Anti-LGBTI*-Gesetze inspirieren LGBTI*-Community braucht Verfechter im Amt
Es dürfte nicht im Sinne der Hardliner und konservativen Kräfte in Amerika sein, doch jede Bewegung erzeugt zumeist auch eine Gegenbewegung. Je massiver die LGBTI*-Community angegriffen wird, desto mehr formiert sie sich anscheinend auch und ist bereit, zurückzuschlagen.
Nebst den über 250 Gesetzentwürfen, die allein bis jetzt in diesem Jahr in vielen Bundesstaaten eingebracht wurden und sich dabei direkt gegen LGBTI*-Menschen richten, sorgen auch jüngste Entwicklungen wie die mögliche Streichung von gleichgeschlechtlichen Ehen oder das erneute Verbot von gleichgeschlechtlichem Sex, höchstrichterlich vielleicht bald festgesetzt vom mehrheitlich konservativ besetzten Obersten Gerichtshof der USA, für Entsetzen in der LGBTI*-Community.
Die Gegenbewegung nimmt dabei immer mehr an Fahrt auf. Auf der einen Seite wollen wahrscheinlich mehr als ein Dutzend Bundesstaaten dem Beispiel Kaliforniens folgen und einzelne Bundesstaaten zu rechtssicheren Schutzräumen für queere Jugendliche machen, zum anderen zeigen die aktuellen Entwicklungen jetzt, dass sich immer mehr junge LGBTI*-Menschen aktiv in die Politik einbringen wollen.
Die queerfeindlichen Gesetze inspirieren viele LGBTI*-Personen sozusagen, sich um öffentliche Ämter zu bewerben. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass dies nicht nur in den queeren Hochburgen wie New York, Los Angeles oder San Francisco passiert, sondern auch immer mehr in kleineren Städten und ländlichen Gegenden der USA.
Eine davon ist die Nnedi Stephens, eine junge demokratische Kandidatin, die in Nevada für den dreizehnten Bezirk als nächste Senatorin kandidiert. Im Juni stehen die Vorwahlen im Bundesstaat an und bis dahin ist Stephens tagtäglich zu Fuß unterwegs, um potenzielle Wähler ganz direkt anzusprechen, wie sie NPR News erzählt hat. Stephens ist nicht-binär und erklärt ihre Motivation so:
„Ich kandidiere, um mehr Repräsentation in den Senat zu bringen, besonders für die jungen Leute, deren Klassenzimmer an der Frontlinie des Kulturkriegs stehen.“
Die Beweggründe gleichen sich dabei, stets sind queerfeindliche Gesetze die Kernursache für das aufkeimende politische Engagement.
Bisher stehen mehr als 600 LGBTI*-Kandidaten dieses Jahr auf den Wahlzetteln, so aktuelle Zahlen des LGBTQ Victory Fund, ein überparteiliches politisches Aktionskomitee. Präsidentin Annise Parker ist davon überzeugt, dass diese Zahl noch weiter ansteigen wird.
Die Direktorin der LGBTI*-Schutzorganisation Glaad, Sarah Kate Ellis, freut sich über die Entwicklung: „Das ist es, was wir gerne sehen wollen! Das ist es, was wir sehen MÜSSEN! Die LGBTI*-Community braucht Verfechter im Amt, die sich um unsere Sicherheit kümmern, die Gemeinschaft fördern und unsere Kinder davor schützen, als politische Schachfiguren benutzt zu werden!“