharrlich weigerte, Teilnehmer der Positivenfahrt zu beherbergen. Man müsse auf die anderen Gäste Rücksicht nehmen, so die Argumentation, weswegen HIV-positiven Menschen die Übernachtung verwehrt blieb.
Großen medialen Eindruck hinterließ dann 2007 auch das Präventionsprojekt „Talk and Kiss“, das sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger und/oder körperlicher Beeinträchtigung sowie deren Betreuer und Eltern richtete. „Es war die erste Zusammenarbeit mit der Aktion Mensch und der Start in die sexuelle Bildungsarbeit in Verbindung mit HIV/STI-Prävention und das in einer besonders vernachlässigten und sexuell stigmatisierten Zielgruppe.“ Die Aktion Mensch unterstützte das Projekt drei Jahre lang mit insgesamt rund 184.000 Euro. In den folgenden Jahren wurde durch einen erneuten Umzug 2009 der Grundstein für das Testangebot und den damit verbundenen Checkpoint gelegt, im Januar 2010 schließlich konnte der erste HIV-Antikörper-Schnelltest durchgeführt werden – negativ, glücklicherweise.
Schicksalsjahr und Zukunftsperspektiven
2011 wurde zum Schicksalsjahr: „Aufgrund der nicht ausreichenden Landesfinanzierung war es finanziell nicht möglich die Aidshilfen in Halberstadt, Halle und Magdeburg erfolgreich zu betreiben. Das Land wollte nur noch eine.“ Schlussendlich schluckte die AIDS-Hilfe Magdeburg die Einrichtung in Halberstadt und aus dem Magdeburger Verein wurde dann die bis heute existierende Aidshilfe Sachsen-Anhalt Nord. In den Folgejahren kam es zu weiteren erfolgreichen Projekten, dem Ausbau des Zentrums für sexuelle Gesundheit, einem erneuten Umzug 2022 sowie einem neuem Referat für TIN (Trans*, Inter*, nichtbinär). Das Team wuchs ebenso weiter an, sodass der Verein heute so breit aufgestellt ist wie noch nie.
„Prävention, Beratung und Begleitung bilden weiterhin das Fundament unserer Arbeit – doch unser Angebot ist weiter gewachsen. Neu hinzugekommen ist die Sexualberatung, die wir nun fest in unserem Portfolio verankert haben. Doch nicht nur das Tagesgeschäft läuft bei uns auf Hochtouren. Auch der Checkpoint wächst stetig. Allein 2025 wurden dort über 2.400 Testungen durchgeführt, ein deutliches Zeichen für Vertrauen, Bedarf und Sichtbarkeit. Parallel dazu liefen zahlreiche Projekte und Veranstaltungen. Kurz gesagt: Wir bleiben in Bewegung und freuen uns natürlich auch über neue Menschen im Team.“