Appell von Ghanas Erzbischof Kirche lehnt Strafen ab, Homosexuelle sind „Kinder Gottes“
Überraschendes Statement: Während die deutliche Mehrheit der Mitglieder des ghanaischen Parlaments die endgültige Verabschiedung eines weitreichenden Anti-LGBTIQ+-Gesetzes vorbereiten, hat der Leiter der anglikanischen Kirche in Westafrika jetzt öffentlich klargestellt, dass die Kirche die Kriminalisierung von Homosexualität ablehnt.
Das Wichtigste im Überblick
- Der anglikanische Erzbischof von Ghana, Cyril Kobina Ben-Smith, spricht sich gegen die Kriminalisierung homosexueller Menschen aus.
- Homosexuelle Menschen seien seit langem Teil der ghanaischen Gesellschaft und „nie ein Problem“ gewesen.
- Zugleich hält die anglikanische Kirche an ihrer traditionellen Lehre zu Sexualität und Geschlecht fest.
- Ben-Smith betont, LGBTIQ+-Menschen seien „alles Kinder Gottes“ und „Gott liebt sie“.
Statement gegen Kriminalisierung
In einem Interview mit der BBC sagte der anglikanische Erzbischof von Ghana, Cyril Kobina Ben-Smith, jetzt: „Unser Standpunkt ist ganz klar: Wir unterstützen die Kriminalisierung homosexueller Menschen nicht.“ Ben-Smith räumte ein, dass die Kriminalisierung derzeit Teil des ghanaischen Rechtsrahmens sei. Zugleich betonte er, dass die Kirche nicht unterstütze, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung strafrechtlich zu verfolgen. Ben-Smith ist Primas der anglikanischen Kirche in Westafrika und Bischof von Asante-Mampong.
Bei ihrer traditionellen Haltung zu Sexualität und Geschlecht bleibe die anglikanische Kirche nach seinen Worten jedoch. „Wir glauben, dass Gott Mann und Frau geschaffen hat, deshalb ist die anglikanische Kirche eher traditionell, wenn man so will. Wir halten also an der traditionellen Sichtweise fest“, sagte er. Gleichzeitig betonte Ben-Smith, alle LGBTIQ+-Menschen seien „Kinder Gottes“ und „Gott liebt sie“. Er verwies zudem auf traditionelle kulturelle Vorstellungen in Ghana zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen und sagte, diese seien historisch gegen Homosexualität gerichtet gewesen.
Homosexuelle waren nie ein Problem
Zudem machte der Geistliche deutlich, dass homosexuelle Menschen keine neue Erscheinung in Ghana seien. „Das gesamte Phänomen von Menschen aus der homosexuellen Community ist hier nicht neu. Sie leben seit langer Zeit in diesem Land, und wir haben mit ihnen gelebt. Sie waren nie ein Problem!“ Die anglikanische Kirche hat sich bereits in der Vergangenheit gegen das Anti-LGBTIQ+-Gesetz ausgesprochen, allerdings bisher nie mit dieser Deutlichkeit.
Bereits vor dem Interview mit der BBC warnte der Erzbischof: „Ghanaische Bürger dürfen den Gesetzentwurf nicht als Anlass nutzen, Menschen mit homosexueller Orientierung anzugreifen, sondern sollen ihnen Liebe entgegenbringen, wie es die Kirche Jesu Christi tun soll, indem sie die Liebe Gottes durch den Schutz aller gefährdeten Menschen und Gruppen zeigt. Akte der Belästigung, Einschüchterung und Feindseligkeit gegenüber LGBTIQ+-Menschen sollten verurteilt werden.“ Seit den Debatten rund um das neue Gesetz haben Hetzjagden, Selbstjustiz und gewalttätige Willkür gegen schwule Männer massiv zugenommen.
Umfassendes Hass-Gesetz
Das Parlament von Ghana arbeitet indes weiter an einem radikalen Anti-LGBTIQ+-Gesetz im Land, das bisherige Verbote noch einmal deutlich verschärfen soll. Im Gegensatz zu Erzbischof Ben-Smith und der anglikanischen Kirche unterstützt der oberste Imam des Landes, Sheikh Osman Nuhu Sharubutu, das Vorhaben ausdrücklich. Rund 70 Prozent der Einwohner sind Christen, etwa 20 Prozent Anhänger des Islam. Die Parlamentarier wollen die bisherigen Haftstrafen für Homosexualität von aktuell drei Jahren noch einmal deutlich erhöhen. Zudem sollen Konversionstherapien verpflichtend werden.
Gefängnis droht auch generell trans* und queeren Menschen sowie Besuchern von illegalen, gleichgeschlechtlichen Hochzeiten. Jedwede Unterstützung von Schwulen und Lesben oder LGBTIQ+-Aktivisten wie auch queeren Verbänden zieht dann Haftstrafen von bis zu fünf Jahren nach sich. Zudem soll eine Meldepflicht eingeführt werden, Bürger müssen „verdächtigtes homosexuelles Verhalten“ der Polizei mitteilen. Wer künftig schweigt, riskiert Haftstrafen von drei Jahren. Die Richtlinien hätten auch innerhalb von Familien Gültigkeit.