ARD und ZDF brauchen Digitalethik Aufruf befeuert auch Debatte um LGBTI*-Berichterstattung neu
Seit letzter Woche wird deutschlandweit darüber diskutiert, ob und wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF sowie ihre weiteren Programme Themen rund um die Frage der Geschlechter sowie rund um LGBTI* und Queer-Theorie bearbeiten. Über einhundert Wissenschaftler und Mediziner hatten in einem offenen Brief den Medien vorgehalten, einseitig und nicht sachlich fundiert darüber zu berichten. Der Vorwurf schlug hohe Wellen und verhärtete die Fronten abermals.
Nun meldet sich auch die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung zu Wort und erklärte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender gerade mit Blick auf ihre Veröffentlichungen in den sozialen Medien eine „Digitalethik“ entwickeln müssten. ARD und ZDF würden sich, um große Reichweiten zu generieren, zu sehr an den Algorithmen der Plattformen orientieren und dadurch die Qualität ihrer Arbeit gefährden, so die Stiftung. Dadurch werde die Unabhängigkeit ihrer Angebote infrage gestellt. Die Rundfunkanstalten würden sich mit ihrer derzeitigen Herangehensweise auch in eine Abhängigkeit bringen, sodass ein „starkes Machtgefälle zwischen Konzernen und Sendern“ entstehen würde.
Der Kritik vorausgegangen war eine ausführliche Studie über Journalismus in den sozialen Netzwerken, dabei wurde die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten auf Instagram, Twitter, Facebook, Youtube, Spotify, Tiktok, Snapchat, Telegram, Pinterest, LinkedIn und Xing untersucht. Insgesamt wurden 273 Formate unter die Lupe genommen. Leiter der Untersuchung war der Journalist Henning Eichler, selbst Redakteur im Hessischen Rundfunk und zudem Lehrbeauftragter an den Hochschulen Darmstadt und Rhein-Main. Im Gespräch mit Mitarbeitern der Rundfunkanstalten wurde laut Eichler dabei auch klar, dass sich viele Kollegen mehr orientierende Grundsätze für die Arbeit in den Netzwerken wünschen würden. Es dürfe weniger um Reichweite, Trends und Likes gehen, sondern mehr um journalistische Qualitätsansprüche. Ähnlich lautende Kritik wurde auch in dem offenen Brief erläutert und bekräftigt, dass die Rundfunkanstalten ungeprüft der Queer-Theorie nacheifern würden. Die LGB Alliance, eine Vertretung für Schwule, Lesben und Bisexuelle, schloss sich dieser Kritik an, zahlreiche andere LGBTI*-Organisationen verurteilten den offenen Brief dagegen scharf.