Aus einer Laune heraus LGBTI*? Sexualität und Geschlecht seien beliebig wechselbar
Der ehemalige demokratische Abgeordnete Vernon Jones äußerte sich jetzt in einem Interview ausführlich zum Thema LGBTI* und sorgt mit seinen unpassenden Vergleichen und Statements landesweit für Empörung in der queeren US-Community. Jones, ein Schwarzer Politiker, der inzwischen zur republikanischen Partei gewechselt ist und aktuell für den Kongress in Georgia kandidiert, versuchte dabei geschickt, die angeborene Hautfarbe eines Menschen im Gegensatz zur sexuellen oder geschlechtlichen Identität einer Person auszuspielen.
Im Interview mit dem ehemaligen Berater von Ex-Präsident Trump, Steve Bannon, erklärte er im rechtsextremen War Room Podcast:
„Wenn du dich als queer definierst, weiß ich trotzdem noch gar nicht, was du wirklich bist, bevor du es mir nicht erklärst. Aber wenn ich den Raum betrete, kann man sehen, dass ich schwarz bin. Ich bin von der Wiege bis zur Bahre schwarz, lassen Sie uns das nicht verwechseln. Man kann vom Heterosexuellen zum Schwulen, zum Transgender und zu all den anderen Geschlechtern wechseln. Aber wenn man schwarz ist, hat man keine Wahl."
Explizit schoss sich der republikanische Politiker im weiteren Verlauf immer mehr auf homosexuelle Menschen ein. Mit den Worten "Sie können sich tatsächlich ändern" bekräftigte er seine Auffassung, dass Homosexualität nur eine einfache Laune sei, die nach persönlichem Belieben jederzeit zu ändern wäre. Um der Absurdität die Krone aufzusetzen, behauptete er zuletzt noch, dass LGBTI*-Menschen noch nie unterdrückt worden seien.
Jones ist dabei nicht einfach ein verwirrter unbedeutender Politiker in den USA, er saß mehrere Amtszeiten im Repräsentantenhaus von Georgia, bevor er 2021 mit Ende seiner letzten Amtszeit medienwirksam ins Lager der Republikaner wechselte. Seitdem setzt er sich auch vehement für eine Wiederwahl von Donald Trump ein und fordert die Schwarze Community des Landes und seine politischen Kollegen auf, es ihm gleichzutun. Sollte er in den Kongress gewählt werden, strebt Jones zudem ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris wegen "Verrats des öffentlichen Vertrauens" an.
Jones trifft dabei durchaus auch einen Nerv in seiner Heimat Georgia – erst vor wenigen Tagen hat der Bundesstaat klammheimlich einen Gesetzentwurf verabschiedet, der in voller Breitseite queere Menschen diskriminieren soll. Das geplante neue Gesetz bedarf nur noch der Unterschrift von Gouverneur Brian Kemp und sieht unter anderem vor, Sportverbänden zu gestatten, trans-Mädchen vom Sport auszuschließen und alle Themen rund um LGBTI* und Aufklärung an den Schulen zu verbieten, sobald sie als „spaltende Konzepte“ definiert werden. Eltern haben dann zudem die Möglichkeit, lokale Schulbehörden zu verklagen, wenn ihnen ein Unterrichtsstoff für ihre Kinder nicht zusagt.
Jones´ Stimme ist also durchaus eine nicht zu verachtende, die in den nächsten Monaten zudem an Kraft gewinnen könnte. Gerade in Bezug auf trans-Personen positionierte sich der Politiker auch immer wieder ganz klar. Vor zwei Jahren attackierte er so bereits als noch demokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses von Georgia die trans-Stadträtin von Doraville, Stephe Koontz, nachdem diese ihn aufgrund seiner Unterstützung von Anti-Einwanderungsgesetzen zur Rede gestellt hatte. Jones polterte zurück, dass LGBTI*-Rechte keine Bürgerrechte seien und sagte zudem: "Sie könnten an einem Tag ein Mann sein und am nächsten eine Frau, ich weiß nicht einmal jetzt, was Sie eigentlich sind!“