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Auf der Abschussliste: LGBTI* in den USA Droht ab Februar eine neue Welle von Hass gegenüber LGBTI*?

ms - 14.01.2022 - 12:30 Uhr
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Am 21.Februar soll es soweit sein, dann soll der neue Social-Media-Dienst „Truth Social“ online gehen. Ein Jahr, nachdem der amerikanische Ex-Präsident Donald Trump von Twitter dauerhaft gesperrt wurde, geht nun sein eigener Kurznachrichtendienst ans Netz. Es ist schon jetzt unverkennbar, dass Trump damit Twitter direkt angreift – allein das Layout der beiden Seiten gleicht sich in frappierender Weise.

Alle Tweets werden künftig „Truth“ heißen, die Retweets dann „Re-Truth“. Es mag plump und albern anmuten, doch sicherlich sorgt allein dieser Umstand unterbewusst bei den künftigen Usern für die schleichende Erkenntnis, dass sie es hier tatsächlich mit der Wahrheit zu tun haben. Trump und seine Anhänger werden vor einer Millionenleserschaft künftig Fake News gänzlich ohne Filter verbreiten dürfen und jede Nachricht ist dann selbstverständlich „truth“, also wahr und korrekt.

Truth-Social © apps.apple.com
Truth-Social © apps.apple.com

Das Netzwerk befindet sich aktuell in der letzten Testungsphase, geladene Gäste können bereits einen ersten Blick darauf werfen, bevor sich dann ab Ende Februar alle darum bewerben dürfen, Mitglied bei „Truth Social“ zu werden. Bedenkt man die nach wie vor große Anhängerschaft, die der amerikanische Lügenbaron Trump noch immer in den USA hat, wird die Zahl der User wahrscheinlich binnen Stunden in die Millionen gehen – darunter auch viele homophobe und fundamental christliche Anhänger, die nun endlich wieder ganz offen und frei auch gegenüber LGBTI* hetzen können. Und das nicht nur in Amerika, der Dienst wird dann höchstwahrscheinlich auch in Europa im App-Store zu finden sein.

Alles nur Panikmache? Mitnichten. Die Fronten in Amerika sind verhärteter denn je. Mit jedem politischen Fortschritt, den Präsident Joe Biden im Hinblick auf LGBTI* seit seinem Amtsantritt im Januar 2021 vollzogen hat, wird der Hass im konservativen bis rechten Lager größer und die Menschen gewaltbereiter. Laut einer Studie der Süddeutschen Zeitung erkennen bis heute 30 Prozent der Amerikaner Joe Biden nicht als legitimen Präsidenten an. 70 Prozent der Republikaner sind sogar nach wie vor davon überzeugt, dass Trump der Wahlsieg gestohlen wurde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Trump sich oder ein nahes Familienmitglied 2024 zur Wahl des Präsidenten aufstellen lässt. Gewinnt er, würde das erneut einen Tiefschlag gerade auch für LGBTI*-Amerikaner bedeuten. Verliert er abermals, könnte es nach dem „zweiten gestohlenen Wahlsieg“ zu einem Bürgerkrieg in den USA kommen. Trump hat ab Februar nun genügend Zeit, genau hierfür die Stimmung online schrittweise aufzuheizen.

© vichinterlang
© vichinterlang

So könnten die ersten Etappensiege, wenn es um die rechtliche Gleichstellung von queeren Amerikanern geht, zu einem Bumerang-Effekt führen. Fraglich wird dann 2024 auch sein, wie stark die LGBTI*-Community selbst Donald Trump unterstützen wird. Bei der letzten Wahl 2020 stimmten 28 Prozent der LGBTI*-Amerikaner für den orangefarbenen Hulk – und das trotz seiner queerfeindlichen Politik.

Ein weiterer Aspekt sollte schlussendlich auch uns in Europa zu denken geben: Auch wenn Amerika auf den ersten Blick weit weg erscheint, so treffen die Auswirkungen auch uns. Mit einem neuen Online-Netzwerk, das ganz unverblümt Fake News und Hate Speech weiter salonfähig macht, öffnen sich auch hier für rechte und rechtskonservative Politiker noch weiter die Türen, was künftig alles sagbar wird. Die ersten Opfer dieser „neuen Offenheit“ sind fast immer Minderheiten wie beispielsweise die LGBTI*-Community. Die älteren Leser werden sich vielleicht noch an George Orwells dystopischen Literaturklassiker „1984“ erinnern, eine Geschichte über einen totalitären Überwachungsstaat. Die Hüter über Wahrheit und Lüge arbeiteten dort für das „Ministry of Truth“ und entschieden eigenmächtig, was Fake News waren und was nicht. Was George Orwell wohl heute zu Trumps „Truth Social“ sagen würde?   

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