Direkt zum Inhalt
Malaysia setzt US-Kinderserie nach LGBTIQ+-Vorwürfen aus
ANZEIGE

Behörde stoppt Piratenserie Malaysia setzt US-Kinderserie nach LGBTIQ+-Vorwürfen aus

kw - 18.11.2025 - 16:30 Uhr
Loading audio player...

Die beliebte US-Kinderserie „Santiago Of The Seas“ ist in Malaysia vorläufig aus dem Fernsehprogramm genommen worden. Grund für die Entscheidung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt RTM war die Beschwerde mehrerer Zuschauerinnen und Zuschauer über angeblich LGBTIQ+-bezogene Szenen in einer Folge, die am Sonntagabend ausgestrahlt wurde. In Online-Debatten entbrannte anschließend eine kontroverse Diskussion rund um Vielfalt, Zensur und Werte im Kinderfernsehen.

 

Zensur und gesellschaftliche Spannungen

Die betreffende Sendung zeigt die Abenteuer des achtjährigen Piraten Santiago und seiner Crew beim Schutz ihrer karibischen Heimat. Stimmen in den sozialen Medien behaupteten, Episode 22 enthalte Szenen, in denen zwei männliche Figuren einen Kuss austauschten. Dies habe öffentlich Anstoß erregt und zeige, so die Kritikerinnen und Kritiker, eine bedenkliche „Förderung von LGBTQ-Ideologien“ in Kinderformaten.

Obwohl die zuständige Rundfunkbehörde RTM nach eigener Prüfung keine expliziten Hinweise oder darstellenden Handlungen gleichgeschlechtlicher Liebe gefunden hat, blieb der Druck groß. Aus Gründen der „öffentlichen Sensibilität“ werde die Ausstrahlung der Serie vorerst ausgesetzt, teilte das Sendernetzwerk mit. Die endgültige Entscheidung hänge von einer weiteren Überprüfung ab.

 

LGBTIQ+-Thematisierung steht unter Druck

Hintergrund ist die in Malaysia seit dem 19. Jahrhundert geltende Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, die mit harten Strafen – bis zu 20 Jahren Haft sowie Geldbußen und Prügelstrafe – geahndet werden kann. Eine systematische Medienzensur verbietet ausdrücklich Darstellungen von LGBTIQ+-Lebensweisen in Film, Fernsehen und Presse. Damit unterscheidet sich Malaysia stark von globalen Entwicklungen, in denen immer mehr Länder auf einen inklusiveren Umgang setzen und diverse Lebensrealitäten sichtbar machen.

Auch in anderen Ländern kommt es immer wieder zu öffentlicher Kritik, wenn queere Figuren in Kinder- oder Jugendserien vorkommen. Studien zufolge sehen viele Expertinnen und Experten in einer inklusiven Medienlandschaft jedoch einen Beitrag zu mehr Verständnis und Toleranz – gerade bei jüngeren Zielgruppen.

„Die subtile Förderung von LGBTQ+-Ideologien durch Kinderzeichentrickserien stellt eine ernste Bedrohung für das moralische Gefüge unserer Gesellschaft dar“, äußerte Mohd Nor Hamzah, Politiker der islamistischen Partei PAS, laut lokaler Medien.

 

Wie bunt darf Kinderfernsehen sein?

Der aktuelle Fall wirft grundlegende Fragen auf: Wer bestimmt, was im Kinderfernsehen gezeigt werden darf, und wie viel Vielfalt lässt eine Gesellschaft zu? Während viele Stimmen eine stärkere Berücksichtigung traditioneller Werte fordern, wächst zugleich international der Ruf nach Akzeptanz und Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen. Die Entscheidung von RTM könnte Signalwirkung für weitere Debatten über Medienpolitik in Südostasien und darüber hinaus entfalten. Wie geht es mit „Santiago Of The Seas“ weiter – und wohin steuert Malaysia medienpolitisch im internationalen Vergleich?

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neues Licht auf Alan Turing

Vergessener Erotik-Text entdeckt

Eine bislang unbeachtete Kurzgeschichte zeigt Computerpionier Alan Turing als humorvollen und selbstbewussten schwulen Mann.
Rückkehr auf die Turnmatte

Coming-Out veränderte Karriere

Nach seinem unfreiwilligen Coming-Out kämpfte sich der Turner Max Renaud zurück an die Weltspitze. Nun wirbt er für mehr Sichtbarkeit im Spitzensport.
Angriff auf die Homo-Ehe

Kampagne für ein US-Verbot

Die frühere US-Vizegouverneurin Winsome Earle-Sears wirbt in Virginia für ein Nein zu Verfassungsänderungen zur Ehe für alle und zum Abtreibungsrecht.
Klage gegen Pepsi

Vorwürfe wegen Diskriminierung

Eine ehemalige Pepsi-Mitarbeiterin wirft der Firma vor, sie nach jahrelangen homophoben Anfeindungen und einer Familienpflegezeit entlassen zu haben.
Neuer Streit um Kim Davis

Erbschaft sorgt für Vorwürfe

Ein schwules Paar wirft Kim Davis vor, Vermögen verschleiert zu haben, um eine gerichtlich zugesprochene Entschädigung nicht zahlen zu müssen.
Hasskriminalität in Österreich

Kritik an Bundesregierung wächst

Die Zahl der Hassverbrechen in Österreich bleibt hoch. Homophobe Straftaten nehmen zu, transfeindliche Delikte gehen zurück.
Indien vor Grundsatzfrage

Zukunft der LGBTIQ+-Rechte

Grundsatzentscheidung: Ein Urteil des indischen Obersten Gerichtshofs könnte bestimmen, wie weit der Schutz von LGBTIQ+-Rechten künftig reicht.
Sperre des CSD Magdeburg

Instagram sperrt dauerhaft Account

Meta hat den Instagram-Account des CSD Magdeburg „dauerhaft gesperrt“, eine konkrete Begründung gab es bisher nicht – und es ist kein Einzelfall.
Alarm bei Aids-Konferenz

Kampf gegen HIV stockt

UNAIDS warnt: Kürzungen bei weltweiten HIV-Programmen könnten den Kampf gegen Aids um Jahre zurückwerfen.